{"id":14042,"date":"2018-06-20T19:37:04","date_gmt":"2018-06-20T17:37:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=14042"},"modified":"2026-01-27T22:36:34","modified_gmt":"2026-01-27T21:36:34","slug":"kommentar-zu-siri-hat-immer-lust-gehort-die-zukunft-den-cyborgs-und-intelligenten-maschinen-uzh-magazin-2-18-philipp-theisohn-und-johann-roduit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=14042","title":{"rendered":"Kommentar zu &#8220;Siri hat immer Lust &#8211; Geh\u00f6rt die Zukunft den Cyborgs und intelligenten Maschinen?&#8221; (UZH Magazin 2\/18, Philipp Theisohn und Johann Roduit)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.magazin.uzh.ch\/de\/issues\/magazin-18-2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview aus dem UZH Magazin 2\/18<\/a>: Geh\u00f6rt die Zukunft den Cyborgs und intelligenten Maschinen? <a href=\"https:\/\/www.magazin.uzh.ch\/de\/issues\/magazin-18-2\/theisohn-roduit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn und der Ethiker Johann Roduit \u00fcber die Zukunft des Menschen und unserer Gesellschaft.<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schwarzer Text: Thomas Gull und Roger Nickl interviewen <a href=\"https:\/\/www.johannroduit.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Johann Roduit<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ds.uzh.ch\/de\/conditioextraterrestris\/crew\/theisohn.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Philipp Theisohn<\/a>.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Roter Text: Kommentar von Wolf Schweitzer.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Johann Roduit, Philipp Theisohn, der britische K\u00fcnstler Neil Harbisson hat sich eine Antenne, die T\u00f6ne empfangen und in Farbwahrnehmungen umwandeln kann, in den Sch\u00e4del einpflanzen lassen. Er gilt als erster offiziell anerkannter Cyborg, wie man Mischwesen aus Mensch und Maschine nennt. Werden wir Menschen in Zukunft mit Maschinen und Technik verschmelzen?<\/p>\n<p>Johann Roduit: Ich weiss nicht, ob er ein Modell f\u00fcr die Zukunft ist. Harbisson nutzt eine neue Technik, um damit ein Defizit auszugleichen, denn er kann seit seiner Geburt nur schwarz-weiss sehen. Seine Behinderung wurde auf diesem Weg beseitigt. Doch mehr als das: Harbisson kann heute auch Wellen im Infrarot- oder Ultraviolett-Bereich wahrnehmen. Das k\u00f6nnen Menschen normalerweise nicht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Neil Harbissons Behinderung wurde nicht im eigentlichen Wortsinn beseitigt. Es wurde lediglich ein Workaround installiert, denn er sieht Farben weiterhin nicht. Dieser Workaround ist invasiv chirurgisch verbaut, er hat Nebeneffekte und Risiken, und, das war es auch schon. Personen,\u00a0 die sich mit Prothesen nicht auskennen, verstehen meist weder den Begriff der Prothese in seiner urspr\u00fcnglichen Bedeutung, noch verstehen sie das Wesen der Prothese in diesem Zusammenhang. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ein Handicap wird durch eine Prothese dementsprechend praktisch nie wirklich beseitigt. Die soziale Abwertung bleibt erhalten [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_0\">1<\/a>].<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Im Gegenteil weisen Prothesen selbst aufwendige und teure Bed\u00fcrfnisse in Instandhaltung, Reparatur, Ersatz, oder auch Nebenwirkungen auf, die per Saldo, oder unter dem Strich sozusagen, erst den gesamthaften Nachteil gegen\u00fcber einer nichtbehinderten Person erkennen lassen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Eine solche Saldierung des Gesamtschadens hat in der Szene z.B. der transzendentalen Ethik, Bioethik, Medizinethik, in Seminaren oder Instituten, oder auch Zukunftsforschung, Transhumanismus oder Cyborg-Forschung kaum Einzug gehalten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Daher gelingt diesen F\u00e4chern ein ad\u00e4quates Verst\u00e4ndnis von Behinderung oder Prothesen kaum. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dazu m\u00fcssten sie erst vertiefte Gespr\u00e4che mit Behinderten (wie mir) f\u00fchren, was aber vor allem auch deswegen gar nicht geht, da wir durch namhafte Gremien pauschal bereits als permanent urteilsunf\u00e4hig erkl\u00e4rt wurden (siehe weiter unten \/ nachfolgend). Ausserdem ist eine anwendersichtige Technologiekenntnis wohl zwingend vorauszusetzen, gerade was die eingebildeten Supermenschfantasien angeht. Hier waere wohl ein Nachempfindungsworkshop anzudenken, der den hier Auszubildenden wenigstens einen Teil der Gefuehle, des Erlebens, des so behindert seins wenigstens in Ansaetzen nahebringt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Hier denke ich etwa an die Denkansaetze im Rahmen des Paradroms Rathausen [<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=327\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">link<\/a>]. Tragen Sie etwa eine Kuechenfolie, drunter vielleicht noch bisschen Pfeffer reinmachen, dann so lange an Ihrem ganzen Arm, bis es durch die Feuchtigkeit und Reibung einen Ausschlag gibt, denn das macht eine normale Armprothese nach etwa 1-2 Stunden Tanzunterricht schon ganz problemlos, brennt uebrigens wie Sau; dann tragen Sie das doch gerne 2 Wochen weiter, denn Sie sind ja Leuchtfigur der Prothetik, neuer Supermensch eigener Diktion, Sie duerfen den Quatsch auch mit Salben anreichern; fassen Sie diese Erfahrung nachher zusammen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Harbisson hat dank der Technologie nicht nur sein Defizit ausgeglichen, sondern seinen F\u00e4higkeiten auch erweitert, in der Fachsprache nennt man das Enhancement, er kann jetzt mehr als Nichtbehinderte. Kann eine Behinderung zum Vorteil werden?<\/p>\n<p>Roduit: Es gibt andere Beispiele von Menschen, die zum Beispiel High-Tech-Prothesen tragen, und betonen, dass sie bessere Arme und Beine haben als normale Menschen. In der ethischen Debatte kann man feststellen, wie Behinderung unter anderen Vorzeichen diskutiert wird \u2013 tats\u00e4chlich nicht nur als Nachteil, sondern auch als potenzieller Vorteil.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die Bildmacht moderner, sch\u00f6n beleuchtet fotografierter Prothesenh\u00e4nde ist erdr\u00fcckend, und man will sofort glauben, dass es sich dabei um absolute Wunder handelt, jeder menschlichen Hand um ein Vielfaches \u00fcberlegen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es gibt derzeit allerdings keine Leute, die selbst Prothesen bauen oder die selbst solche Armprothesen tragen, die ernsthaft der Ansicht sein d\u00fcrften, dass gerade auch die modernsten Armprothesen besser sind als eine normale Hand, oder, die auch nur ansatzweise an so eine Funktion heranreichen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es ist noch viel verr\u00fcckter: normale Armprothesen sind verglichen mit sonstigen Konsumprodukten oft besonders schlecht gebaut und extrem teuer. Eine realistische Prozentzahl von \u00fcber 80 Prozent potentieller Tr\u00e4ger tragen auch dann keine Armpr0these, wenn sie von der Versicherung eine bezahlt bek\u00e4men &#8211; also: \u00fcber 80% von Personen mit Armamputation f\u00fchlen sich ohne Prothese insgesamt gesehen ausreichend funktionell. Vergleiche kompetitiv spielender Kinder ergaben sogar, dass solche mit einer Armdifferenz besser abschnitten als sog. nicht-behinderte Kinder. Dies sollte derartige Vermutungen in ein realistischeres Licht zu r\u00fccken helfen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die Annahme also, es g\u00e4be grunds\u00e4tzlich &#8220;bessere&#8221; Prothesenarme, w\u00e4re sogar in Fachkreisen einigermassen absurd, man ist da heute noch sehr, sehr weit davon entfernt und d\u00fcrfte <\/span><span style=\"color: #ff0000;\">das <\/span><span style=\"color: #ff0000;\">auch in absehbarer Zeit nicht einfach l\u00f6sen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Armprothesen sind grunds\u00e4tzlich orthop\u00e4dische Hilfsmittel, welche nur einen \u00e4usserst geringen Anteil einer Funktion einer echten Hand haben. Meine vom Prothesenbauer erstellte Armprothese wird bereits im neuen Zustand meist als allererstes von mir effektiv instand gesetzt &#8211; d.h., als erstes werde ich eine neue Prothese reparieren. Das muss man erst einsinken lassen; auf Anfrage besprechen wir gerne die Details &#8211; aber Sie k\u00f6nnen nicht erwarten, dass diese Welt einer Welt entspricht, in der sie z.B. einen Backstein kaufen und sich dann drauf verlassen k\u00f6nnen. Dabei rede ich bei meiner Prothese, bei der ich zu allererst die Kabelmontage repariere, sogar von der robusten Variante einer Armprothese. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es geht noch verr\u00fcckter: gerade die seit den sechziger Jahren (damals als &#8220;<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2366\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Russian Arm<\/a>&#8221; eingef\u00fchrte) Myoelektrik weist eine <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=9244\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sehr hohe Fehlerquote in der Steuerung auf, die besonders im echten Alltag oft <em>unbrauchbar<\/em> ist, und die f\u00fcr sich genommen \u00fcber 40 Jahre absolut forschungs- und entwicklungsresistent ist.<\/a> Ich selbst stelle bei T\u00e4tigkeiten wie Kuchenbacken fest, dass ich z.B. ohne myoelektrische Prothese weniger behindert bin. Mit dieser Erfahrung bin ich keineswegs alleine. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">F\u00fcr echte Arbeit ist daher die Vermutung, &#8220;bionische&#8221; bzw. myoelektrische Arme seien brauchbares Hilfsmittel, heute auch praktisch durch aufwendige Ann\u00e4herungsversuche widerlegt (z.B. <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=8066\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">durch diese Studie<\/a>). F\u00fcr die ebenso unbegr\u00fcndete Vermutung, dass der \u00e4hnlich gl\u00fchend vielversprechend dargestellte 3D-Druck effektiv belastbare und brauchbare Prothesen produziere, haben Vertreter der Gr\u00fcnder dieser Bewegung sogar neulich eine Abstandserkl\u00e4rung gegeben (<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=6226\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">siehe Artikel dazu<\/a>). