{"id":10292,"date":"2014-10-14T13:33:10","date_gmt":"2014-10-14T11:33:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10292"},"modified":"2019-12-01T21:29:21","modified_gmt":"2019-12-01T19:29:21","slug":"artikel-forscher-planen-wettkampf-der-technischen-hilfsmittel-der-nzz-kommentar-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=10292","title":{"rendered":"Artikel &#8220;Gef\u00fchl in der Prothese&#8221; der NZZ [Kommentar]"},"content":{"rendered":"<p>Prothesen mit &#8220;Gef\u00fchl&#8221; sind eine sehr fragw\u00fcrdige Sache, je nach dem wie sie gebaut werden. In der Zwischenzeit wurden dazu sogar Seminare abgehalten, etwa zur Frage, inwiefern sich der Amputierte in die Halluzination, die Prothese sei ein eigener K\u00f6rperteil, hineintricksen liesse.<\/p>\n<p>In der NZZ steht am 14. 10. 2014 (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wissenschaft\/technik\/forscher-planten-wettkampf-der-technischen-hilfsmittel-1.18695695\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>):<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p><em>Lena Stallmach, 14.10.2014, 10:00 Uhr<\/em><\/p>\n<p><em>K\u00fcnstliche H\u00e4nde, die nicht nur zupacken, sondern auch eine Art Tastsinn erm\u00f6glichen, sind das Ziel einiger Forscher. Sie gehen dabei unterschiedliche Wege.<\/em><\/p>\n<p><em>Handprothesen haben sich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. So k\u00f6nnen moderne Exemplare bis zu 24 verschiedene Griffmuster ausf\u00fchren \u2013 angesteuert durch die Muskeln im Armstumpf. Doch eine fundamentale Funktion der H\u00e4nde fehlt ihnen: der Tastsinn. Ein Prothesentr\u00e4ger muss daher immer mit den Augen \u00fcberpr\u00fcfen, ob er etwas bereits in der Hand h\u00e4lt und wie stark er zudr\u00fcckt. Seine k\u00fcnstliche Hand empfinde er nicht als zugeh\u00f6rig, sondern als Werkzeug, das er in der Hand halte, schildert ein Patient. Doch sind einige Forschergruppen nun daran, Prothesen mit Tastsinn zu entwickeln. Sie verfolgen dabei unterschiedliche Ans\u00e4tze.<\/em><\/p>\n<p><em>Weniger Phantomschmerzen<\/em><\/p>\n<p><em>In zwei neuen Publikationen beschreiben Wissenschafter aus Schweden und den USA drei Patienten, welche gef\u00fchlvermittelnde Elektroden bereits seit 16 Monaten beziehungsweise 2 Jahren in ihren Armen tragen. Die Signal\u00fcbertragung blieb dabei konstant, und die Patienten hatten keine Beschwerden. Im Gegenteil berichteten alle drei, dass ihre Phantomschmerzen verschwunden waren oder sich zumindest stark reduziert hatten, seit sie in der Hand wieder etwas f\u00fchlten. Ausserdem konnten sie mit der Prothese sicherer und differenzierter zupacken.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Team von Dustin Tyler von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, demonstrierte dies , indem es zwei Patienten Stile von Kirschen abzupfen liess.\u00b9 Die Kirsche muss dabei fest genug gehalten werden, dass sie in der Hand bleibt, aber nicht so fest, dass sie zerquetscht wird. Ohne Tastsinn schafften es die Patienten nur, 43 Prozent der Stile erfolgreich zu entfernen, wenn gleichzeitig ihr Seh- und H\u00f6rsinn ausgeschaltet war; 77 Prozent, wenn sie zuschauen und h\u00f6ren konnten. Mit Tastsinn zupften sie dagegen ohne Seh- und H\u00f6rsinn 93 Prozent der Stile erfolgreich und 100 Prozent, wenn sie alle drei Sinne nutzen konnten.<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fchlt sich echt an<\/em><\/p>\n<p><em>In beiden Studien wurden \u00abCuff-Elektroden\u00bb f\u00fcr die Signal\u00fcbertragung implantiert. Dabei liegen mehrere Elektroden in einer Manschette um einen Nervenstrang herum und aktivieren die Nerven an der Oberfl\u00e4che. Der Druck beim Greifen wird \u00fcber Sensoren an der Hand gemessen und in Signale verwandelt, die \u00fcber die Elektroden und Nerven bis ins Gehirn weitergeleitet werden. Es habe sich fast so angef\u00fchlt, als w\u00e4re es ein echtes Gef\u00fchl in einer echten Hand, sagt ein Patient aus Tylers Studie laut Publikation. Er konnte verschiedene Texturen wie Watte oder Sandpapier unterscheiden. Allerdings blieb das Gef\u00fchl in der Hand vorerst auf das Labor beschr\u00e4nkt. Denn die verwendeten Sensoren an der Hand und der Elektrodenstimulator sind nicht f\u00fcr den Alltagsgebrauch geeignet.