{"id":10281,"date":"2019-10-28T15:15:30","date_gmt":"2019-10-28T13:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10281"},"modified":"2019-12-01T10:58:52","modified_gmt":"2019-12-01T08:58:52","slug":"artikel-kampf-um-die-prothese-behinderte-werden-vom-staat-noch-weiter-behindert-von-d-wirth-28-10-2019-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10281","title":{"rendered":"Artikel: &#8220;Kampf um die Prothese: \u00abBehinderte werden vom Staat noch weiter behindert\u00bb&#8221; von D. Wirth, 28.10.2019 [Kommentar]"},"content":{"rendered":"<p>Wie die Regeln, die Entscheidungsfindung, die Versicherungsbedingungen, die Gesetze<span id='easy-footnote-1-10281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10281#easy-footnote-bottom-1-10281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20163880&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener noreferrer&quot;&gt;https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20163880&lt;\/a&gt;:&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Gr\u00f6ssere Autonomie und bessere soziale Integration von Personen mit Behinderung erm\u00f6glichen&lt;br \/&gt;\nEingereicht von:Gl\u00e4ttli Balthasar&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Gr\u00fcne Partei der Schweiz&lt;br \/&gt;\nEinreichungsdatum:&lt;br \/&gt;\n30.09.2016&lt;br \/&gt;\nEingereicht im: Nationalrat&lt;br \/&gt;\nStand der Beratungen: Motion an 2. Rat&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament einen Entwurf zu Gesetzes\u00e4nderungen im Bereich der Sozialversicherungen (IV, EL, BVG, UVG, KVG usw.) vorzulegen, die zum Zweck haben, dass die Sozialversicherungen die Kosten f\u00fcr optimale Hilfsmittel f\u00fcr Personen mit einer Behinderung \u00fcbernehmen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Unser Land ist gegenw\u00e4rtig kein Vorbild in Bezug auf die Hilfe, die die Schweiz ihren B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern mit einer Behinderung gew\u00e4hrt. Die Sozialversicherungen \u00fcbernehmen n\u00e4mlich nur die Kosten von Hilfsmitteln, die einfach, zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich sind. F\u00fcr ein &amp;#8220;optimales&amp;#8221; Hilfsmittel dagegen m\u00fcssen Patientinnen und Patienten selber aufkommen. Dies f\u00fchrt zu einer massiven Verschlechterung der Lebensqualit\u00e4t einer betr\u00e4chtlichen Anzahl behinderter Personen, die nicht \u00fcber die finanziellen Ressourcen verf\u00fcgen, um den Kostenunterschied bezahlen zu k\u00f6nnen. Die besagten Versicherungen ber\u00fccksichtigen bei der Pr\u00fcfung der Kosten\u00fcbernahme und bei der Berechnung der R\u00fcckerstattung die technischen und \u00e4sthetischen Weiterentwicklungen von Hilfsmitteln nicht. Dass im Jahr 2014 in der Schweiz den Personen, die in ihrem Alltag durch eine Behinderung deutlich eingeschr\u00e4nkt sind, eine Verbesserung ihrer Lebensqualit\u00e4t einzig aus finanziellen Motiven verweigert wird, ist stossend. Ebenso stossend ist, dass Kinder und Erwachsene in vergleichbaren Situationen je nach ihren finanziellen M\u00f6glichkeiten ungleich behandelt werden. Es ist offensichtlich, dass eine behinderte Person, die von optimalen Hilfsmitteln profitiert, eine bedeutend gr\u00f6ssere Autonomie geniesst und auch bedeutend besser in das soziale Leben integriert ist.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Darum dr\u00e4ngt es sich auf, sich gegen\u00fcber den betroffenen Personen auf die Grundlagen einer sozialen und solidarischen Haltung zur\u00fcckzubesinnen. Wenn es um die Autonomie und die soziale Integration einer Person mit einer Behinderung geht, muss die Situation der Betroffenen ebenso wie die ihres Umfeldes ber\u00fccksichtigt werden.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Wir haben die Pflicht, einer Person m\u00f6glichst das zur\u00fcckzugeben, was sie verloren hat.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Deshalb soll der Bundesrat dem Nationalrat einen Entwurf zu Gesetzes\u00e4nderungen bei den Sozialversicherungen unterbreiten, die zum Zweck haben, dass die Sozialversicherungen die Kosten f\u00fcr optimale Hilfsmittel \u00fcbernehmen, die den k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten und dem sozialen und beruflichen Umfeld einer Person mit einer Behinderung entsprechen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Ein zentraler Grundsatz der Sozialversicherungen ist, dass die Leistungen nach den Gesichtspunkten der Einfachheit, Zweckm\u00e4ssigkeit und Wirtschaftlichkeit ausgerichtet werden. Eine Abkehr von diesem Grundsatz w\u00fcrde einem Paradigmenwechsel gleichkommen. Die Ber\u00fccksichtigung von \u00e4sthetischen Kriterien oder des Kriteriums &amp;#8220;Optimalit\u00e4t&amp;#8221; eines Hilfsmittels w\u00fcrde dazu f\u00fchren, subjektive Kriterien zu ber\u00fccksichtigen. Dies w\u00fcrde zum einen dazu f\u00fchren, dass unter Umst\u00e4nden ein der Eingliederung nicht bestm\u00f6glich dienendes Hilfsmittel abgegeben w\u00fcrde (weil z. B. ein Versicherter mehr Wert auf \u00c4sthetik als auf Funktionalit\u00e4t legt), zum andern, dass jegliche Mehrkosten von der Versicherung \u00fcbernommen werden m\u00fcssten, ohne dass diese zu diesem Zeitpunkt beziffert werden k\u00f6nnen. Zudem w\u00fcrde sich dadurch nicht zwingend die Lebensqualit\u00e4t der versicherten Person verbessern. Dies kann nicht im Sinne der versicherten Personen sein und entspricht nicht dem von der Motion verfolgten Ziel. Auch f\u00fcr die Versicherung w\u00e4re eine solche \u00c4nderung nicht zweckm\u00e4ssig.