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dass Herr Dr. J. Roduit die Vermutung, dass High-Tech-Armprothesen besser seien als H\u00e4nde oder Arme normaler Menschen, als Grundlage f\u00fcr ethische Debatten verwendet, mag einer allenfalls irgendwann, aber jedenfalls nicht einer greifbar sich ergebender Zukunft zuzurechnen sein, da bislang jegliche Ankn\u00fcpfungstechnologie zu solchen Hoffnungen oder Heilsversprechen fehlt &#8211; wobei ja eben wie gesagt bei exakt dieser Zukunftsvermutung wie gesagt seit wenigstens \u00fcber 40 Jahren keinerlei Fortschritt zu verzeichnen ist. Lediglich der von Vertretern der Akademie, biomedizinischen Ethik, Transhumanismus oder auch Technologieszene \u00fcblicherweise bel\u00e4chelte und beiseite geschobene kabelzuggesteuerte, effektiv robuste und bew\u00e4hrte Split-Hook, mit dem z.B. ich <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=6135\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">auf dem Grill problemlos die W\u00fcrste drehe<\/a>, stellt in konkreten Situationen ein gegen\u00fcber einer normalen Hand ein aktuelles, echtes, beweisbar funktionelles Enhancement dar, und dann auch nur f\u00fcr diese (und nur wenige weitere: z.B. Kartonschachteln aufreissen, heisses Blech aus dem Ofen nehmen, etc.) spezifischen Anwendungen. Echte Vorteile wie diese werden in dieser transzendalen Ethik, Medizinethik, biomedizinischen Ethik, oder auch Zukunftsforschung, deswegen nicht verstanden, gesehen, oder bewertet, da sich die Akteure mit den effektiven Gegebenheiten in der Armprothetik wohl kaum je auseinandersetzen und dann eben so zu solchen eher korrelatfreien Vermutungen kommen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Da diese zu den bildm\u00e4chtigen Fotos von sch\u00f6nen &#8220;bionischen&#8221; Prothesenh\u00e4nden aber gut passen, entwickelt sich eine Parallelwelt, in der erhoffte und bef\u00fcrchtete Dinge, die sich so bisher nicht zugetragen haben, und die auch niemand zu bauen weiss, zu eigentlichen Schwerpunktssimulacra mausern. Ich selbst wuerde hier vorsichtig die Frage nach einer Angststoerung stellen, denn von solchen selbst als das ernannten Schattenfiguren sollte man sich nicht einschuechtern lassen &#8211; letztlich haben wir es mit einer Spielform der zum Feindbild erkorenen Amputierten zu tun, worin der groesste Graus darin bestuende, wir wuerden die Weltherrschaft an uns reissen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die dahinterstehende Psychologie ist aber der eigentliche Hauptdarsteller dieses hier nur angedeuteten legendenhaften Narrativs. Wir &#8211; Behinderte, Armamputierte &#8211; wollen nicht die Weltherrschaft &#8211; gar nicht. Ist es denn, um auch mal etwas derartiges anzubringen, zuviel verlangt, wenn an einer Universitaet auch mal nicht gepredigt wird, wir Behinderte seien pauschal urteilsunfaehig? Ist es zuviel verlangt, dass man uns, was die Lebenszukunft angeht, wie nicht behinderte Menschen behandelt und und nicht (wie geschehen) wegen der Behinderung den Suizid nahelegt? Ist es zuviel verlangt, wenn ich nicht will, dass fuehrende Rechtsprofessoren das von ihnen selbst ausgemalte und eingebildete &#8220;Anstehen an der Hilfsmittelstelle&#8221;, wo sich in ihrer Vorstellung Behinderte ihre Rollstuehle, Kruecken und Prothesen abholen, <em>nicht<\/em> in Lehrveranstaltungen als projiziert grausigste Lebenserfahrung ausmalen, noch dazu ohne dass sie darueber selbst einschlaegige Erfahrungen haben? Immerhin holt man sich Prothese nicht anstehend an der Hilfsmittelausgabe einfach ab, es ist kein Zeughaus. Es stinkt nicht, es ist nicht schlimm, andere Behinderte sind genauso nette oder seltsame Leute wie alle anderen, was dachtet Ihr denn. Das unangenehmste an Prothesenreparaturen sind Zeitverlust, und, dass es jahrelang in den Warteraeumen kein Internet gab, kein Telefonempfang. Schlimm war es nicht, nur etwas langweilig. Waere es denn arg viel zuviel verlangt, wenn man uns nicht jahrelang unentschaedigte ca. 150% statt angestellte 100% rackern laesst? Sondern wie nichtbehinderte Angestellte behandelt? Tatsaechlich koennen naemlich allzu uebertriebene Angstrufe, Hilferufe, wie die hier dargelegten, als\u00a0 Warnzeichen gelesen werden, dass also da, wo derartig unvernuenftig verschraubte und haltlos dargelegte Panik sitzt, noch viel mehr an Problemen sein koennte.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Wird der intakte K\u00f6rper zum Handicap etwa f\u00fcr Spitzensportler?<\/p>\n<p>Philipp Theisohn: Das prominenteste Beispiel daf\u00fcr ist der s\u00fcdafrikanische Leichtathlet Oscar Pistorius, der mit seinen Unterschenkelprothesen wohl schneller rannte als er das ohne konnte. Oder die Paralympics: in der Werbung f\u00fcr den Anlass wird die Geschichte einer guten Schwimmerin erz\u00e4hlt, die ein Bein verliert, mit einer Prothese wieder zu trainieren beginnt und unheimlich gut wird. Sie macht den Sprung von disabled zu superabled. Die Behinderung m\u00fcndet also schlussendlich in eine Super-F\u00e4higkeit, die ihr vorheriges Leistungsverm\u00f6gen \u00fcbersteigt. Das markiert nat\u00fcrlich einen kultur\u00adhistorischen Bruch. Hier fangen neue Geschichten an.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man liest hier unglaubliches: Oscar Pistorius sei mit seinen Unterschenkelprothesen &#8220;wohl&#8221; schneller gerannt, &#8220;als er das ohne konnte&#8221;, als Antwort auf die Frage, ob der &#8220;intakte&#8221; K\u00f6rper ein &#8220;Handicap&#8221; sei. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man m\u00fcsste sich auch um Beinprothesen genauer k\u00fcmmern, um diesen \u00e4usserst merkw\u00fcrdigen Satz besser einordnen zu k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wenn Oscar Pistorius ein prominentes Beispiel ist, dann daf\u00fcr, dass man mit <em>besonderen, Blades oder Cheetah Legs<\/em> genannten Beinprothesen schneller rennen kann als mit konventionellen Beinprothesen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Auch ist die Mechanik anders als bei normalen Beinen, so dass Pistorius \u00fcber l\u00e4nger Strecken wie 400 m viele Nichtbehinderte hinter sich liess, nicht aber \u00fcber sehr kurze Strecken wie 100 m. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ein &#8220;intakter&#8221; K\u00f6rper wird damit f\u00fcr diesen Spitzensportler aber deswegen nicht zum Handicap, da Oscar Pistorius beidseits beinamputiert ist und gar nie einen &#8220;intakten&#8221; K\u00f6rper hatte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es ist nat\u00fcrlich schon eine grunds\u00e4tzlich richtige Aussage, dass ein beidseits unterschenkelamputierter Mann mit Beinprothesen schneller rennen kann als ohne Beinprothesen. Es handelt sich ja um eine fast definierende Eigenschaft der Beinprothese, dass sie das Laufen oder Rennen erlaubt, eine Art der Realit\u00e4ts- und Begriffsfeststellung, zu der man eher Rene Magritte h\u00e4tte befragen k\u00f6nnen: wenn man damit nicht laufen kann, sind es im Grunde auch keine Beinprothesen. Und ohne Beinprothesen kann ein beidseits Beinamputierter ja gar nicht im eigentlichen Wortverst\u00e4ndnis &#8220;rennen&#8221;, es gibt denn auch keinen anerkannten Spitzensport mit Wettrennen doppelt beinamputierter M\u00e4nner ohne Prothesen &#8211; weswegen Oscar Pistorius zwangl\u00e4ufig schneller ist mit diesen, als ohne, sein K\u00f6rper ist ein behinderter K\u00f6rper, woraus klar wird, dass ein intakter K\u00f6rper im Wortverst\u00e4ndnis, dass &#8220;intakt&#8221; bedeutet, dass u.a. alle Gliedmassen in regelhafter Ausbildung vorhanden seien, kein Hindernis f\u00fcr Oscar Pistorius sein kann, da er so einen K\u00f6rper gar nie hatte.\u00a0 Erstaunlich ist, dass man das hier erkl\u00e4ren muss.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Daher ist diese Aussage insofern interessant, als sie hinterlegt, dass Pistorius im allgemeinen Verst\u00e4ndnis, von dem Herr Prof. Dr. Ph. Theisohn hier sicher Zeugnis ablegt, ohne Prothesen h\u00e4tte rennen k\u00f6nnen und einen &#8220;intakten&#8221; K\u00f6rper h\u00e4tte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Beheben liesse sich so eine in meiner Ansicht nirgends nachvollziehbare Vorstellung allenfalls in einer Schulung, etwa durch das Betrachten von Bildern beinamputierter M\u00e4nner, wie sie auf Knien oder Ges\u00e4ss auf dem Boden rutschen, wie sie einen Rollstuhl verwenden, wobei die Frage, inwiefern dann so eine Person ohne Prothese rennen w\u00fcrde, durch Teilnehmer so einer Schulung etwa in Essayform als Reflektion zu beantworten w\u00e4re.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Man m\u00fcsste aber dann wohl sehr genau pr\u00fcfen, wie gut dadurch das Verst\u00e4ndnis des Ausmasses und Umfangs einer bestimmten Behinderung von den Schulungsteilnehmern verbessert worden w\u00e4re.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Und Natalie <span class=\"il\">du<\/span> <span class=\"il\">Toit, die hier gemeinte Schwimmerin,<\/span> <\/span><span style=\"color: #ff0000;\">war bereits vor ihrer Amputation stets eine sehr gute Schwimmerin, auch vor ihrer Amputation bereits auf vielversprechendem Weg, sie hatte mit 16 knapp die Olympiaquali verpasst. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Sie ist damit durch die Behinderung nicht \u201ebesser\u201c geworden, wie hier ja aber unterstellt wird; sie machte vielmehr, um den wie ich denke argen Kategorienfehler von Herrn Prof. Ph. Theisohn etwas gerade zu richten,\u00a0 den Sprung von<em> super-abled (not-disabled)<\/em> zu<em> super-abled (disabled)<\/em>. Sie <\/span><span style=\"color: #ff0000;\">gewann im Verlauf weiters durchaus gegen Nichtbehinderte, aber nie an einer Olympiade oder WM nicht-behinderter Sportler; sie wurde \u00fcber 10km an einem \u00fcberregionalen Open Water-Wettkampf Sechzehnte mit guten Zeiten, was als Rang f\u00fcr eine absolute Ausnahmeschwimmerin mit einer S9-Handicap drin liegen mag, aber f\u00fcr h\u00f6hergradige Schwimmbehinderungen kaum erreichbar ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">So w\u00fcrde uns allen ein Blick in einschl\u00e4gige Literatur gut tun, wo sich Wettkampfzeit-Vergleiche anstellen lassen: \u201eIn general, the differences between athletes who are able-bodied and those possessing some level of limb absence is also reflected competitively, whereby the 100 m world record times (as of 2012) were 15\u201320% slower than when compared to able-bodied times.\u201c <span lang=\"EN-US\">(Dyer, Bryce TJ, and Sarah A. Deans. &#8220;Swimming with limb absence: A systematic review.&#8221; <\/span>Journal of Rehabilitation and Assistive Technologies Engineering 4 (2017): 2055668317725451.). <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Behinderte, Amputierte, schwimmen also generell, als statistische Erfahrung sozusagen, langsamer als Leute mit allen Gliedmassen, was durchaus einer wie ich denke vern\u00fcnftigen Vorstellung der Auswirkung von Gliedmassenverlust generell entsprechen d\u00fcrfte. Aus biomechanischer Sicht ist die im Schwimmsport relevant einschr\u00e4nkende Arm- oder Beinamputation damit recht klar bewertbar und durch erschlagendes Anschauungsmaterial (Datenbanken mit Wettkampfergebnissen) illustriert. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Ein Sprung von <em>disabled<\/em> zu <em>superabled<\/em> findet also auch hier nicht statt. Im Interview wird ja besonders auch die Frage danach, wie ein &#8220;intakter&#8221; K\u00f6rper zum Handicap f\u00fcr Spitzensportler w\u00fcrde, am Beispiel der s\u00fcdafrikanischen Schwimmerin weder verk\u00f6rpert, noch ausgeleuchtet, und, was wunder, auch nicht beantwortet. Natalie Du Toit ist nicht &#8220;wegen&#8221; ihrer Behinderung zu einer Superf\u00e4higkeit gelangt, die sie vorher nicht hatte &#8211; <em>sie war (und blieb) Spitzenschwimmerin<\/em>. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Behindertentypische Gesamtsituationen im Allgemeinen, und Situationen nach Amputation im einzelnen und im Sport im besonderen, sind eben anders gelagert. Niemand wird auf vern\u00fcnftige Weise plausibilieren k\u00f6nnen, auch nicht unter Verwendung s\u00e4mtlicher M\u00f6glichkeiten der biomedizinischen Ethik, <em>dass eine Behinderung hier \u00fcbermenschliche Kr\u00e4fte verleihe<\/em>. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Daher ist es sicher ein Spannungsfeld, sich als Akademiker zu derart trivialen Dingen \u00e4ussern zu m\u00fcssen wie Spitzensport, Behindertensport, oder auch Trainingserfolge, wenn diese Themen letztlich doch nicht trivial sondern von umfassenden technischen Aspekten besetzt und umzirkt sind, die es faustdick in sich haben, und zu denen sehr viele Leute sehr umfassende tiefe praktische Einsichten und Erfahrungen haben, die man schon alleine deswegen nicht in Betracht zieht oder fragt, weil man sie bereits <em>ex ante<\/em> als permanent urteilsunf\u00e4hig darstellt. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Wenn etwas plausibel scheint, dann die besonders grosse Angst von Akademikern, sich mit Behinderten direkt befassen zu m\u00fcssen, oder ihre fantastischen Spekulationen gerade mit Behinderten zu Faden schlagen zu m\u00fcssen. Das sehr grosse Spannungsfeld <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=179\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ist aber seit Cloerkes nicht neu<\/a>, und es ist diesem leider auch nichts anzuf\u00fcgen. Ich habe ja den Autoren damals diese Fragen gemailt, sie hatten es bis heute [Update: Jan 2026] f\u00fcr n\u00f6tig gehalten, sich mit mir \u00fcber diese Fragen direkt auszutauschen. Auch aus der Sicht fehlt es dann halt wohl an der Ernsthaftigkeit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Zuletzt muss auf die am st\u00e4rksten ins Auge springende Problematik hingewiesen werden, indem Herr Prof. Ph. Theisohn ja folgendes vorschl\u00e4gt: &#8220;in der Werbung f\u00fcr den Anlass wird die Geschichte einer guten Schwimmerin erz\u00e4hlt, die ein Bein verliert, mit einer Prothese wieder zu trainieren beginnt&#8221;. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Prof. Ph. Theisohn \u00fcberlegt sich also offenbar tats\u00e4chlich, dass eine nun beinamputierte Schwimmerin mit einer Prothese schwimmt, und, das auch noch schneller als vorher? <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Diese Vorstellung ist aus Alltagssicht absurd, aber sie ist auch aus Wettkampfsicht absurd. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Tatsache ist vielmehr<span id='easy-footnote-1-14042' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=14042#easy-footnote-bottom-1-14042' title='&lt;span style=&quot;color: #000000;&quot;&gt;z.B. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.nytimes.com\/2008\/08\/18\/sports\/olympics\/18longman.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;https:\/\/www.nytimes.com\/2008\/08\/18\/sports\/olympics\/18longman.html&lt;\/a&gt;:&lt;\/span&gt; &lt;\/span&gt;BEIJING Natalie du Toit carried the flag for South Africa at the opening ceremony of the Beijing Games. She wore a prosthetic leg, but few probably noticed. She has long awaited this moment, when she can stop being a disabled swimmer and start being just a swimmer again. On Wednesday, du Toit will participate in the Olympic marathon swim with no lower left leg or prosthetic assistance to help her kick through 6.2 miles of open water, competing as the first female amputee in an able-bodied Olympics. &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;Unlike her countryman Oscar Pistorius, who sprints on a pair of carbon-fiber legs, du Toit has provoked no debate about whether she has a competitive advantage in her event.&lt;\/span&gt; There is no benefit to a lack of kicking power, symmetry and buoyancy when you make your living as a swimmer. &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;\u201cThis is something I\u2019ve dreamed about since I was 12 or 13,\u201d du Toit, 24, said of competing in an Olympics. \u201cI didn\u2019t dream of having a motorbike accident and losing my leg so I could go to the Paralympics.\u201d&lt;\/span&gt;&lt;span style=&quot;color: #ff0000;&quot;&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>, dass diese Schwimmerin <em>eben gerade nicht<\/em> mit einer Prothese schwimmt, trainiert, oder am eigentlichen Schwimmwettkampf teilnimmt. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Die Beinprothese wird zum Herumlaufen verwendet, aber wie gut das geht, hatten wir schon. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Dass man also keine Prothese anhat, <em>exakt das, ist justament, pr\u00e4zise, konkret, gezielt,<\/em> der erkl\u00e4rte Witz beim Schwimmsport der Behinderten &#8211; ausser Schwimmbrille, Badeanzug und Badekappe, allenfalls ein Tuch oder Unterst\u00fctzung beim Handhaben des Startblocks, bei Sehbehinderten Wendehilfen, gibts da nichts. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Und um diesem erkl\u00e4rtem Witz noch einen oben drauf zu setzen, um zu illustrieren, wie weit Behinderte vom Verst\u00e4ndnis Nichtbehinderter angesiedelt sind: ich wurde schon wegen &#8220;Wenden mit 1 Hand&#8221; beim Brustschwimmen disqualifiziert, dies von einer nicht behinderten Kampfrichterin. <em>Ich darf anmerken dass man anders als mit 1 Hand gar nicht wenden kann, wenn man mit 1 Hand schwimmt.\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">So oder so hat Natalie du Toit eben gerade ohne Prothese trainiert und ihre Erfolge an Competitions erreicht &#8211; <em>eignet sich also gerade nicht<\/em> als Anwendungsbeispiel f\u00fcr ein orthop\u00e4disches Hilfsmittel, geschweige denn eines, welches sie haltbar ans Firmament des Olymps zimmert. <\/span><\/p>\n<p class=\"css-at9mc1 evys1bk0\"><span style=\"color: #ff0000;\">Etabliert wird vielmehr auf wie ich finde sehr eindr\u00fcckliche Weise, wieviel Nichtwissen man sich leisten und \u00f6ffentliche herausnehmen kann, um \u00fcber uns, \u00fcber uns Amputierte, Dinge zu erz\u00e4hlen, die weder Hand, noch Fuss, haben (bwahaha, weder Hand, noch Fuss, get it? bwahaha).<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Welche?<\/p>\n<p>Theisohn: Maschinen erlauben uns jetzt, auf einer anderen Ebene Wettbewerb zu betreiben. Das ist auch der grosse Streit. Fr\u00fcher haben Menschen gefordert, dass sie trotz Behinderung an der normalen Leichtathletik-WM mitlaufen k\u00f6nnen. Heute ist das eine Gefahr f\u00fcr die Athleten ohne Behinderung, weil es L\u00e4ufer oder auch Dreispringer gibt, die dank ihrer Prothesen ganz andere F\u00e4higkeiten haben als konventionelle Sportler. Cyborgs sind eine Realit\u00e4t. Im Sport sind sie angekommen und wachsen auf diesem Weg in die Gesellschaft hinein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wettbewerb findet stets nur auf genau eine Weise statt, n\u00e4mlich auf die Weise, wie es das jeweils g\u00fcltige <em>Wettkampfregulatorium<\/em> vorschreibt &#8211; vor allem gut gemachte Wettbewerbe schr\u00e4nken die theoretische Vielfalt der technischen und aspektm\u00e4ssigen M\u00f6glichkeiten gewollt stark ein. Das weiss man vor allem dann, wenn man selbst an vielen Wettbewerben wie Sportwettk\u00e4mpfen teilgenommen hat. Sonst muss man ja Angst haben, dass naechstens beim 100-Meter-Lauf auch Leute mit ihren Harley Davidson Motorraedern aufkreuzen!\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Aber das ist nicht erlaubt, Sie duerfen entspannen. Wichtig ist das Gebot der Fairness, nachdem m\u00f6glichst gleiches mit gleichem verglichen werden soll. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dass dies inh\u00e4rent konfliktbeladen ist, geht aus dem Konzept hervor. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Streit besteht eher dort, wo Fairness nicht als das verstanden wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Damit ist eine besonders hohe, gute, grosse Leistung von Athleten, etwa auch mit besonderen Sprung- oder Rennbeinprothesen, keine &#8220;Gefahr&#8221; f\u00fcr nichtbehinderte Athleten, da Impedanz, Federkraft und Biomechanik nicht vergleichbar mit diesen Prothesenm\u00f6glichkeiten sind und ein fairer Wettkampf daher nur m\u00f6glichst gleiches mit gleichem vergleicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">In analoger Weise werden ja Boxwettk\u00e4mpfe z.B. in Gewichtsklassen, Autorennen z.B. in Hubraumklassen, durchgef\u00fchrt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Auch wenn es unterhaltsam sein kann, die Geschwindigkeit einer Ameise mit derjenigen eines D\u00fcsenjets zu vergleichen, um einmal ein extremes Beispiel zu machen, ist letztlich der Vergleich von Aepfeln mit Bananen auch dann ein Grauzonensurfen, wenn das Wettkampfreglement etwas in der Art (noch) zul\u00e4sst. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Nun wissen wir aus unseren Wettkaempfen, dass es eigentlich immer nur 1 Gewinner gibt (Gold), der Rest sind alles Verlierer. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Diese Sicht hilft, zu verstehen, einzuordnen, wann so die Finger feucht werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Gehe ich mit Armamputation an ein (nicht behindertes) Masterschwimmen<\/span><span style=\"color: #ff0000;\">, und nehmen da in einem Rennen sagen wir 30 Leute teil, und lande ich irgendwo zwischen Platz 10 und 20, bin ich also &#8220;etwa so gut&#8221; wie diese Nichtbehinderten. Wer selbst als nichtbehinderte Person an so einem Wettkampf auf Platz 20 landet, der muss anerkennen, dass wohl Talent und Training sowie Form nicht fuer ein\u00a0 besseres Ergebnis reichten, darf sich doch ueber die schoene Zeit freuen, und geht vielleicht mit einigen Ideen nach Hause, was man naechstes Mal besser machen koennte &#8211; jedenfalls ging es mir und meinen Kollegen und Kolleginnen doch oft so, und es war immer eine schoene Erfahrung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Nach dem Wettkampf ist (sofort) vor dem Wettkampf. Aber wenn der Behinderte auf Platz 2 oder 3, oder, oh Graus, 1, landet, dann sieht dei Sache <em>sehr profund<\/em> anders aus. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Hier ist der Griff nach den Sternen! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ich war mal bei einer Clubmeisterschaft als Behinderter in einem (zumeist von nichtbehinderten bevoelkerten) Schwimmverein auf Platz 2 bei irgendwas gelandet, irgendwelche Meter Freistil oder so, und die Veranstalter haben zielsicher das Problem erkannt: das darf man nicht sehen. Man hat mich also von der Rangliste entfernt, da ich ja behindert sei. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Indessen war die Leistung ohne jede Hilfsmittelbeteiligung entstanden. So haben wir es beim &#8220;Tremor of Intent&#8221; der Regelwerkvertreter, der &#8220;Reinheit im Sport&#8221; Anbeter, keineswegs nur mit Leuten zu tun, denen es um technische Fairness geht. Sondern auch hier treten unbehandelte Angstprobleme zutage. Aber, wenn man als Behinderter irgendwas zu gut macht, riskiert man, unbeachtet der Frage nach Hilfsmittel rausgeschmissen zu werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Nichtbehinderte mit ihren rohen unbehandelten Aengsten sind gegenueber bisschen Schwimmsportleistung massiv gefaehrlicher fuer den sozialen Zusammenhalt, finden Sie nicht? Ach so &#8211; den wollten Sie ja gar nicht. Steht ja weiter unten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es sind \u00fcberdies keinerlei Beispiele vorhanden, die exemplifizieren, wie zun\u00e4chst im Sport beheimatete Cyborgs nun zunehmend in die Gesellschaft hineinwachsen und nun nach Jahren des Hammerwerfens am Olymp das nun im Berufsalltag tun wollen (um etwas Stammtisch-Kolorit in diese &#8220;Diskussion&#8221; zu bringen). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das hat damit zu tun, dass gerade auch Armprothesen neuerer Bauart <em>eben gerade keine<\/em> auch nur irgendwie gestaltete leistungsf\u00e4hige Funktion aufweisen, geschweige denn eine Cyborg-artige Sportfunktion, die in der Gesellschaft dann &#8211; etwa beim Stehempfang, oder am Stammtisch (<em>here we go again<\/em>) &#8211; gross Eindruck macht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wenn es greifbare, reale und pr\u00e4sente Personen gibt, die mit Handicap in der Gesellschaft unterwegs sind, so sind die meisten so gesellschaftlich integrierten Armamputierten ohne Armprothese unterwegs, oder sie tragen wie ich f\u00fcr richtiges Arbeiten eine daf\u00fcr geeignete Zweckprothese, die so einfach und stabil wie m\u00f6glich ausgef\u00fchrt ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">F\u00fcr Sport wie etwa das <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=5030\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hochfahren aufs Stilfser Joch<\/a> tr\u00e4gt man einen einfachen Lenkeradapter f\u00fcr die\u00a0 Armprothese, eine Art Greifzange, oder Kugelkonnektor &#8211; aber nichts, das einen als Cyborg definieren w\u00fcrde, der am n\u00e4chsten Gesellschaftsabend dort als ebensolcher Cyborg in Erscheinung treten w\u00fcrde, <em>um darauf die Gesellschaft zu erobern<\/em> oder irgendwie <em>von dieser Seite her irgendwie hineinzuwachsen um gerade Ihnen dann die Butter vom Brot zu nehmen<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Absurdes Zitat w\u00e4re etwa der Satz &#8220;nun bist Du so sch\u00f6n Fahrrad gefahren, setz Dich her, Du bist jetzt einer von uns Nichtbehinderten&#8221;. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Klingt nicht plausibel. Ist auch nicht plausibel. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Sagen Sie sich selbst solche erfundenen S\u00e4tze einmal laut daher, und Sie werden nachvollziehen k\u00f6nnen, dass so etwas vollkommen absurd ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es sind also gerade eben <em>nicht<\/em> die Cyborgs, die Sport betreiben und nun die in der Gesellschaft vorhanden sind und dort Nichtbehinderte von ihren Plaetzen verdraengen. Das weiss man aber nur, wenn man Behinderte kennt und mal \u00fcbers Leben und die Arbeit redet &#8211; z.B. an einem Stammtisch (<em>where did I read that just now?<\/em>).<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es ist m\u00f6glicherweise ein Mangel oder Fehler in der Bilderkl\u00e4rung der vielen, bildm\u00e4chtigen Fotos &#8220;bionischer&#8221; H\u00e4nde, oder auch der vielleicht zu schlecht kommentierten paralympischen Wettk\u00e4mpfe, dass den Zuschauern nicht erkl\u00e4rt wird, <em>dass die Armamputierten fast durchwegs keinerlei aufwendige oder gar &#8220;bionische&#8221; Prothesen tragen, weder im Alltag, aber schon gar nicht an Wettk\u00e4mpfen!<\/em> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Denn das f\u00e4llt dem durchschnittlichen Betrachter sonst offenbar &#8211; wie man aufgrund dieser Hinweise von Prof. Dr. Ph. Theisohn ja vermuten muss &#8211; vermutlich kaum auf. \u00dcber die in derartigen Kreisen oft weitergereichte &#8220;Captain Hook&#8221;-Metapher, mit der akademische Robotikingenieure gerne robuste Eigenkraftprothesen l\u00e4cherlich machen, damit aber ganz andere Dinge \u00fcber sich verraten, als ihnen selbst bewusst ist (oder recht w\u00e4re?) kann man hier nachlesen [<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=3312\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>].<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;Paralympische Schwimmer sind wirklich so schnell und so gut, dass man unbedingt auch so eine Schwimmprothese ben\u00f6tigt&#8221;. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Diese Aussage? Sie ist faktenfrei, falsch, aber das w\u00fcrde problemlos so geglaubt, und als Grundlage f\u00fcr weitere T\u00e4tigkeiten verwendet. Tatsache ist vielmehr: der paralympische Schwimmsport l\u00e4sst gar keine Prothesen zu. Das weiss nur offenbar keiner, da offenbar nur schon der Schritt, sich sowas mal im Internet anzuschauen, wohl zu schwerfaellig ist? Zu viel an Bandbreite kostet?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wir sind als Armamputierte in der Totwinkelfalle, gesellschaftlich, uns sieht keiner, \u00fcber uns gibt es nur Vermutungen und Bef\u00fcrchtungen, man macht sich auch nicht die Muehe, nachzufragen, \u00fcber uns <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=4681\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">werden daher die unglaublichsten M\u00e4rchen erz\u00e4hlt<\/a>. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das ist es, was hier ausgebaut, bestaetigt, dargelegt wird. Dass ich das jetzt nicht gerade sonderlich cool finden muss, sollte halbwegs\u00a0 nachvollziehbar sein.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es ist vor diesem Hintergrund, dass Herr Professor Dr. Ph. Theisohns Vermutungen zu Cyborgs, die aus dem Sport in die Gesellschaft unterwegs seien, durchaus soziologisch einzuordnen oder zu verstehen sind, aber eher bei den Akademikern und bei deren Haltung \/ Ausbildung \/ Wissen zum Thema Behinderung, als bei Behinderten.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Der Sport ist die Spielwiese, auf der der \u00dcbermensch der Zukunft getestet wird?<\/p>\n<p>Roduit: Der Sport ist tats\u00e4chlich eine Art Labor, in dem die Grenzen unseres K\u00f6rpers ausgetestet werden. Schneller, h\u00f6her, st\u00e4rker \u2013 das ist die Maxime bei sportlichen Wettbewerben. Sportler wollen laufend ihre Leistung verbessern und vor allem auch besser sein als die Konkurrenz. Im Sport, aber auch im Milit\u00e4r wird heute das Enhancement von morgen erprobt. Auch beim Milit\u00e4r geht es darum, mit technologischen Mitteln die F\u00e4higkeiten der Soldaten zu erweitern. Es gibt dort auch Prothesen oder k\u00fcnstliche Linsen, mit denen man einen entfernten Gegenstand heranzoomen kann. F\u00fcr Heckensch\u00fctzen ist das eine sehr erw\u00fcnschte F\u00e4higkeit. Das Narrativ, dass sowohl beim Sport als auch beim Milit\u00e4r unterlegt ist, ist der Wettbewerb. Das ist aus ethischer und philosophischer Perspektive der eigentliche Punkt. Denn wir m\u00fcssen uns als Gesellschaft fragen, ob Kompetition das dominierende Narrativ sein soll.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Behinderte leben nicht in derselben, von Kompetition freien Welt wie Nichtbehinderte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Grunds\u00e4tzlich ist eine Prothese stets der kompetitiven Wertung ausgesetzt: sie kostet viel oder viel zu viel, sie geht rasch oder viel zu rasch kaputt, sie sieht schlecht oder sehr schlecht aus, sie ist unbequem oder sogar sehr unbequem. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">So viel, wie Prothesen kosten, werden sie extrem streng auf allerlei kompetitive Aspekte abgeklopft, durch die Prothesentechniker, durch die Versicherungen, vor allem aber durch die Anwender, t\u00e4glich. Weniger durch die Komponentenhersteller, von denen darf man annehmen, dass sie nicht ganz so kompetitiv denken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man macht sich keine Vorstellung davon, wie allt\u00e4glich beim Benutzer oder Anwender der harte Wettbewerb zwischen Prothesen, auch Komponenten, <em>und den eigentlichen Anforderungen<\/em> ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Nicht auf einem einzigen Dimensionsbereich, der sich allenfalls im Sinne eines permanent milit\u00e4risch-sportlich-aggressiven Dauerangriffs auf die Feste der sich bislang als nicht behindert gew\u00e4hnten Gesellschaft die Kante g\u00e4be &#8211; wir reden ja nicht \u00fcber Cyborgs &#8211; ist hier ein dauerhafter Vorsprung von aus kommerziellen Teilen zusammengestellten Prothesen zu verzeichnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Aber es gibt jedenfalls Unterschiede im Nichtgen\u00fcgen, Versagen, Zerfall, Erscheinung, Komfort, Probleme des Tr\u00e4gers, welche man bei verschiedenen Ausstattungen und Details dazu feststellen kann. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Und das besch\u00e4ftigt den Prothesentr\u00e4ger, weniger die Hersteller der Teile dazu, andauernd. Wir haben halt gar keine M\u00f6glichkeit, uns den Luxus der ethisch-philosophischen Wettbewerbsfreiheit zwischen Prothesenteilen mit einem irgendwie entspannten Ziel beim sportlich-milit\u00e4rischen Angriff auf die Normalit\u00e4t leisten zu k\u00f6nnen. Das w\u00e4re schon ein Thema.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Liner, der weniger rasch zerreisst und zu schimmeln beginnt als der andere, der gewinnt, so sieht es da aus, knallhart ist diese Realit\u00e4t. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ich h\u00e4tte Herrn Prof. Dr. Ph. Theisohn und Herrn Dr. J. Roduit ja gerne mal an sowas riechen lassen, wenn sie sich vorher gemeldet h\u00e4tten. So aber kommt es halt<em> ex post<\/em> zum Kommentar.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das dominierende Narrativ ist weiterhin also, dass Nichtbehinderte &#8211; einschliesslich Forschung, Akademie, Medien &#8211; typischerweise auf etwas anderen Sph\u00e4ren unterwegs sind, die sich im tats\u00e4chlichen Alltag mit Behinderung so gar nicht wirklich finden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><em>Dieser Alltag ist gepr\u00e4gt von tiefen \u00c4ngsten Nichtbehinderter<\/em>, die hier in diesem Interview &#8211; auf durchaus umformulierte Weise &#8211; sehr stark anklingen, und von einer ganz und gar erstaunlichen Tiefe an fehlenden Sachkenntnissen, die sich wohl noch weglesen liessen &#8211; w\u00e4ren da vielleicht nicht diese \u00c4ngste. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Entsprechend w\u00fcnscht auch keiner der hier interviewten Herren, mir diese ganzen Probleme pers\u00f6nlich zu erkl\u00e4ren, z.B. inwiefern sie drauf gekommen waren, dass Frau du Toit mit Beinprothese schwimmen w\u00fcrde, wie sie ja vorschlugen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Theisohn: Richtig. Zugleich darf man \u2013 und durchaus erleichtert \u2013 feststellen, dass wir gerade dabei sind, die Grundlage eines im Kern diskriminierenden Denkens aufzugeben. Wenn wir bisher von Behinderungen gesprochen haben, so setzt das ein Menschenbild voraus, das auf bestimmten F\u00e4higkeiten und einem vermeintlich vollkommenen, intakten, nat\u00fcrlichen K\u00f6rper basierte. Unter diesen Voraussetzungen gibt es Menschen, denen etwas zum kompletten Menschen fehlt. Doch anstelle der Kr\u00fccke oder der Brille haben wir nun intelligente K\u00f6rperteile, die die F\u00e4higkeiten des K\u00f6rpers erweitern. Das verr\u00fcckt unser Menschenbild.