{"id":2152,"date":"2013-10-29T06:49:49","date_gmt":"2013-10-29T04:49:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152"},"modified":"2022-08-04T09:38:45","modified_gmt":"2022-08-04T07:38:45","slug":"bioethik-human-enhancement-und-behinderung-am-beispiel-unterarmamputation-rechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152","title":{"rendered":"Bioethik, Human Enhancement und Behinderung [am Beispiel Unterarmamputation rechts]"},"content":{"rendered":"<p>Die Bioethik, auch in der Schweiz, versucht sich seit geraumer Zeit damit, den Begriffsraum des Enhancement, der &#8220;verbesserten K\u00f6rper&#8221;, begrifflich zu besiedeln. Gleichzeitig sitzen namhafte Vertreter der Bioethik in verschiedenen Gremien ein, in denen Patienten-relevante Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden (Spit\u00e4ler, Krankenkassen, <a href=\"http:\/\/www.medical-board.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Swiss Medical Board<\/a>). Es wird also angestrebt, sich in der aktuellen Realit\u00e4t zu etablieren.<\/p>\n<p>Dabei war es Bioethikern grunds\u00e4tzlich bislang v\u00f6llig \u00a0egal, was mit den K\u00f6rpern von Behinderten passiert und gemacht wird &#8211; schlicht allein auch deswegen, weil das Terrain von aussen gesehen ja wohl fast v\u00f6llig unwegsam sein muss und sich dem Zeitgeist jedenfalls nicht von selbst erschliesst. Vielmehr k\u00fcmmerte man sich in der Bioethik erstmal um Rechte und Pflichten von Patienten und \u00c4rzten allgemein, um Rechte und Pflichten von Forschern und ihren Test-Subjekten, woraus man klinisch-medizinische und forschungsbezogene Richtlinien ableiten wollte; dabei ergaben sich Fragen vor allem bei der Frage nach einer m\u00f6glichst fairen Zuteilung knapper Behandlungsm\u00f6glichkeiten, oder etwa bei der Frage nach dem Umgang mit Retortenbabies. Bislang unbeleuchtet durch Bioethiker blieb sicher auch die Frage danach, was die Voraussetzungen sind, dass ein Armamputierter einem gewagten Forschungsprojekt zu dieser Behinderung \u00fcberhaupt (aus freien St\u00fccken) einwilligen kann, und inwieweit diese Einwilligung nicht freiwillig sein kann, sondern unter Druck geschieht. Dabei ist es besonders interessant, dass die Bioethik sich in alltagsrelevanten Abw\u00e4gungen wie Armprothesen gegen\u00fcber chirurgischen Massnahmen zur Erreichung minimaler Greiffunktion sehr klar ge\u00e4ussert hat, w\u00e4hrend die nach meiner Ansicht bedeutend heiklere Frage nach dem Druck von aussen &#8211; gerade angesichts aktueller Entwicklungen &#8211; komplett unbeachtet bleibt.<\/p>\n<p>Um die K\u00f6rper sichtbar behinderter Leute k\u00fcmmerten sich Bioethiker von ihrer begrifflichen Definition her weniger [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_0\">1<\/a>]. Soviel ist bestens bekannt. Bioethik wurde\u00a0ja eben auch grunds\u00e4tzlich vor allem f\u00fcr die wirklich wichtigen Fragen &#8211; also zur Eind\u00e4mmung der Medizinkosten bei Fragen zu Hirntod,\u00a0 Organspenden oder\u00a0 ungeborenen Kindern &#8211; auf den Plan gerufen. Dass sie sich jetzt j\u00e4h echten und schwierigen, handfesten (!) und mit konkreten Erwartungen besetzten Behindertenthemen ausgesetzt sehen, denen aus ihrer Sache heraus Edelkeit, Ruhm, \u00fcberhaupt philosophische Eigenschaften abgehen, hat seit l\u00e4ngerem die Bioethiker wohl fast so stark entsetzt wie Interessensvertreter von Behinderten [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_1\">2<\/a>]. Wer aber hier beginnt, im Garten der Bioethik Behindertenthemen mit umzugraben, wird versehentlich den einen oder anderen Rohrbruch verantworten, denn zum verantwortungsvollen und vor allem sinnvollen und auch fuer Behinderte akzeptable Vorgehensweisen fehlen Wissen, Interesse, Erfahrungen und somit leider auch Respekt.