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Bundesrat hat im \u00dcbrigen dazu Sorge zu tragen, dass sowohl die Leistungsbez\u00fcger als solche untereinander rechtsgleich behandelt werden als auch die Solidarit\u00e4t der Gesamtheit der versicherten Personen nicht \u00fcberbeansprucht wird. Mit dem Einbezug von subjektiven Kriterien w\u00e4re dies nicht mehr gew\u00e4hrleistet. Es stellt sich zudem die Frage, wie sich ein Verzicht auf diese Kriterien zur Hilfsmittelabgabe gegen\u00fcber den anderen Versicherten rechtfertigen liesse, g\u00e4lte doch f\u00fcr andere Leistungsarten die Pr\u00e4misse &amp;#8220;einfach, zweckm\u00e4ssig, wirtschaftlich&amp;#8221; nach wie vor.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Es muss aber explizit festgehalten werden, dass auch unter den geltenden Kriterien dem technischen Fortschritt Rechnung getragen wird und st\u00e4ndig neue und weiterentwickelte Hilfsmittel von den Sozialversicherungen finanziert werden.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Chronologie&lt;br \/&gt;\n19.09.2018 Nationalrat Annahme&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> , auszusehen haben, damit eine Sache ideal l\u00e4uft, ist immer dann interessant, wenn die Worte nicht klar in ihrer Bedeutung sind, sondern zun\u00e4chst einer Auslegung bed\u00fcrfen, und wenn \u00fcberdies unklar ist, was &#8220;ideal&#8221; bedeutet. So sollen Armprothesen &#8220;einfach, zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich&#8221; sein. Was das konkret ist, bleibt so lange unklar, solange Otto Bock etwa Komponenten f\u00fcr wie sie dort hoffen &#8220;robuste&#8221; Armprothesen verkaufen, die dann keineswegs nur kurzlebig in einem typischen Verbraucheralltag sind, sondern wo Kabelz\u00fcge f\u00fcr besonders belastbare Armprothesen regelhaft, design- und baubedingt, alle 4-10 Tage reissen und ein neuer Stahlseileinzug n\u00f6tig wird, nur um ein kleines Beispiel zu nennen. Dann klaffen die m\u00f6glichen Wortbedeutungen sehr breit.<\/p>\n<p>In der Aargauerzeitung (<a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/schweiz\/kampf-um-die-prothese-behinderte-werden-vom-staat-noch-weiter-behindert-135871510\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>) steht nun zu dieser \u00e4usserst interessanten<span id='easy-footnote-2-10281' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10281#easy-footnote-bottom-2-10281' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.riffreporter.de\/unverkaeuflich\/amputation-prothese\/&quot;&gt;https:\/\/www.riffreporter.de\/unverkaeuflich\/amputation-prothese\/&lt;\/a&gt;:&lt;br \/&gt;\nEin Artikel aus dem Online-Magazin &amp;#8220;Unverk\u00e4uflich&amp;#8221; von Susanne Donner&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Das Thema war schwer verk\u00e4uflich. Ich bot es f\u00fcnf verschiedenen Redaktionen, darunter Magazinen wie auch Zeitungen und Onlinejournalen, an, f\u00fcr die ich regelm\u00e4\u00dfig arbeite. Diese lehnten ab oder reagierten nicht. Das Thema sei zu bedr\u00fcckend, war ein Argument. Schlie\u00dflich erschien dieser Artikel in gek\u00fcrzter Form im Tagesspiegel &amp;#8211; und wurde rege gelesen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Petra W. ist eine Frau mit fein geschliffenen N\u00e4geln und akkurat frisiertem aschblondem Haar. Eine, die sich freut, wenn man ihr sagt, sie s\u00e4he aus wie 50. Aber sie ist 87 und sitzt im Rollstuhl mit nur einem Bein, dem linken. Auf die Frage nach ihrem Befinden sagt sie: \u201eEs ist nicht mehr sch\u00f6n, jetzt\u201c, oder, \u201ewenn man das Schlechte wegl\u00e4sst, geht es irgendwie gut.\u201c Sie bekommt dann glasige blaue Augen und rollt lieber weiter oder wechselt das Thema. Ihr Bein wurde ihr vor zwei Jahren amputiert. Damals, mit ihrem Mann an ihrer Seite, hatte sie fest vor, wieder laufen zu lernen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Aber kaum war sie von der OP heimgekehrt, bauten sich H\u00fcrden \u00fcber H\u00fcrden vor ihr auf. Ihre gesetzliche Krankenkasse wollte erst einmal gar kein Kunstbein bezahlen. Monate vergingen. Ihr Mann k\u00e4mpfte. Dann bekam sie eine Prothese, die Petra W. im blauen Sack auf dem Scho\u00df zur Physiotherapeutin fuhr. Einmal kam sie bei unserer Begegnung gerade von einem dieser Termine und hob zur Begr\u00fc\u00dfung den Sack in die Luft und sagte mit leicht entr\u00fcstetem Unterton: \u201eGucken Sie mal, wie schwer. Das sind f\u00fcnf Kilo!