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dass, wie vermutet wird, die Grundlage eines im Kern diskriminierenden Denkens ausgerechnet aufgegeben w\u00fcrde, scheint aus Erfahrung zun\u00e4chst frei von effektiv greifendem Korrelat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der behinderte Mensch wird auch heute weiterhin dezidiert vom nichtbehinderten Menschen unterschieden und auf dieser Basis auch ausgegrenzt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dabei gilt es, das Lokalkolorit der g\u00e4ngigen Lehrmeinung wenigstens zu kennen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ein sehr aktuelles Menschenbild, das gerade an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich und dem Universit\u00e4tsspital Z\u00fcrich (siehe die Logos auf dem Bild) von uns k\u00f6rperlich Behinderten manifest ist, wird anschaulich, repr\u00e4sentativ und zusammenfassend schlank auf einer Folie\u00a0 eines autoritativen medizinischen Fachkurses zu &#8220;Good Clinical Practice&#8221; zusammengefasst: wir Behinderte (umfassend wie nachversichernd r\u00fcckbest\u00e4tigt auch K\u00f6rperbehinderte, dies habe ich abgekl\u00e4rt, es ist kein Missverst\u00e4ndnis) werden als ein typisches Beispiel f\u00fcr &#8220;dauerhaft urteilsunf\u00e4hige Patienten&#8221; genannt. Das habe ich mir damals auch noch bestaetigen lassen, die meinten das wirklich so. Das war kein Missverstaendnis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Damit wird lokal eine Haltung, Ansicht, Einstellung mitvermittelt, die wenigstens euphemistisch als diskutabel bezeichnet werden darf, aber grunds\u00e4tzlich vor allem fuer sich selbst spricht, und daher nochmal: typisches Beispiel f\u00fcr dauerhaft urteilsunf\u00e4hige Patienten sind &#8211; wenigstens hier &#8211; &#8220;Behinderte&#8221;. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Damit darf umgekehrt angenommen werden, dass wir (als Gesellschaft) gerade eben <em>nicht<\/em> damit besch\u00e4ftigt sind, diskrimierendes Denken auch nur irgendwie zu reduzieren oder aufzugeben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es ist eine ganz andere Frage, ob es akzeptabel, legitim, gew\u00fcnscht, eventuell sogar f\u00f6rderlich sei Behinderte zu diskriminieren: was so inbr\u00fcnstig perpetuiert wird wie derartige Stereotypien und diskriminierende Vorstellungen, hat oft wohl etwas Gutes. Nicht unbedingt f\u00fcr uns, die behindert sind &#8211; aber auf anderen Ebenen sollte man zun\u00e4chst nach den Vorteilen suchen, bevor man das Kind mit dem Bad aussch\u00fcttet und nicht weiter spezifizierte Diskriminierung als schwindend vermeint. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Eine zu pr\u00fcfende Interpretation etwa w\u00e4re es, dass die konstante Abwertung, Geringsch\u00e4tzung und Ver\u00e4chtlichmachung Behinderter dazu dienen soll, ihre bed\u00fcrftige Menschlichkeit so in Frage zu stellen, dass man weniger Geld f\u00fcr sie ausgibt, namentlich auf der hier bespielten Ebene von Universit\u00e4t und Universit\u00e4tsspital.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"> Andererseits hilft mir insgesamt, in \u00fcbergeordneter Weise, die stereotype Vermutung, Armamputierte br\u00e4uchten eine wenigstens einfache zweckm\u00e4ssige Armprothese (ohne weitere Spezifikation konkreter Gr\u00fcnde).<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dauerhafturteilsunfaehigsind-behinderte.png\" rel=\"lightbox\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9540\" src=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dauerhafturteilsunfaehigsind-behinderte.png\" alt=\"\" width=\"545\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dauerhafturteilsunfaehigsind-behinderte.png 545w, https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/dauerhafturteilsunfaehigsind-behinderte-300x228.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Zuletzt sagte Herr Prof. Ph. Theisohn hier ja aber noch: &#8220;wenn wir bisher von Behinderungen gesprochen haben, so setzt das ein Menschenbild voraus, das auf bestimmten F\u00e4higkeiten und einem vermeintlich vollkommenen, intakten, nat\u00fcrlichen K\u00f6rper basierte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Unter diesen Voraussetzungen gibt es Menschen, denen etwas zum kompletten Menschen fehlt. Doch anstelle der Kr\u00fccke oder der Brille haben wir nun intelligente K\u00f6rperteile, die die F\u00e4higkeiten des K\u00f6rpers erweitern&#8221; &#8211; womit er ja nun sehr klar sagt, dass <em>nicht ein K\u00f6rper, dem ein Arm fehlt, inkomplett ist, sondern ein Mensch<\/em>. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">So denken ja viele Akademiker; gerade die obsessive Suche nach irgendeiner noch so billig konstruierten Handprothesenform hat ja offenbar schon den Hintergrund, dass vermutet wird, dass sich nur so das Nichtmenschsein &#8220;behandeln&#8221; liesse. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Und um dann den armamputierten Menschen &#8220;komplett&#8221; zu machen, hat die Armprothese selbst &#8220;intelligent&#8221; zu sein &#8211; warum denn aber auch das noch? Weil ich als Armamputierter so bl\u00f6de bin, dass ich alleine mit einem (&#8220;dummen&#8221;?) Split-Hook nicht zum kompletten Menschen gen\u00fcge, wenigstens aus Sicht eines Herrn Prof. Dr. Theisohn? Ich halte das f\u00fcr ziemlich verr\u00fcckt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Auch ein Handwerker mit einem Schraubenzieher (der f\u00fcr sich jetzt nicht selbst denkt) ist ja nicht deswegen alleine deswegen ein &#8220;inkompletter Mensch&#8221;!\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: In welcher Weise?<\/p>\n<p>Theisohn: Wer sich beispielsweise als Ziel setzt, der schnellste Mann, die schnellste Frau auf der Erde zu sein, dieses Ziel aber nur mit speziellen Prothesen zu erreichen ist, der muss die Konsequenzen ziehen&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das entspricht so zwar einer g\u00e4ngigen Angst, aber nicht der Erfahrung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die Wettkampfreglemente haben fairen Wettkampf zum Ziel, die Idee des Sports ist Fairness. Hier ziehen Sportverb\u00e4nde bei bisher nicht entsprechend formulierten Wettkampfreglementen nach und sortieren Behinderte in Klassen und trennen sie von Nichtbehinderten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dabei ist die Angst riesig, sie ist absolut \u00fcberbordend. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Bereits die Teilnahme als behinderter Athlet an Wettk\u00e4mpfen Nichtbehinderter ohne jegliche Prothesen st\u00f6sst auf grossen Widerstand bei Nichtbehinderten, sobald man als Behinderter in das Mittelfeld oder gar an die Spitze zu rutschen droht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wer sich also das Ziel setzt, an Nichtbehinderten-Wettk\u00e4mpfen der schnellste Mann oder die schnellste Frau auf Erden zu sein, <em>muss vor allem einmal nichtbehindert sein<\/em>. Das ist die Konsequenz, die wir logisch aus dem hier Gesagten ziehen koennen, und das auch der Realitaet entspricht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Alles andere verkennt die Macht der Angst, die Macht aber auch der vermuteten Fairness. Indem die Angst von Nichtbehinderten vor allem auch Behinderte ohne Prothesen betrifft, ist die Realit\u00e4t noch viel weniger &#8220;fair&#8221; zu Behinderten, als vermutlich Herr Prof. Dr. Ph. Theisohn oder Herr Dr. J. Roduit gedacht h\u00e4tten.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wer immer noch der Idee nachhaengt, man brauche unbedingt ein <em>Geraet<\/em>, ein <em>Dingens<\/em>, ein <em>Tool<\/em>, ein <em>machin<\/em>, um schnellster Mensch zu werden, der sollte sich weniger um Prothesen kuemmern (die taugen nicht viel, was das angeht, scheuern, tun weh, sind teuer, stinken, der Kundenservice zum davonlaufen) (&#8220;davonlaufen&#8221;, bwahaha) sondern mal ein Motorrad oder eine Rakete dafuer ausprobieren &#8211; <em>viel<\/em> schneller. Und im Stadtverkehr heutzutage wohl ein fettes E-Bike.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage:\u00a0 &#8230;und die Beine amputieren?<\/p>\n<p>Roduit: Bei Pistorius war das im Grunde so. Er sass als Kind im Rollstuhl. Die Eltern haben beschlossen, die Beine zu amputieren, damit er Prothesen bekommt. Da wurde also mutwillig eingegriffen, um einen Upgrade zu bekommen. Von diesem Gedanken, mit einem Eingriff an unserem K\u00f6rper seine F\u00e4higkeiten zu erweitern, sind wir nicht weit entfernt. Eigentlich sind wir sogar schon l\u00e4ngst dabei.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Eine medizinische Situation wie die der Amputation wegen angeborener Fehlbildung &#8211; wie bei Oscar Pistorius &#8211; mit Upgrade zu euphemisieren ist ein bemerkenswerter Schritt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Was als Trend weniger festzustellen ist, ist, dass verbreitete Ansichten zu Amputation und Prothesen in ihren Abweichungen von Realit\u00e4t, in ihrer Fiktionalit\u00e4t, auf ihren eigentlichen Ursprung untersucht werden. Dahinter stehen \u00fcblicherweise, wie bereits angedeutet, riesige \u00c4ngste. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Eventuell k\u00f6nnte man auch an einem eher orthop\u00e4dischen Verst\u00e4ndnis schwerwiegender Fehlbildungen arbeiten, aber es gen\u00fcgt wohl nicht, den Geisteswissenschaftlern ihre Bibliotheken vollzustopfen, wenn sie dort gar nicht nachschauen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">\u00c4ngste l\u00e4hmen das Denken. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">So liest man hier, dass &#8220;Die Eltern beschlossen&#8221; h\u00e4tten, &#8220;die Beine zu amputieren&#8221;. Das ist als Satz insofern beinahe etwas merkw\u00fcrdig, indem er eine geisteswissenschaftliche Urheberschaft zu haben scheint: seine Eltern werden hier so dargestellt, als ob sie die Beine von Oscar Pistorius selbst amputiert h\u00e4tten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Vielmehr aber scheinen sie einen orthop\u00e4dischen Chirurgen gesucht zu haben, der diese Arbeit durchf\u00fchren musste, und die Wahl schien auf Gerry Versveld gefallen zu sein. Der Satz h\u00e4tte daher theoretisch lauten k\u00f6nnen, &#8220;die Eltern beschlossen, die Beine von einem renommierten Chirurgen amputieren zu lassen&#8221;, und w\u00fcrde damit eher der tats\u00e4chlichen Vergangenheit, die hier beschrieben wird, entsprechen. Der hat dann was gemacht? Indikation gestellt? Was duerfen die Interviewten hierzu ins Feld fuehren?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Was wir aber darin, sicherlich erneut am Rande der Nachdenklichkeit, feststellen k\u00f6nnen, dass der Bedeutungszusammenhang bei vom Thema der Beinamputation betroffenen Wissenschaftlern, die dar\u00fcber fast wie aus dem Stegreif sozusagen zu Aussagen motiviert werden, ohne weitere Ausf\u00fchrung oder Reflektion einen &#8220;tilted sense of agency&#8221; aufzudr\u00fccken scheint &#8211; was wiederum sozial sehr ausgedehnte, erfahrungsuntermauerte Korrelate hat: so spricht das nicht behinderte Gegen\u00fcber bei einem Ehepaar, wo eine der beiden Personen sichtbar behindert ist, oft den nicht behindert erscheinenden Ehepartner an, auch wenn es um Dinge oder Gesch\u00e4fte der behinderten Person geht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wir teilen gesellschaftlich eine grosse (falsche) Akzeptanz f\u00fcr behinderte-bezogene Verantwortungsverschiebungen, und dies k\u00f6nnte man in dieser eigent\u00fcmlichen Formulierung durchaus ebenfalls erkennen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Ver\u00e4ndern die Maschinen auch unser Gehirn?