<\/em><\/p>\n<p><em>In der schwedischen Studie unter der Leitung von Max Ortiz-Catalan von der Universit\u00e4t G\u00f6teborg war die gesamte Technik f\u00fcr den Tastsinn dagegen dauerhaft in die Prothese integriert Zwar war der Tastsinn viel rudiment\u00e4rer als in Tylers Studie. Doch half er dem Patienten bei der Bew\u00e4ltigung von allt\u00e4glichen Aufgaben. Die verwendete Prothese war ausserdem direkt im Knochen verankert. G\u00e4ngige Prothesen werden mit einer Art Socke \u00fcber dem Stumpf am Arm befestigt. Die im Knochen integrierte Prothese besteht aus einem dauerhaften Implantat, das durch das Gewebe an die Oberfl\u00e4che ragt, und einer daran befestigten Prothese. Die Handhabung dieser direkten Verl\u00e4ngerung des Arms sei weniger st\u00f6rungsanf\u00e4llig als g\u00e4ngige Prothesen und die ausgef\u00fchrten Bewegungen seien viel pr\u00e4ziser, schreiben die Forscher.<\/em><\/p>\n<p><em>Forschung aus der Schweiz<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weiteres System mit Tastsinn hatten Forscher von der ETH Lausanne im Februar dieses Jahres demonstriert .\u00b3 Das Team unter der Leitung von Silvestro Micera hatte einem Patienten Elektroden so implantiert, dass sie die Nervenfasern im Inneren aktivierten. Dadurch sei eine noch differenziertere Stimulation der Nerven m\u00f6glich als mit den \u00abCuff-Elektroden\u00bb, sagt der Hauptautor Stanisa Raspopovic. Der Patient konnte mit seiner Prothese drei verschieden geformte Objekte und drei unterschiedliche Eigenschaften (weich, mittelhart und hart) unterscheiden. Die Forscher arbeiten nun daran, die Technik so weit zu verkleinern, dass sie auch in die Prothese integriert werden kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Grunds\u00e4tzlich verfolge man diese Forschung mit Interesse, sagt Michael Hofer, Teamleiter Prothetik von der Balgrist Tec AG (Uniklinik Balgrist). Allerdings sei der Preis einer Prothese heute die gr\u00f6sste Einschr\u00e4nkung f\u00fcr ihren Gebrauch. Die Sozialversicherungen bezahlten die modernen und teuren Prothesen mit vielen Griffmustern nur in 10 Prozent der F\u00e4lle \u2013 wenn sicher sei, dass der Patient Arbeit habe. Einen zus\u00e4tzlichen Nutzen von Prothesen mit Tastsinn muss man vor den Versicherungen daher wohl gut begr\u00fcnden.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist abstossend faszinierend, wie ein \u00fcbers ganze gesehen eher unwichtiges Thema (Armprothesen sind was vom wirklich seltenen) ohne R\u00fccksicht auf den echten Alltag &#8220;verwendet&#8221; wird um &#8220;Berichte&#8221; zu schreiben.<\/p>\n<p>Wohl haben wir leider eine Forschung und Akademie, die seit Jahrzehnten vor sich hin wurstelt, und wie immer (&#8220;g\u00e4ng wie g\u00e4ng&#8221;) zunehmend schr\u00e4ge Apparate &#8220;unter dem Vorwand der Hilfe f\u00fcr Behinderte&#8221; bastelt. Aber wirklich schwere, repetitive bimanuelle T\u00e4tigkeiten verbessern, das tut ebenso seit Jahrzehnten nichts davon, wieso (wiederum seit Jahrzehnten) mit fehlendem Teil eines Arms dann die Ueberlastung und Dysbalance droht. Die dazu notwendigen Verbesserungen muss man, gerade auch heute noch, als Benutzer SELBST leisten. Und nat\u00fcrlich kriegt man Phantomschmerzen etwas in den Griff, durch Ablenkung und durch Kompression, und indem man aktiv ist.<\/p>\n<p>Aber wenn es wirklich zur Sache geht, will man eine Prothese, die man im Grunde selbst bauen muss. That&#8217;s where it&#8217;s at, in 2014.<\/p>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=swisswuff\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Tweet<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prothesen mit &#8220;Gef\u00fchl&#8221; sind eine sehr fragw\u00fcrdige Sache, je nach dem wie sie gebaut werden. In der Zwischenzeit wurden dazu sogar Seminare abgehalten, etwa zur Frage, inwiefern sich der Amputierte in die Halluzination, die Prothese sei ein eigener K\u00f6rperteil, hineintricksen liesse. 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