\u201c Ihr Mann l\u00e4chelte stumm. Die Physiotherapeutin hatte keine Ahnung von Kunstbeinen. Sie war beim Anlegen hilfloser als Petra W. selbst. Sp\u00e4ter hie\u00df es, das Bein passe gar nicht. Inzwischen lag die OP schon \u00fcber ein Jahr zur\u00fcck. Wieder k\u00e4mpfte der Mann mit der Krankenkasse. Schlie\u00dflich kam ein neues Bein. Doch dann wurde Petras Mann dement, wollte nachts die Wohnung verlassen und mit dem Bus nach Hause fahren. Sie konnte ihn auf einem Bein kaum auf seinen beiden zur\u00fcckhalten. Er musste in ein Pflegeheim. Petra W. hat die beiden blauen S\u00e4cke mit den Beinen seither in einen Schrank ger\u00e4umt.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Man k\u00f6nnte denken, Petra W. habe einfach Pech gehabt. Schlie\u00dflich haben Journalisten oft genug \u00fcber Menschen berichtet, die dramatisch verungl\u00fcckten, ein Bein verloren, aber dann bald wieder l\u00e4chelnd durchs Leben liefen. Dank Prothese. Diese fortschrittsgl\u00e4ubigen Geschichten machen Mut und sind so sch\u00f6n. Wir Journalisten w\u00e4hlten gerne dieses immergleiche Narrativ.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Nur wenige laufen wieder&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Aber es gibt gleich mehrere Experten, die sagen: So perfekt l\u00e4uft das meist nicht. Recht gew\u00f6hnlich sei dagegen die Geschichte von Petra W.. Normal ist: Nie wieder auf die Beine. Das wei\u00df die Pflegewissenschaftlerin Uta Gaidys von der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Sie hat viele hundert Amputierte befragt. Das bekr\u00e4ftigt Andrea Vogt-Bolm, Leiterin des unabh\u00e4ngigen Vereins Ampu-Vita, der Amputierten in Norddeutschland mit Rat und Tat zur Seite steht. Und schlie\u00dflich die \u00c4rztin f\u00fcr Unfallchirurgie Melissa Beirau. Sie hilft jeden Tag am Unfallklinikum Berlin, Unfallopfern auf einer Prothese zu gehen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Aber wie viele Amputierte schaffen es eigentlich auf eine Prothese, wenn die Erfolgsgeschichten nicht so h\u00e4ufig sind, wie wir glauben? \u201eEs gibt keine systematischen Daten. Es interessiert niemanden\u201c, antwortet Beirau. Nur die Studie von Uta Gaidys von 2013 ist ihr in Erinnerung geblieben. Gaidys befragte mithilfe zweier gesetzlicher Krankenkassen 515 Amputierte und zwar bis zu vier Jahre nach der Amputation. Die allermeisten, 87,1 Prozent, hatten eine Prothese. Aber weniger als die H\u00e4lfte &amp;#8211; 41,4 Prozent \u2013 konnte damit genug gehen, um den Alltag zu meistern. Viele liefen trotz Prothese kaum mehr als wenige Minuten. Sie brauchen einen Rollstuhl. Zwei Drittel sind nach dem Eingriff deshalb auf die Hilfe von Angeh\u00f6rigen oder Fremden angewiesen. Kochen, waschen, Erledigungen au\u00dfer Haus \u2013 vieles gelingt ihnen fortan nicht mehr alleine. Als wichtigste Ursache ihrer Pflegebed\u00fcrftigkeit beklagen sie, dass sie zu wenig laufen k\u00f6nnen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Dabei haben viele sogar zwei verschiedene Kunstbeine, wei\u00df Vogt-Bolm. Und aus Gaidys Studie geht hervor, dass ein gro\u00dfer Anteil \u2013 87,1 Prozent \u2013 die Prothese sogar zwei bis sechs Mal pro Woche anlegt. Aber dann kommen sie offensichtlich nicht weit. \u201eDie meisten tragen sie nur ein paar Minuten. Sonst liegen sie im ber\u00fchmten blauen Sack herum\u201c, sagt Vogt-Bolm.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;In der Werbung ist die Prothese so schick wie eine Krawatte&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Chirurg Bernhard Greitemann entfernt selbst Gliedma\u00dfen von Patienten, und er leitet eine Rehaklinik bei Osnabr\u00fcck. Ihm missf\u00e4llt die Geschichte von den unn\u00fctzen Prothesen: Gut 80 Prozent der Amputierten verlie\u00dfen seine Klinik auf der Prothese. Sie k\u00f6nnten laufen und Treppen steigen. Aber wie weit sie auf dem Kunstbein im Alltag wirklich kommen und wie weit sie damit Jahre sp\u00e4ter gehen, wei\u00df er nicht, r\u00e4umt er ein.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Marktf\u00fchrer der Medizintechnik Ottobock in Duderstadt habe sich geschockt gezeigt, als Gaidys ihre Studie dort pers\u00f6nlich vorstellte, berichtet sie. Auch f\u00fcr sie selbst war der Besuch ein Schock: \u201eIch ging in diese Eingangshalle und dachte, jetzt bin ich in einem Science-Fiction-Film. Das war unglaublich.\u201c Es g\u00e4be Prothesen, die sich per Smartphone beugen und strecken. Solche, mit denen man schneller l\u00e4uft als normal, solche, die beim Hinsetzen und beim Aufstehen aktiv nachhelfen. Die Werbung der Medizintechnikhersteller zeigt Amputierte im Anzug, auf der Sonnenseite der Karriere, l\u00e4chelnd und dynamisch, fast so, als w\u00e4re ein k\u00fcnstliches Bein die neue Krawatte.