<\/p>\n<p>Theisohn: Bei mir im Seminar sitzen zwar keine Studierenden mit Antennen im Sch\u00e4del, aber die allermeisten haben einen Laptop. Das heisst, sie sind im Grunde genommen schon an maschinelles Wissen angeschlossen. Wir arbeiten heute schon in Cyborgstrukturen. Das gilt f\u00fcr unsere Gesellschaft ganz allgemein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Was Behinderte und Nichtbehinderte tun, in Bezug auf prothetische Ann\u00e4herung eines Defektausgleichs, unterscheidet sich nach wie vor ja massiv. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das Gehirn wird damit durch das Tragen einer Armprothese insofern stark ver\u00e4ndert, als man mit den \u00fcblichen kommerziellen Komponenten erst jahrelang Produkteversager und zahllose Reparaturen erleidet, bevor man eigene technische Entwicklungen baut und selbst mit besseren Reparaturvarianten beginnt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Insofern \u00e4ndert sich das eigene Gehirn also sehr wohl: man stellt geglaubte oder angepriesene (z.B. <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=7749\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Otto Bock: &#8220;Quality for Life&#8221;<\/a>) Funktionsversprechen zwangsl\u00e4ufig zunehmend in Frage und eignet sich eigene F\u00e4higkeiten in Entwicklung und Unterhalt an. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Aufwand, nur schon eine zweckm\u00e4ssige einfache Armprothese f\u00fcr die allt\u00e4gliche Arbeit wirklich funktionsf\u00e4hig zu bekommen, ist f\u00fcr den Einzelnen jedenfalls meistens enorm. Die Vermutung, dass im Bereich Behinderung eine Cyborgstruktur Einzug h\u00e4lt, sehe ich selbst nicht best\u00e4tigt. Und man sollte den Begriff der Cyborgstruktur sehr vorsichtig verwenden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Begriff Cyborg in seiner Herkunft bezeichnet eher technologisch-biologisch integrierte Wesen, allen voran einen Menschen, der dadurch neue Anpassungen oder Funktionen aufweist. Der also Dinge ertr\u00e4gt oder leisten kann, die vorher nicht m\u00f6glich waren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Damit ist der Cyborg gegen\u00fcber dem normalen Menschen erweitert, &#8220;enhanced&#8221;. Die sich daraus ergebende Fragen sind sehr wohl auch ethisch interessant, <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=5884\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aber das hat mit den aktuellen Ger\u00e4ten des Alltags nicht viel zu tun<\/a>. Vor allem leisten wir keine, wesentlich \u00fcber unsere M\u00f6glichkeiten hinausgehenden, Anpassungsleistungen durch Implantation von Technologie. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Nur schon der Ersatz eines arthrotischen H\u00fcftgelenks durch eine Gelenksprothese macht keinen Cyborg: bestenfalls wird eine einigermassen normale Funktion wenigstens \u00fcber einige Jahre angen\u00e4hert.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Die Ger\u00e4te sind aber noch extern, das sind keine implantierten Chips oder \u00c4hnliches.<\/p>\n<p>Theisohn: Aber die Cyborgisierung findet schon statt, ganz egal, ob wir an externe Ger\u00e4te angeschlossen sind oder intelligente Prothesen tragen. Die technologischen M\u00f6glichkeiten ver\u00e4ndern unsere Denkstrukturen, unser Begehren, unsere Tages- und Lebensplanung, unser Liebesleben. Das ist mittlerweile alles schon digital angelegt, das machen wir uns viel zu selten klar. Auch unsere Smartphones sind viel mehr als Telefone und Auskunftsmaschinen; sie sind die Schnittstelle in eine andere Welt mit ganz eigenen Gesetzen. Wenn wir uns mit Maschinen kurzschliessen, ver\u00e4ndern wir damit auch unsere Bed\u00fcrfnisse, weil Maschinen mit einer ganz anderen Geschwindigkeit operieren. Ich bin \u00fcberzeugt, dass etwa Kommunikation \u00fcber WhatsApp ganz andere Leidenschaften, andere Erwartungen, andere Bed\u00fcrfnisse ausl\u00f6st, als beispielsweise eine Beziehung, die \u00fcber Postkarten l\u00e4uft oder bei der man sich regelm\u00e4ssig sieht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Cyborg ist definiert als integriertes Wesen &#8211; das heisst, die Technologie hat als Hardware im K\u00f6rper zu sein. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Begriff f\u00fcr Ger\u00e4te, die ausserhalb unseres K\u00f6rpers sind, die wir zum Rasenm\u00e4hen, Blumengiessen, Hineinpinkeln oder Kommunizieren verwenden, ist ein anderer. Meine Armprothese ziehe ich an, wieder aus, sie funktioniert wie ein Mass-Schuh, dem sie auch in anderer Weise als Analogie entspricht; sie ist ein per Gipsabdruck modelliertes Hilfsmitteln der Art eines Mass-Schuhs. Das macht aus mir einen Hilfsmitteltraeger, nicht einen Cyborg.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Wie ver\u00e4ndern sich denn unsere Bed\u00fcrfnisse?<\/p>\n<p>Theisohn: Die Maschine ist ausdauernd. Siri hat immer Lust, f\u00fcr mich zu arbeiten. Wenn ich das Bed\u00fcrfnis habe, dass andere auf mich reagieren, kann ich mich bei WhatsApp permanent auf standby halten. Jede Form von Reaktion, selbst wenn ich keine zeige, ist ein Zeichen. Das ver\u00e4ndert auch unser Aufregungsniveau. Mit der Gef\u00fchls\u00f6konomie, die etwa die Romanzen des 20. Jahrhunderts noch steuerte, k\u00f6nnen wir diese Ger\u00e4te gar nicht richtig bedienen. Wir werden so hochgetrieben, dass der Rausch l\u00e4nger dauert, die Ekstasen sich immer rascher wiederholen \u2013 und der emotionale Kollaps entsprechend absehbar wird. Datenstr\u00f6me haben eine eigene Dynamik und ver\u00e4ndern uns.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dass uns externe Reize durchaus besch\u00e4ftigen, geh\u00f6rt in die Dom\u00e4ne der Psychologie und Neurologie. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wenn Maschinen an sich ausdauernd sind, so tr\u00e4gt das f\u00fcr sich genommen auch nicht zu einem breiteren Verst\u00e4ndnis des Begriffs Cyborg bei. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Und um beim Thema der Armprothesen zu bleiben: auch wenn ich &#8220;Lust&#8221; habe, etwas zu tun, die Armprothese hat das kaum stets; eine mit kommerziellen Teilen gebaute Armprothese hat vielmehr etwa die folgenden Charakteristika wie meine erste Eigenkraftprothese, welche im Sinne eines TLDR (too long did not read) als &#8220;katastrophal&#8221; zusammengefasst werden darf: das erste verbaute Handgelenk blockierte irreversibel innerhalb von Sekunden. Das zweite Handgelenk erfuhr \u00fcber Wochen bis Monate eine degradierende Funktion. Die erste Prothesenhand blockierte innert Minuten irreversibel. Der erste Kabelzug war aus Perlon, er riss vollkommen und irreparabel ebenfalls innert Minuten. Die weiteren Kabelz\u00fcge f\u00fchrten \u00fcber die ersten zwei Jahre jeweils nach 4-10 Tagen zu einem Kabelriss, worauf erst wieder ein Reparaturtermin vereinbart werden musste. Nach Wochen bis wenige Monate wurden die Silikonliner schimmlig, was auch auf deren Konstruktion zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Die Achselschlaufe der Figure-9 Harness begann nach 1-2 Wochen sehr stark nach Schweiss zu stinken, ohne dass Kunststoffe sonst so ein Stinken erfordern; vielmehr hatte Otto Bock hier den Kunststoff so gew\u00e4hlt, dass er stark stank; das Reinigungsmittel des Herstellers machte es nicht besser. Verschiedene Hooks wackelten oder verklemmten, teils unterschiedlich was Intervall oder Art des Wackelns anging. Wie auch immer war von &#8220;Siri hat immer Lust, f\u00fcr mich zu arbeiten&#8221; so gar nichts an Realit\u00e4t vorhanden. Wenn ich diese inzwischen selbst gebaut habe, dann ist es teilweise gegen den erkl\u00e4rten Widerstand auch der Prothesenhersteller geschehen. Womit auch klar wird dass das permanente Teileversagen, das andauernde unertr\u00e4gliche Teileversagen, hier Programm war. Wenn etwas also gerade mal keine Lust zum arbeiten hat, ist es vielleicht am ehesten die Armprothese. Denn die sind so gebaut und ausgelegt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Aus Anwendersicht kann demgegen\u00fcber daher gesichert gesagt werden, dass kommerzielle Armprothesen alles andere als &#8220;ausdauernd&#8221; sind. Sie sind das exakte Gegenteil auch einer normalen technischen Ausdauer: wo ein Steuerkabel an einem Fahrrad nur etwa 1-3 Jahre h\u00e4lt, hatte ich w\u00e4hrend 2 Jahren einen Stahlkabelriss an meiner Armprothese alle 4-10 Tage. Das ist an planhafter Leistungsnorm schwer zu unterbieten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man muss sich erst vor Augen halten, was es bedeutet, dass die Armprothese dauerhaft alle 1-2 Wochen komplett ausf\u00e4llt, dass s\u00e4mtliche Komponenten andauernd v\u00f6llig zerfallen, um zu verstehen, wieso die Vermutung, solche Ger\u00e4tschaften seien &#8220;ausdauernd&#8221;, aus Alltags- und Anwendersicht <em>vollkommen<\/em> absurd ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dahinter steht aber vor allem eine Hoffnung, ein durch bildm\u00e4chtige Fotos gen\u00e4hrte Sehnsucht nach sch\u00f6n gl\u00e4nzenden metalldurchwirkten &#8220;bionischen&#8221; Handprothesen, denen man eine Haltbarkeit von mindestens 100&#8217;000 km und 12 Jahre Garantie gegen Durchrosten andichten will. Es handelt sich aber um &#8220;Standbilder einer nicht gereiften Cyborghoffnung&#8221;, deren Leistung fotografisch, nicht aber ingenieurtechnisch, ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Roduit: Ich diskutiere oft mit Philosophen. Wenn man auf das Leben von Philosophen im 16. und 17. Jahrhundert schaut, so bestand es aus der B\u00fccherlekt\u00fcre und der Teilnahme an der Gesellschaft. Heute sitzen wir die meiste Zeit vor einem Computer und interagieren mit diesem \u2013 das macht uns in einem gewissen Sinne zu Cyborgs. Man k\u00f6nnte auch sagen, dass das entmenschlichend ist. Die Maschinen, das Internet haben uns in unglaublich kurzer Zeit ver\u00e4ndert. Ich glaube nicht, dass wir diese Ver\u00e4nderungen in ihrer ganzen Tragweite erkennen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Ver\u00e4nderungen sind eine Sache, Cyborgs im engeren Sinne aber gibt es so nicht. Ob es sie je geben wird, weiss man nicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">In den 70&#8217;er Jahren wurde das Auftreten von Cyborgs etwa um das Jahr 2020 vermutet, und wir sind nicht dort. Das st\u00f6rt uns sehr. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">In Ermangelung echter Cyborgs werden daher seit Jahren Amputierte mit myoelektrischen Prothesen verwendet, um die L\u00fccke in der damaligen Zukunftsprognose zu f\u00fcllen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Offenbar fehlt in der Philosophie ebenfalls der echte Cyborg &#8211; etwa der Professorenkollege mit dem 20 Petabyte-Plugin im Gehirn, auf dem s\u00e4mtliche Bibliotheksdaten der Welt in Echtzeit abgerufen werden k\u00f6nnen, oder der stets kompetent auch zum Thema Armamputation reden kann.