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Scheibchenweise ins Siechtum&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Aber was ist dann bei Petra W. und all den anderen schief gegangen? \u201eDie Chirurgen h\u00f6ren es nicht gerne. Aber ein wichtiger Grund ist, dass zu sp\u00e4t und dann scheibchenweise amputiert wird. Gro\u00dfer Zeh, Vorfu\u00df, Unterschenkel, Oberschenkel, dann das andere Bein\u201c, sagt Gaidys. Die Operierten seien dann durch das lange Siechtum und die st\u00e4ndigen Eingriffe enorm geschw\u00e4cht und unfit. Wenn sie eine Prothese brauchen \u2013 ab Unterschenkel aufw\u00e4rts &amp;#8211; , schaffen sie es beim besten Willen nicht mehr. Sie enden im Rollstuhl. Der Klassiker unter ihren Betroffenen habe dutzende Eingriffe hinter sich, best\u00e4tigt Vogt-Bolm.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Der Vorwurf, es w\u00fcrde zu z\u00f6gerlich amputiert, findet sich nie in den turnusm\u00e4\u00dfigen Presseaussendungen der Fachgesellschaften nicht wieder. Im Gegenteil: Sie pl\u00e4dieren gar f\u00fcr noch mehr Behandlungen, ehe amputiert werde. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin moniert, die meisten Amputationen bei Diabetikern lie\u00dfen sich mit gef\u00e4\u00dferhaltenden Ma\u00dfnahmen abwenden, will hei\u00dfen: verz\u00f6gern. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Angiologie wiederholt dasselbe f\u00fcr ihr Patientenklientel, jene mit Durchblutungsst\u00f6rungen. Beide Krankheiten sind mit Abstand die wichtigsten Ursachen f\u00fcr Amputationen.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Das Entfernen einer Gliedma\u00dfe gilt als Versagen des Arztes. Deshalb wird sie so lange erhalten, bis nichts anderes mehr geht. Diese Vorgehensweise ist nebenbei auch die eintr\u00e4glichste, stellt Gaidys klar: Beinerhaltende Behandlungen und mehrere Scheibchenamputationen bringen weitaus mehr Geld als eine einmalige Amputation. Und weil es f\u00fcr Chef\u00e4rzte verschiedenen Gesundheits\u00f6konomen zufolge umso mehr Gehalt gibt, je mehr sie behandeln, setzt das einen Anreiz f\u00fcr diese Vorgehensweise.&lt;br \/&gt;\nIn guter Absicht gegen die Prothese&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;\u201eImmer wieder ist von Salamitaktik die Rede\u201c, sagt Unfallchirurg Bernhard Greitemann und r\u00e4umt damit indirekt ein, dass es unter \u00c4rzten sogar ein Wort f\u00fcr die Praxis gibt. Doch dann folgt das klare Dementi: \u201eDiese Kritik trifft so nicht zu. Nat\u00fcrlich gibt es Revisionen nach Amputationen. Aber oberstes Ziel muss auch aus Gr\u00fcnden der Mobilit\u00e4t der Erhalt der Gliedma\u00dfen sein. Ohne Vorfu\u00df kann man ohne Prothese laufen, ohne Oberschenkel nicht mehr.\u201c&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Er sieht den Missstand an anderer Stelle der Gesundheitsversorgung. Die Amputierten unterfallen in zwei Klassen: die gesetzlich Versicherten und die Berufsunfallopfer. Wer beruflich bedingt etwa auf dem Weg zur Arbeit verungl\u00fcckte und ein Bein verlor, f\u00fcr den wird alles getan, damit er wieder auf die Beine kommt. Die Berufsgenossenschaft will keine teure Berufsunf\u00e4higkeit bezahlen und erstattet daf\u00fcr gew\u00f6hnlich anstandslos Prothesen und die Rehabilitation. \u201eDiese Menschen lernen fast immer auf einer Prothese zu laufen\u201c, sagt Beirau.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Aber die meisten Amputierten z\u00e4hlen nicht zu den Gl\u00fccklichen. Sie haben ihr Bein aufgrund eines Diabetes oder einer Durchblutungsst\u00f6rung, seltener infolge eines Tumors verloren. Die gesetzliche Krankenkasse muss in diesen F\u00e4llen aufkommen. \u201eStandard ist, dass die Erstattung der Prothese dann insbesondere bei den \u00dcber-60-J\u00e4hrigen erst einmal abgelehnt wird. Dann muss man ein Widerspruchsverfahren einleiten\u201c, schildert Beirau. Das zieht sich hin. Unterdessen hockt der amputierte Patient bereits im Rollstuhl in seiner Wohnung. Die wenigen vorhandenen Muskeln schwinden. Er beginnt seinen Alltag mit fremder Hilfe im Rollstuhl zu bestreiten. Dann bewilligt die Krankenkasse wom\u00f6glich nach Monaten ein Kunstbein. Nun muss ein Orthop\u00e4dietechniker dieses Konstrukt anfertigen. Wieder vergehen Monate vom Kostenvoranschlag bis zum fertigen Produkt. Dann haben die gesetzlich versicherten Amputierten endlich ihr Bein, aber niemand der ihnen erkl\u00e4rt, wie man damit l\u00e4uft. Lokal ans\u00e4ssige Physiotherapeuten kennen sich oft nicht mit Prothesen aus, sagt Beirau. Eine Rehabilitation wird selten von vornherein bewilligt. Wieder m\u00fcssen die gesetzlich Versicherten k\u00e4mpfen. Sollten sie je in einer Rehaeinrichtung landen, sind sie k\u00f6rperlich fast immer so schwach, dass drei Wochen Kur \u2013 so viel wird routinem\u00e4\u00dfig gew\u00e4hrt \u2013 laut Beirau definitiv nicht reichen, um sich auf dem Rollstuhl in den freien Stand hoch zu stemmen. \u201eAuf einer Prothese laufen zu lernen, ist selbst f\u00fcr einen frisch operierten Leistungssportler knochenarte Arbeit, f\u00fcr die er starken Willen braucht.\u201c Und Greitemann erg\u00e4nzt: \u201eKrebspatienten werden oft sehr hoch amputiert. Sie sind zwar meist jung, aber auch f\u00fcr sie ist es schwierig, auf einer Prothese laufen zu lernen.\u201c&lt;br \/&gt;\n'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>\u00a0 Frage heute:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8220;Amputierte beschweren sich, dass die IV ihnen oft die richtige Prothese verwehrt. Ein Vorstoss soll Abhilfe schaffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Amputation eines K\u00f6rperteils ist ein Schicksalsschlag, der ein Leben pr\u00e4gt. Die Betroffenen sind dann auf Hilfe angewiesen, gerade auch vom Staat. Doch diese Hilfe verwehrten ihnen die Versicherungen immer wieder, kritisiert Promembro, der Interessenverband der Arm- und Beinprothesentr\u00e4gerinnen in der Schweiz. \u00abBehinderte, die auf eine Prothese angewiesen sind, werden vom Staat noch weiter behindert\u00bb, sagt Ursula Hausherr, die im Vorstand von Promembro sitzt und deren Bein aufgrund einer Krebserkrankung oberhalb des Knies amputiert werden musste.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Kritik von Promembro ist vielf\u00e4ltig. Es geht um lange Wartezeiten, bis ein Hilfsmittel von den Invalidenversicherungen bewilligt ist. Um Papierkrieg und unn\u00f6tige Schikanen. Letztlich erhielten viele Behinderte nicht jenes Hilfsmittel, das ihnen am meisten helfen w\u00fcrde. Grund daf\u00fcr ist f\u00fcr den gr\u00fcnen Nationalrat Balthasar Gl\u00e4ttli, Co-Pr\u00e4sident von Promembro, die Rechtslage: Heute werden nur Hilfsmittel \u00fcbernommen, die \u00abeinfach, zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich\u00bb sind. Konkret f\u00fchrt das zu F\u00e4llen, in denen die modernsten Hilfsmittel verwehrt werden, wenn sie nicht notwendig sind, damit Betroffene ihre Erwerbst\u00e4tigkeit fortf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/em><br \/>\n<em>Arzt : \u00abBeelendende\u00bb K\u00e4mpfe mit Versicherung<\/em><\/p>\n<p><em>Gl\u00e4ttli hat deshalb \u2013 wie auch Promembro-Co-Pr\u00e4sident Roger Golay, der mittlerweile abgew\u00e4hlten Genfer Nationalrat, eine Motion eingereicht, laut der k\u00fcnftig die Kosten f\u00fcr das \u00aboptimale\u00bb Hilfsmittel \u00fcbernommen werden sollen. Das soll sicherstellen, dass Betroffene von den technologischen Entwicklungen im Prothesenbereich profitieren k\u00f6nnen &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob sie arbeitst\u00e4tig sind oder nicht. Der Nationalrat hat dem Anliegen Gl\u00e4ttlis bereits zugestimmt. Heute wird die Motion in der zust\u00e4ndigen St\u00e4nderatskommission gepr\u00fcft.<\/em><\/p>\n<p><em>Thomas B\u00f6ni ist Orthop\u00e4de und Teamleiter der technischen Orthop\u00e4die an der Universit\u00e4tsklinik Balgrist in Z\u00fcrich. Die Aufgabe des Arztes ist es, f\u00fcr Betroffene die ideale Prothese zu finden, auf den Stumpf anzupassen und richtig einzustellen. B\u00f6ni sagt, f\u00fcr betroffene Patienten sei es \u00abvon gr\u00f6sster Wichtigkeit\u00bb, mit dem bestm\u00f6glichen Hilfsmittel ausger\u00fcstet zu sein. \u00abBetroffene k\u00f6nnen besser gehen, f\u00fchlen sich sicherer \u2013 und dadurch wird auch ihr Bewegungsapparat weniger belastet\u00bb, sagt Prothesen-Spezialist B\u00f6ni.<\/em><\/p>\n<p><em>Die heutige Rechtslage kritisiert der Arzt. Er erlebt immer wieder, wie Patienten k\u00e4mpfen m\u00fcssen mit den Versicherungen. \u00abTeilweise ist das beelendend\u00bb, sagt B\u00f6ni. Er sch\u00e4tzt, dass seine Patienten in einem von zehn F\u00e4llen nicht das bekommen, was er als Mediziner f\u00fcr richtig hielte. So werden beispielsweise elektronische Kniegelenke, die den Betroffenen eine bessere Trittsicherheit, einfacheres Treppensteigen und harmonischere Schrittbewegungen erm\u00f6glichen, nur in gewissen F\u00e4llen bezahlt. Die Kosten belaufen sich auf bis zu 50 000 Franken.<\/em><\/p>\n<p><em>B\u00f6ni hofft, dass die Motion von Gl\u00e4ttli eine Diskussion dar\u00fcber anst\u00f6sst, welche Versorgung Behinderte erhalten sollen. \u00abSollen Leute, die nicht arbeiten, auch nicht richtig gehen k\u00f6nnen? Und damit das Risiko tragen, dass sie st\u00fcrzen? Das m\u00fcssen wir als Gesellschaft diskutieren\u00bb, sagt B\u00f6ni. Er weist auch darauf hin, dass Nachbarl\u00e4nder teilweise weit grossz\u00fcgiger sind. Deutschland etwa bezahle Oberschenkelamputierten das Genium-Kniegelenk, das modernste Produkt auf dem Markt. In der Schweiz werde es nicht finanziert. \u00abIch habe wenig Verst\u00e4ndnis, dass die reiche Schweiz so knausrig ist\u00bb, sagt B\u00f6ni.