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Dann haben die Maschinen uns also schon unterworfen?<\/p>\n<p>Theisohn: So h\u00e4tte man das wohl einmal formuliert, aber wir w\u00fcrden uns heute mit dieser Diktion wohl schwertun. Das ist ja gerade der Paradigmenwechsel. Ein Beispiel: Gegen die Volksz\u00e4hlung Anfang der 1980er-Jahre in Deutschland gab es einen riesigen Aufstand, obwohl der Umfang der Daten, die man dort erhoben hat, im Vergleich zu heute l\u00e4cherlich klein war. Damals wurde moniert, der Staat wolle seine B\u00fcrger ausspionieren. Von 2018 aus gesehen erscheint dieser Widerstand grotesk. Heute stehen wir an einem ganz anderen Ort. Wir wissen zwar dass Cambridge Analytica uns manipuliert und was Facebook mit unseren Daten macht, aber dennoch bleiben wir dabei. Weil wir gar nicht mehr zur\u00fcckk\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Umgang mit Datenmanipulation und Gefahren \u00f6ffentlicher Daten lenkt davon ab, dass wir weder Cyborgs sind, noch Cyborgs haben. Dies krankt ja unter anderem daran, dass keine verl\u00e4sslichen Langzeitimplantate verf\u00fcgbar sind, die sich problemlos in unser Nervensystem integrieren lassen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Zwar tragen manche Amputierte nun in den Stumpf durch eine chronische Wunde (Stoma) eingebrachte Befestigungsbolzem (Osseointegration), aber diese sondern typischweise dauernd Eiter oder Sekret ab, sie sind ein enormes Infektionsrisiko, und im Grunde verlagern sie nur die Einzelheiten der Behinderung von Problemen mit dem Prothesenschaft auf Probleme mit dem in den Knochenstumpf eingebrachten Anschlussbolzen; auch das sind keine Cyborgs, die eine auch nur in irgendeiner Art gegen\u00fcber nichtbehinderten Menschen stark verbesserte M\u00f6glichkeiten haben &#8211; die Kosten, der extreme Aufwand im m\u00f6glichst permanenten Sauberhalten des Stoma, ist als Gesamtrisiko, Gesamtfunktion und Kostenaufwand viel zu weit von einer nur schon normalen, geschweige denn gesteigerten Funktion verglichen mit Nichtbehinderten entfernt.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Wie sieht die Zukunft aus? Die Euphoriker sind \u00fcberzeugt, dass alles besser wird \u2013 der Mensch an sich und seine F\u00e4higkeiten. Auf der anderen Seite gibt es Angstfantasien, dass die Maschinen die Macht \u00fcbernehmen und die Menschen versklaven. Wohin steuern wir?<\/p>\n<p>Theisohn: Wenn wir es mit selbstlernenden Maschinen zu tun haben, k\u00f6nnen wir nicht mehr so tun, als ob sie Staubsauger w\u00e4ren. Sie werden vielleicht eine Funktion \u00fcbernehmen, in der wir von ihnen abh\u00e4ngig sind. Dann w\u00e4re es gut, wenn die Maschine nicht mit Menschen umgeht, wie sie dies mit Dingen tut. Sonst haben wir ein Problem.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die gesamte Debatte hier, die etwa in die Luft malt, dass Behinderte als Cyborgs den Spitzensport \u00fcbern\u00e4hmen oder dass aus dem Sport in die Gesellschaft mutierte Cyborgkr\u00fcppel den \u00f6ffentlichen Diskurs \u00fcbernehmen, ist eine einzige, riesige, an mehrheitlich falsch verstandenen Beispielen aufgeh\u00e4ngte grosse Angstfantasie. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">BUH!\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Wie k\u00f6nnen wir dem begegnen?<\/p>\n<p>Theisohn: Die Maschinen lernen ihr Verhalten von uns. Wenn wir sie wie Maschinen behandeln, dann behandeln sie uns ebenso. Wir m\u00fcssen deshalb anfangen, mit Maschinen menschlicher umzugehen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Was in der Tat fehlt, sind ein echtes Technikverst\u00e4ndnis. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dies resultiert aus \u00fcberdrehten, unzul\u00e4ssig verk\u00fcrzten Wissenschaftskommunikationen, die die wesentlichen Zuwendungselemente auslassen (siehe etwa auch die Buchbesprechung zu &#8220;<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=9492\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zweimaltot<\/a>&#8220;). Was ebenso fehlt, ist ein echtes Behinderungsverst\u00e4ndnis. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">\u00dcber Prothesen und Amputierte wird derzeit derart viel erz\u00e4hlt, das keinerlei Korrelat im Alltag hat, dass man sich fragt, wo diese Ideen \u00fcberhaupt herkommen. Mangelnde Zuwendung zu tiefen Inhaltsfragen ist auch hier instrumental. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Mit der Verortung (auch k\u00f6rperlich) behinderter Personen im Lager der permanent urteilsunf\u00e4higen Personen hat sich die Akademie diesbez\u00fcglich nat\u00fcrlich arg ins Bein geschossen, weswegen sie zu diesem Themen denn auch inhaltlich sichtbar hinkt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Roduit: Wenn wir der Meinung sind, dass alleine die Effizienz z\u00e4hlt, k\u00f6nnen wir einen Grossteil der Arbeit den Maschinen \u00fcberlassen. Denn sie arbeiten schneller, besser und effizienter als Menschen. Fragt sich, was wir dann mit den Menschen machen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Aus Sicht Armamputation und Prothesen ist von Effizienz oder besserer Funktion als Menschen nichts zu sp\u00fcren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Aber viele Menschen wissen das nicht, sie glauben daran, dass Maschinen uns Behinderte zu Cyborgs werden lassen, und was folgt sind ganze Gedankengeb\u00e4ude, Luftschl\u00f6sser, Angsth\u00f6llen, in denen geschmort und gesotten wird, ohne dass man damit einer Art Begegnung oder Realit\u00e4t n\u00e4her w\u00e4re. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Dies ist im Grunde ein Ausgrenzungsdiskurs, auf den bereits andernorts hingewiesen wurde (siehe <a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=8812\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel zu Kompetenz<\/a>).<\/span><\/p>\n<p>Theisohn: Da sind wir an einem entscheidenden Punkt. Die k\u00fcnstliche Intelligenz ver\u00e4ndert nat\u00fcrlich unser Arbeitsleben. Bestimmte Arbeiten werden verschwinden und andere an ihrer Stelle entstehen. Es gibt viele Dinge, die Maschinen tats\u00e4chlich effizienter machen k\u00f6nnen. Aus meiner Sicht gilt dennoch: Jene Arbeit, die die Maschinen besser verrichten k\u00f6nnen als die Menschen, sollen sie auch tun.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man arbeitet ja auch an Empathierobotern. Ich weiss nicht, ob es zu bef\u00fcchten oder zu hoffen ist, dass das gut herauskommt, sehe ich, wie wenig Empathie aktuell sonst zum Thema Behinderung und Maschinen vorherrscht. Gute Empathie k\u00f6nnte auch mit der Frage beginnen, was es dann dazu alles an Fakten zu wissen gibt.<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Werden wir \u00fcberfl\u00fcssig?<\/p>\n<p>Theisohn: Nein, \u00fcberhaupt nicht. \u00dcberfl\u00fcssig werden wir nur, wenn wir uns \u00fcber T\u00e4tigkeiten definieren, die Maschinen besser machen k\u00f6nnen. Aber wir haben vielleicht ja auch einen ganz anderen Zweck. Es k\u00f6nnte bedeuten, dass wir etwas ganz anderes machen k\u00f6nnten mit unserer Zeit und Energie. Das Problem, das wir aber l\u00f6sen m\u00fcssen, ist, wie Menschen in einer kapitalistisch organisierten Wirtschaft \u00fcberleben k\u00f6nnen, wenn die Arbeit von Maschinen erledigt wird. Dazu gibt es verschiedene Ideen. Ein Beispiel: Heute stellen die wertvollsten Unternehmen auf diesem Planeten gar nichts mehr her \u2013 sie verdienen ihr Geld mit Daten, die sie von uns sammeln. Deshalb sollten wir vielleicht f\u00fcr diese Daten bezahlt werden. Oder wir m\u00fcssen Arbeit und Lohn ganz neu definieren.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es gibt viel \u00dcberfl\u00fcssiges. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Unbegr\u00fcndete Angstfantasien \u00fcber Seiten zu entwickeln ist nicht nur f\u00f6rderlich, es kann auch problematisch sein. Ich sehe dies als sehr problematisch. Hier soll man die Frage nach der \u00dcberfl\u00fcssigkeit breit stellen. Menschen, die in einer kapitalistisch organisierten Maschinenwirtschaft \u00fcberleben wollen, haben nur dann einen klaren \u00dcberlebensvorteil, wenn sie die F\u00e4higkeit sowie Grenzen der Maschinen und deren Betreiber sehr genau kennen oder einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Also gerade auch Grenzen, ja. Dazu ist profunde Technikkenntnis, und bedeutungsvoller Dialog wichtig. Dieses Interview zeigt aber doch auf, <em>wie wenig<\/em> die breite Durchschnittsbev\u00f6lkerung oder der Durchschnittsakademiker \u00fcber Amputation, Prothesen, Cyborgs und Behinderung generell weiss, und wie viel Nachholbedarf bei grundlegenden Fragen des basalen Austausches bestehen w\u00fcrde.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Bis ein Nichtbehinderter keine Angst vor dem Armamputierten mit Prothese hat, ist die Gehstrecke wohl zu gross, um sie allen Leuten zur Verf\u00fcgung zu stellen. Damit stellt sich die Frage nach spezialisierten Verst\u00e4ndigungsdiensten, etwa, Dolmetscherb\u00fcros f\u00fcr Inhaltstranslationen.<\/span><\/p>\n<p>Roduit: Wir haben all diese Technologie entwickelt, um uns zu helfen. Nun arbeiten wir aber immer noch gleich lang, wie vor der digitalen Revolution. Mehr als das: Wir sollen immer produktiver werden. Ich denke, wir sollten mehr Pausen einschalten und uns auf anderes konzentrieren. Ich glaube auch nicht, dass wir \u00fcberfl\u00fcssig werden \u2013 wir werden einfach Menschen sein.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wir sind hier bereits heute viel weiter in der Abgrenzung und Ausgrenzung. Mensch sein heisst hier ja vor allem, nichtbehindert zu sein. Wem Behinderte zuzurechnen sind, schwingt hier mit. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Cyborgs &#8211; umfassend alle Behinderten mit Prothesen &#8211; sind ja keine Menschen, sondern Horrorfiguren, die in der leistungs\u00fcberdrehten kapitalistischen Maschinenwirtschaft unfair Vorteile holen will. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das wird einem so heute schon zu sp\u00fcren gegeben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Und es ist nicht einmal an der Prothese festgemacht: bereits die M\u00f6glichkeit, eine Prothese tragen zu k\u00f6nnen, sp\u00fclt einen in die Ecke der suspekten leistungs\u00fcberdrehten Cyborgs.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Was m\u00fcssten wir \u00e4ndern, um mehr von der Technologie zu profitieren?<\/p>\n<p>Roduit: Ich sehe uns in einem Rattenrennen der st\u00e4ndigen Verbesserung, angetrieben von der Idee, besser und produktiver zu sein als andere. Das ist sicher ein Teil unserer Natur. Daneben ist aber auch die Zusammenarbeit etwas, das uns Menschen auszeichnet. Ich glaube, dass wir mit dem Wettbewerbsgedanken zu weit gegangen sind. Wir sollten wieder mehr kooperieren statt immer produktiver und effizienter sein zu wollen. Wenn wir so weiterdenken wie bisher, werden wir alle behindert sein, weil der Wettbewerb nie endet \u2013 ausser vielleicht eines Tages mit einem Cyborg, der alles gewinnt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Herr Dr. J. Roduit belegt hier meinen vorg\u00e4ngig gemachten Kommentar ausreichend.