<\/em><br \/>\n<em>Bundesrat f\u00fcrchtet h\u00f6here Kosten<\/em><\/p>\n<p><em>Auch Behindertenorganisationen sind der Meinung, dass sich etwas \u00e4ndern muss. Daniel Schilliger arbeitet in der Rechtsberatung von Procap. Der Rechtsanwalt sagt, die Versicherungen seien heute zu stark auf das berufliche Umfeld fokussiert \u2013 und zu wenig darauf, was eine Prothese f\u00fcr die Lebensqualit\u00e4t insgesamt bedeute. Zudem erlebt Schilliger immer wieder, dass die Versicherungen sagen, es brauche nicht das modernste Hilfsmittel, das \u00e4ltere Modell reiche auch. \u00abMan gibt heute nicht, was am meisten bringt, sondern was ausreicht\u00bb, sagt Schilliger.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Bundesrat spricht sich dagegen aus, dass k\u00fcnftig statt den drei Kriterien \u00abeinfach, zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich\u00bb nur \u00aboptimal\u00bb gelten soll. Es handle sich dabei um einen \u00abzentralen Grundsatz\u00bb der Sozialversicherungen. Jede \u00c4nderung k\u00e4me \u00abeinem Paradigmenwechsel\u00bb gleich. Bundesrat Alain Berset bezweifelte in der Debatte im Nationalrat, dass der Begriff \u00aboptimal\u00bb sinnvoll ist. Der Sozialdemokrat verwies zudem darauf, dass innovative Produkte durchaus bezahlt w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Grund f\u00fcr die ablehnende Haltung des Bundes ist die Angst vor einer Kostenexplosion. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Hilfsmittel-Bereich l\u00e4ngst nicht nur Prothesen umfasst und der Motionstext sich auf alle Hilfsmittel bezieht. Im Jahr 2018 beliefen sich die Kosten f\u00fcr die Abgabe von Hilfsmitteln auf 208 Millionen Franken. Davon entfielen nur 11,5 Millionen auf Prothesen.&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei ist die Sache noch etwas komplexer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/complex.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10297\" src=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/complex.gif\" alt=\"\" width=\"100%\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich trage z.B. eine Armprothese, auf der wir drei Neuentwicklungen haben, damit die das, was ich ihr so zumute, \u00fcberhaupt aush\u00e4lt &#8211; denn nach den ersten 2 Jahren mit regelm\u00e4ssigem Kabelriss alle 4-10 Tage, und weiteren gravierenden aber weniger h\u00e4ufigen Teileabschmierern, u.a. Handgelenksverschluss, und neurologischen Problemen wegen dem Schulterzug, und nach \u00fcber 40 Reparatur-\/<wbr><\/wbr>Instandstellungsterminen bei der Prothesentechnik in diesen ersten beiden Jahren hatte auch ich die Schnauze davon schon etwas voll.<\/p>\n<p>Das Handgelenk ist inzwischen eine Eigenanfertigung, die zwei Freunde f\u00fcr mich bauten (und das patentiert ist jetzt). Es kostet relativ viel (verglichen mit kommerziellen Dingern) &#8211; aber hochgerechnet darauf, wass der Verschleiss bei anderen Teilen kosten w\u00fcrde, ist es dann \u00fcber ein paar Jahre bedeutend billiger.<\/p>\n<p>Der Kabelzug wurde von mir selbst v\u00f6llig neu aufgeh\u00e4ngt und l\u00e4uft jetzt unter jenseitiger Vollast reparaturfrei gerne 6-9 Monate (habe ich inzwischen selber patentiert).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/patented.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10300\" src=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/patented.png\" alt=\"\" width=\"100%\" srcset=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/patented.png 638w, https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/patented-300x205.png 300w\" sizes=\"(max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und der Schulteranker wurde vom Balgrist entwickelt.<\/p>\n<p>Ich repariere das meiste selbst, habe besseres Werkzeug dazu als viele Prothetiker haben d\u00fcrften, mit Teilen, die so billig sind, dass das Papier um es weiterzuverrechnen gar nicht lohnt &#8211; also, Kabel aus dem Velobedarf, Pressh\u00fclsen von eBay, usw.<\/p>\n<p>Dass das mit der IV glatt l\u00e4uft, bedingt eine enge Zusammenarbeit, die sicher auch etwas gewachsen ist.<\/p>\n<p>Dabei ist klar festzustellen, dass vieles, was als neue &#8220;Hightech&#8221; oder &#8220;Bionik&#8221; angeboten und verkauft wird, gerade in der Armprothetik zwar nett aussieht aber oft kaum nur schon zum M\u00fcll raustragen was taugt, geschweige denn aber zum z.B. IKEA-Schr\u00e4nke anliefern und aufbauen. So sind viele (u.a. auch (aber nicht nur) neue &#8220;bionische&#8221;, Armprothesen) kaum stets umfassend CE-konform dokumentiert (mal nachlesen dort: sonst st\u00fcnden da in der Produktedokumentation z.B. sehr eindeutige Grenzen der Anwendung im Klartext drin).<\/p>\n<p>Die Preise kommerzieller Teile ist meist gleichzeitig derart \u00fcbertrieben, das wir sogar ein absolut umfassend hochwertig gefertigtes Einzelanfertigungsteil (mein eigener selbst gebauter Handgelenksverschluss) unter Vollkostenrechnung <em>billiger<\/em> bauen k\u00f6nnen, als es kosten w\u00fcrde, eine analoge Funktion mit kommerziellen Teilen, die dann kaputt gehen, \u00fcber z.B. 5 Jahre zu erreichen. Meine Erfahrung ist, dass schon vom Fleck weg eine aus Anwendersicht halbwegs normal belastbare (Herstellersprache: geradezu unglaublich extrem belastbar) Prothese so gar nicht erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>D.h., an der nach der Hoffnung der Versicherer &#8220;wirtschaftlichen&#8221; Prothese arbeitet man selbst, als Anwender \/ Benutzer, selbst in ganz erheblichem Masse mit, so sie das denn sein soll. Weder akademische Forscher, noch andere &#8211; Techniker, Industrie, ETH, Versicherungen &#8211; arbeiten erkennbarerweise an der Wirtschaftlichkeit als Aspekt: wirtschaftlich ist es n\u00e4mlich vor allem dann, wenn ich zu Reparaturen \/ Unterhalt fast nie eigenen Aufwand habe, dann hat n\u00e4mlich auch Techniker, Versicherung etc. keinen entsprechenden Aufwand &#8211; und dazu muss das Teil erstmal richtig haltbar sein.<\/p>\n<p>An einem Seminar in Deutschland mit akademischen Prothesenforschern kamen wir dann drauf, dass unter dem Strich dann eben das Gesetz des St\u00e4rkeren greift: nur wer als Amputierter entsprechend aufgestellt ist, zieht sich dann so aus dem Schlamassel. In anderen Worten ist man in Bezug auf den notwendigen, sehr ausf\u00fchrlichen Dialog und eine sehr umfassende pers\u00f6nliche Auseinandersetzung mit den Prothesentechnikern, Versicherungsverantwortlichen, Herstellern, und auch in Bezug auf ein sehr pers\u00f6nliches Anhandnehmen der vielen grossen und kleinen technischen Probleme rund um eine Prothese wirklich gefordert. Prothesen kauft man nicht durch anklicken oder indem man sich irgendwo hinein setzt &#8211; Prothesen muss man sich in unterschiedlichem Mass selbst erarbeiten, man muss sie sich erschliessen, die Nutzbarmachung einer Prothese ist sehr viel Arbeit, je nach dem, was man von ihr erwartet. Das wissen auch die Versicherungsvertreter und die Techniker. Und da gewinnt der Amputierte, der sich ausdr\u00fccken kann, der Fehler m\u00f6glichst pr\u00e4zise findet, der bei der Komponentenwahl, bei der Konstruktion der Prothese, bei der Fehlersuche oder Reparatur genauer hinsieht, mehr von der Sache selbst versteht und insgesamt kompetenter ist &#8211; aber Prothesenanwender, die das nicht so gut k\u00f6nnen, die haben es da fast sicher nicht so einfach. Dabei bleibt das Zusammenf\u00fchren von Technologie und Mensch in Form einer Prothese kompliziert und individuell, so dass alleine deswegen auch viel schief gehen kann und offenbar auch geht. Verantwortlich f\u00fchlt sich aber sonst keiner: die Versicherung nimmt an, ich als Anwender sei verantwortlich, der Hersteller sieht keine grossen Probleme, da ja meist Versicherung bezahlt aber nie negative R\u00fcckmeldungen schickt, und der Prothesentechniker ist auch in Beschwichtigen gut. Tritt man als Anwender mit dem &#8220;Kundendienst&#8221; der grossen Hersteller in direkten Kontakt, kann man dort Erfahrungen machen, von denen es dem Teufel graust. Also, die wollen auch nichts anderes als &#8220;business as usual&#8221;.<\/p>\n<p>Diese Qualit\u00e4ts- und Entwicklungsproblematik, wo etwas mehr Aufwand zu wirtschaftlichen <em>und<\/em> funktionellen Teilen in die richtige Richtung gedr\u00fcckt werden m\u00fcsste, hat sonst keiner f\u00fcr sich entdeckt, und so bleibt es als Politikum, dass zwischen &#8220;unn\u00f6tig teuer und nicht haltbar&#8221; und &#8220;einfach zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich&#8221; (also auch haltbar) in einer wie ich denke nicht zweckm\u00e4ssigen Zweiteilung unterschieden wird. Es gibt in dieser scheinbar einfachen Welt der Gesetzformulierung, die dann alle Probleme l\u00f6sen soll, kein dort vorgesehenes &#8220;schrittweises Ann\u00e4hern einer neuen Realit\u00e4t unter Beizug aller &#8211; auch der brachialsten oder hochkomplexesten &#8211; L\u00f6sungsvarianten mit stets vorsichtigem Vergleich der verschiedenen Varianten&#8221;. Dabei ist das &#8211; gerade auch r\u00fcckblickend &#8211; das, was ich selbst anstrebte und wirklich Erfolg brachte &#8211; die Technologie, die schwieriger und teurer ist, ist nicht unbedingt besser. Damit ist das ad\u00e4quate Implementieren der vermeintlich billigeren Technologie keineswegs nur &#8220;billig&#8221;. Es ist insgesamt grosser Aufwand, in den man sich reintasten muss. Das f\u00fcr Amputierte, die nicht das Gesetz des St\u00e4rkeren f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen, so zu strukturieren, dass es &#8220;optimal&#8221; herauskommt, wird nicht durch eine anderes Wort im Gesetz ge\u00e4ndert &#8211; zumal dort jetzt &#8220;zweckm\u00e4ssig&#8221; steht, was gleichermassen auslegungsbed\u00fcrftig ist.