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Man kann aber die hier dargelegten, unbegr\u00fcndeten Angstfantasien entkr\u00e4ften: davon, dass Armamputierte mit einem Prothesenhaken heisses Grillfleisch &#8220;besser&#8221; umdrehen als Nichtbehinderte, sind wir in wettbewerbsrelevanter Wirkkraft ganz weit entfernt. Es macht trotzdem Spass. Aber es gibt da keine Competition.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Der Cybathlon 2020, dessen Strategie bei der Armprothetik ebenso auf tiefen, unfundierten \u00c4ngsten, aber auch auf grossem Voyeurismus beruht, vergleicht denn auch keine solchen M\u00f6glichkeiten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Interessant ist, dass Herr Dr. J. Roduit vermutet, ein andauernder Wettbewerb fuehre dazu, dass wir irgendwann &#8220;alle&#8221; behindert seien. Das ist ein sehr stark verdichteter aufgeladener Satz, der zum Verstaendnis genau zu zerlegen ist. Mit &#8220;wir&#8221; meint er die Nichtbehinderten, die dann immer gegen den Cyborg &#8220;verlieren&#8221;, und damit, dass er sagt, &#8220;wir sind alle behindert&#8221; in diesem Kontext, sagt er nichts anderes, als (wie ich oben ausfuehrte) guter Wettkampfsport genau einen Gewinner hat &#8211; die Person mit der Goldmedaille. Es sind gerade mal alle anderen Verlierer. Dies benennt Herr Dr. J. Roduit hier aber nicht so: er nennt diese Personen, &#8220;wir, die Nichtbehinderten&#8221; also, nicht als Verlierer, sondern sagt, &#8220;wir werden alle behindert sein&#8221;. In verdrehter Weise sagt er damit nichts anderes, als, dass in seiner Sicht der Dinge Behinderte Verlierer sind, und Verlierer behindert. Das ist fuer eine Person gerade aus dem Forschungsbereich der Ethik ein erstaunlich offener Blick in die Karten seines Denkens. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Selbst gehe ich als Person mit Behinderung nicht so weit, Leute mit schlechtem Technologieverstaendnis oder grosse Aengsten als &#8220;behindert&#8221; zu bezeichnen. Hier liegt auch ein Unterschied zwischen Herr Dr. J. Roduit und mir. We&#8217;re not the same.\u00a0Aber ich bezeichne sie sicherlich als vulnerabel. Personen, die in Themenbereichen unterwegs sind, die sei so gar nicht selbst verstehen, sind dann angreifbar und darin vulnerabel.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Theisohn: Deshalb muss man die Frage fundamentaler stellen. Vielleicht ist die Antwort auf die Frage, was der Mensch ist, eine ganz andere, als wir uns vorstellen. Diese Endlosspirale des Wettbewerbs dreht sich ja nur so lange weiter, wie wir darin verharren. Mittlerweile haben wir unsere Kommunikationsmittel so weit entwickelt, dass wir nicht mehr Schritt halten k\u00f6nnen und nur noch hinterhergeschleift werden. Ich bezweifle, dass es f\u00fcr uns gut ist, wenn wir st\u00e4ndig mit Maschinen interagieren m\u00fcssen, weil uns das oft \u00fcberfordert, denn die Maschinen werden ja nie m\u00fcde. Deshalb m\u00fcssten wir uns sagen: Ok, in gewissen Bereichen lassen wir die Maschinen alleine walten. Und wir m\u00fcssen uns \u00fcberlegen: Was k\u00f6nnen wir sonst noch tun?<\/p>\n<p>Eine friedliche Loexistenz von Mensch und Maschine?<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Vermutlich definiert sich das Fach der Zukunftsbewertung von Cyborgs \u00fcber das Aufrechterhalten solcher Unsicherheiten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Bisher sind Armprothesen, wie man sie aus kommerziellen Teilen baut, von einer friedlichen Koexistenz mit dem Menschen weit weg: diese Ger\u00e4te fallen von selbst auseinander, und wenn nicht, dann pft schon angesichts drohender leichter Arbeit. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die eigentlichen Sorgen sind an einem fundamental anderen Ort. Vermutlich ist es Absicht, davon abzulenken.<\/span><\/p>\n<p>Roduit: Ja, wir sollten uns fragen, wie wir mit K\u00fcnstlicher Intelligenz, mit anderen Arten, mit der Umwelt besser kooperieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Behinderte sind ja nach aktueller Lesart eine &#8220;andere Art&#8221;. Praktiziert wird Ausgrenzung und D\u00e4monisierung, Verbannung in eine Angstwelt. Dies ist das, was in diesem Interview klar wird. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Damit steht fest, wie der Umgang &#8220;mit anderen Arten&#8221; derzeit ausgef\u00fchrt wird. Ich denke auch, dass man sich fragen k\u00f6nnte, ob so ein Dialog anders aussehen k\u00f6nnte, aber man kommt zum Schluss (siehe auch Buchbesprechung &#8220;<a href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=9492\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zweimaltot<\/a>&#8220;), dass eine Ausgrenzung, ein Wegschliessen, eine sch\u00fctzende, pr\u00e4ventive und f\u00fcrsorgliche Funktion hat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">\u00dcber das Leben von Nichtbehinderten, die \u00fcber Behinderte allerlei Fantasien entwickeln, ohne diese auf echte Fakten zu stellen, kann auch ich nur spekulieren.<\/span><\/p>\n<p>Theisohn: Unser Ziel m\u00fcsste sein, nicht im Modus \u00abwir gegen die anderen\u00bb zu denken, sondern eine Welt zu erzeugen, in der verschiedene Lebensformen nebeneinander existieren k\u00f6nnen. Wir werden nicht die Sklaven der Roboter und sie werden nicht unsere Sklaven, sondern sie w\u00fcrden uns dabei unterst\u00fctzen, ein Leben zu leben, das wir f\u00fcr lebenswert halten. Wenn wir schauen, wie ein Grossteil der Menschheit lebt, kann man sich diesem Wunsch doch nicht ernsthaft verschliessen. Ich bin nicht gerade Euphoriker, aber Optimist, dass die Technologie uns dabei helfen kann, bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr viele Menschen zu schaffen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die Chance, dass ein Behinderter mit Prothese <em>nicht<\/em> als angsterf\u00fcllendes Schreckensszenario wahrgenommen wird, der zuerst den Spitzensport und dann die ganze Gesellschaft dominiert, wurde nachweislich verpasst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Vermutlich nicht absichtlich hat aber diese Antwort klar die explizit genannte Hoffnung eines Nebeneinander, was etwas v\u00f6llig anderes als ein Miteinander ist.\u00a0 Das l\u00e4sst hier so tief blicken wie der Rest.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Interviewfrage: Sollen wir uns auf die Zukunft freuen?<\/p>\n<p>Roduit: Wir sollten uns drauf freuen, weil sie Neues bringt.<\/p>\n<p>Theisohn: Ja, wir sollten uns darauf freuen, denn wir haben ohnehin keine Wahl. Die Zukunft kommt. So oder so.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">In einer m\u00f6glichen Zukunft aus Sicht des Interviews wird dieses kritisch auf Stichhaltigkeit beleuchtet. Vielleicht w\u00e4re es an der Zeit, dies gelegentlich vorzunehmen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Bis dann sind Maschinen an Behinderten nicht in der Lage, ihnen umfassend bessere Lebensumst\u00e4nde als Nichtbehinderten zu garantieren, schon gar nicht auf L\u00e4nge und nachhaltig. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Es w\u00e4re mithin noch einmal einem konsequenten neoliberalen Gedankengut zuzuordnen, wenn unsinnige oder falsche Inhalte \u00fcber Behinderte unbek\u00fcmmert vor sich her getragen und verbreitet werden, sondern es ist gute alte einfache\u00a0 Machtaus\u00fcbung, billige epistemische Macht &#8211;<em> damit wird die Ansicht gefestigt, dass es zu uns nichts richtiges zu wissen g\u00e4be, und dass man erz\u00e4hlen k\u00f6nne, was immer einem gerade so einfalle.<\/em> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Das ist ein Ausdruck gelebter Deutungsmacht und wertet uns als bed\u00fcrftige Mitmenschen generell stark ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Wir werden also <em>konkret<\/em> als <em>vernachl\u00e4ssigbarer Unsinnsfaktor<\/em> behandelt. Damit sollen vermutlich verschiedene Freir\u00e4ume aufgestossen werden. Es ist nicht mal gutes Gesch\u00e4ft, nicht einmal Hardcore-Neoliberalismus w\u00fcrde sich sowas leisten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Vor einer hier projizierten wenn nicht angedrohten Zukunft, in denen Nichtbehinderte losgel\u00f6st von solchen bitteren Realit\u00e4ten ihre \u00fcbergrossen \u00c4ngste projizieren, habe ich keine Angst: denn sie ist greifbare Gegenwart.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Thomas Gull und Roger Nickl sind Redaktoren UZH Magazin.<\/p>\n<p>\u00a9 Universit\u00e4t Z\u00fcrich 20.09.2018 Impressum Datenschutzerkl\u00e4rung &#8211; Erschienen 2. Juni 2018 &#8211; Mail an Autoren mit kritischen Kommentaren 19. Juni 2018.<\/p>\n<div id=\"paperkey_0\" class=\"papercite_entry\">[1]                   J. L. Tringo, &#8220;The hierarchy of preference toward disability groups,&#8221; <span style=\"font-style: italic\">The Journal of Special Education<\/span>, vol. 4, iss. 3, pp. 295-306, 1970. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_0\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_0_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@article{tringo1970hierarchy,\r\n  title={The hierarchy of preference toward disability groups},\r\n  author={Tringo, John L},\r\n  journal={The Journal of Special Education},\r\n  volume={4},\r\n  number={3},\r\n  pages={295--306},\r\n  year={1970},\r\n  publisher={SAGE Publications Sage CA: Los Angeles, CA}\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=swisswuff\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Tweet<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview aus dem UZH Magazin 2\/18: Geh\u00f6rt die Zukunft den Cyborgs und intelligenten Maschinen? Der Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn und der Ethiker Johann Roduit \u00fcber die Zukunft des Menschen und unserer Gesellschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5509,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[115,72,86,80,28,101,197],"tags":[],"class_list":["post-14042","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-academic-research-under-the-amputee-excuse-tae","category-language","category-attitude","category-book-and-article-reviews","category-disability-public","category-media-publishing-hyped-up-distortions","category-swiss-attempts-swiss-hype","wpcat-115-id","wpcat-72-id","wpcat-86-id","wpcat-80-id","wpcat-28-id","wpcat-101-id","wpcat-197-id"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-05-06 16:21:43","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14042","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14042"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14042\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14043,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14042\/revisions\/14043"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5509"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14042"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14042"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14042"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}