<\/p>\n<p>Solange das so bleibt, kann man den Wunsch der Anwender nach &#8220;optimaler&#8221; Ausstattung, f\u00fcr den niemand sonst direkt verantwortlich scheint, und die gerade der Anwender f\u00fcr sich zu einem grossen Teil mit selbst erschliessen muss, nicht durch das einfache Adjektiv &#8220;optimal&#8221; auf der Ebene Gesetz oder Instanz l\u00f6sen &#8211; dann ist man selbst gefordert. Dann muss man dem Begriff der Zweckm\u00e4ssigkeit zuerst nachgehen und z.B. (bei mir: neurologisch fach\u00e4rztlich f\u00fcr die Schulterverankerung) herausfinden, untersuchen und letztlich auch begr\u00fcnden, warum z.B. ein bestimmtes Teil anders gekauft \/ gebaut werden muss, als es etwa im Katalog steht. Ein teureres elektronisches Kniegelenk w\u00e4re dann &#8220;zweckm\u00e4ssig&#8221;, wenn die demgegen\u00fcber einfachere Ausf\u00fchrung bezogen auf eine bestimmte Frage in relevanter Weise besser ist. Dagegen ist ein stabileres Gelenk in anderen Umst\u00e4nden wohl besser, was auch im Einzelfall konkret betrachtet werden muss &#8211; aber ob das &#8220;zweckm\u00e4ssig&#8221; oder ob es &#8220;optimal&#8221; heisst, ist insofern unwichtig, da es in der Alltagsanwendung etwa synonym sein d\u00fcrfte und als a priori eher unbestimmter Rechtsbegriff im Einzelfall auszulegen w\u00e4re. Damit w\u00fcrde in der Schweiz wohl eher eine provisorische Ausf\u00fchrungsverordnung zielf\u00fchrend sein, die eine moderne und fachlich kompetente Auslegung der Gesetzesvorgaben zur &#8220;einfachen, zweckm\u00e4ssigen und wirtschaftlichen&#8221; Prothese klarer definiert.<\/p>\n<p>So kann gut sein, dass eine bestimmte Art der Prothese erst gebaut und 1-2 Jahre getestet werden muss, um dann festzustellen, wie es herauskommt &#8211; daf\u00fcr fehlen entsprechende Strukturen, in denen ich etwa eine neue Prothesenhand f\u00fcr sagen wir 2000 Franken probehalber z.B. 18 Monate lang tragen kann, ohne sie kaufen zu m\u00fcssen. Die Hersteller bieten sowas nicht an, weil man sie das tun l\u00e4sst, was sie gerade tun &#8211; aber das muss ja nicht so bleiben. Solche zeitlich ausgedehnteren Pr\u00fcfstrukturen einzuf\u00fchren w\u00e4re Sache einer gut informierten Standespolitik oder Versicherungspolitik &#8211; die dann mit den entsprechenden Vertretern aus Herstellern und Aerzten, Prothesentechnikern und Anwendern reden m\u00fcssten. Wieso die IV nicht l\u00e4ngst selbst ein Mikroprozessorknie baut, ist ebenfalls v\u00f6llig unklar &#8211; ist die Bedarfslage entsprechend, m\u00fcsste sich so ein Projekt ja wohl locker rechnen. Und die dazu n\u00f6tigen Teile w\u00fcrde ein Nationalfonds mit Forschern etwa von kompetenten Bereichen in Fachhochschulen sehr gut definieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber da das wirklich harte Arbeit werden d\u00fcrfte, wird in den bestehenden, erfahrungsgem\u00e4ss problematischen Strukturen weiter verfahren, so dass der Anwender weiterhin dieselben Probleme hat wie bisher, und diese nur eigenh\u00e4ndig l\u00f6sen kann &#8211; da es sonst f\u00fcr ihn niemand tut. Da \u00e4ndert es auch nichts, wenn man ohne weitere Hinf\u00fchrung und Strukturanpassung &#8220;optimal&#8221; schreibt &#8211; denn es passt deswegen nicht besser, wird nicht besser akzeptiert, h\u00e4lt nicht l\u00e4nger oder besser, und wird auch keineswegs g\u00fcnstiger und weniger \u00e4rgerlich in der Anwendung. F\u00fcr den Anwender aus Anwendersicht wirklich brauchbare gute L\u00f6sungen ben\u00f6tigen ein konzertiertes, koordiniertes und gut \u00fcberlegtes Vorgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=swisswuff\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Tweet<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die Regeln, die Entscheidungsfindung, die Versicherungsbedingungen, die Gesetze , auszusehen haben, damit eine Sache ideal l\u00e4uft, ist immer dann interessant, wenn die Worte nicht klar in ihrer Bedeutung sind, sondern zun\u00e4chst einer Auslegung bed\u00fcrfen, und wenn \u00fcberdies unklar ist, was &#8220;ideal&#8221; bedeutet. So sollen Armprothesen &#8220;einfach, zweckm\u00e4ssig und wirtschaftlich&#8221; sein. Was das konkret ist,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":10297,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[192,72,28,29,114],"tags":[],"class_list":["post-10281","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-algorithm-regarding-best-choice-of-prosthetic-arm","category-language","category-disability-public","category-media","category-media-publishing-adequate-content","wpcat-192-id","wpcat-72-id","wpcat-28-id","wpcat-29-id","wpcat-114-id"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-07 13:14:17","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10281"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10478,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10281\/revisions\/10478"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}