<\/p>\n<p>Denn bei allem Respekt vor dem Fach der Bioethik und deren effektiv tief greifenden, schwierigen Fragen, etwa um Geburten und Sterben &#8211; kein Mensch verfasst ethisch-moralische Traktate etwa zur Frage des Ersatzes defekter Auspuffe an Autos. Und hier geht es um ein hartes, alltaegliches Auspuffthema, in das die Bioethiker nun eben hammerhart hineinlaufen, wenn sie nicht aufpassen. Bioethiker sind dabei auch ausserordentlich kalt und r\u00fccksichtlos, wenn es darum geht, die Dinge zusammenzuschreiben, dass es ihnen passt, wohl schaffen es Autoren oder Herausgeber auch nicht, die n\u00f6tige Kritik gegen\u00fcber den eigenen Texten aufzubringen; so schreibt etwa Frau Dr. <a href=\"http:\/\/www.imew.de\/de\/ueber-uns\/mitarbeiterinnen\/dr-katrin-grueber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Katrin Gr\u00fcber<\/a>, Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.imew.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IEMW (Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft in Berlin)<\/a> [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_2\">3<\/a>] &#8220;Der Sprinter Oscar Pistorius k\u00e4mpft seit Jahren darum, bei den regul\u00e4ren Olympischen Spielen mitlaufen zu k\u00f6nnen. Immer wieder fanden gerichtliche Auseinandersetzungen dar\u00fcber statt, ob ihn die C-legs (C-Legs: mikroprozessorgesteuerte Beinprothesen der Firma Otto Bock, die nicht nur mechanisch das fehlende Bein ersetzen, sondern bei denen die Bewegung angepasst wird), die er tr\u00e4gt, zu einem unerlaubten Wettbewerbsvorteil im Sinne von Doping verhelfen.&#8221; Dies ist in mehrerer Hinsicht selbstverst\u00e4ndlich v\u00f6llig falsch, und die Implikationen davon sind relativ wichtig. 1) Pistorius rennt mit Ossurprothesen, niemals mit Otto Bock; 2) Die Dinger sind Carbonfedern, sie leisten eine passive Federleistung, sie enthalten keine Elektronik, keine Kabel und keine Mikropozessoren, denn wer weit schnell rennt will auch wenig Gewicht rumschleppen; 3) Mikroprozessoren sind stromgetrieben; C-Legs ben\u00f6tigen Strom und erbringen im Sinne von Regelkreisen Steuerleistungen; das ist bei Oscar Pistorius&#8217; Blades nicht so; 4) C-Legs sind mikroprozessorgesteuerte prothetische Kniegelenke f\u00fcr Above Knee Amputations, aber Pistorius hat seine eigenen Kniegelenke, er ist ein Below The Knee amputee, so dass Pistorius gar kein C-Leg verwenden kann, da es sich dabei um Kniegelenke (nicht um Beine, wie das Suffix &#8220;leg&#8221; suggeriert) handelt. Weder die Behinderung von Pistorius noch die Prothesen sind in irgendeiner Weise ad\u00e4quat beschrieben. Es fehlt offenbar umfassend am Sachverstand. Man darf hier kritisch sein. Auch ist Katrin Gr\u00fcber offenbar nicht zu einem kritischen Kommentar bereit\u00a0 <span id='easy-footnote-1-2152' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152#easy-footnote-bottom-1-2152' title='E.Mail Antwort auf meine diesbez\u00fcgliche Anfrage am 12. Nov. 2012: &amp;#8220;Sehr geehrter Herr Schweitzer, vielen \u00a0Dank f\u00fcr Ihre ausf\u00fchrliche Kritik. Ich werde antworten, es dauert aber noch ein wenig. Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen, Katrin Gr\u00fcber&amp;#8221;; auf meine Anfrage etwa 10 Jahre sp\u00e4ter, ob sie nun vielleicht Stellung nehmen wolle, &amp;#8220;Sehr geehrter Herr Schweitzer, es tut mir leid, dass ich Ihre Anfrage bisher nicht beantwortet habe. Das wird sich leider auch nicht \u00e4ndern (&amp;#8230;) Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen Katrin Gr\u00fcber '><sup>1<\/sup><\/a><\/span>. Offenbar sind ihr die Behinderten \/ Amputierten doch nicht wirklich so wichtig.<\/p>\n<p>Neuerdings geht es bei der Frage um &#8220;Human Enhancement&#8221; innerhalb der <a href=\"http:\/\/www.medical-board.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bioethik und medizinischen Sachethik <\/a>namentlich darum, dass <a href=\"http:\/\/www.medical-board.ch\/index.php?id=818\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Empfehlungen f\u00fcr Krankenkassen abgegeben werden sollen<\/a> [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_3\">4<\/a>][<a href=\"http:\/\/www.samw.ch\/de\/Ethik\/Human-Enhancement.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>], die in der Schweiz nun generell und pauschal dahin zielen, dass &#8220;Verbesserungsmassnahmen&#8221; an &#8220;grunds\u00e4tzlich gesunden K\u00f6rpern&#8221; definitionsgem\u00e4ss &#8220;keine medizinische Therapie&#8221; darstellen und damit nicht kassenpflichtig sind.<\/p>\n<p>Es geht in diesen Texten um die Partikularinteressen einzelner Versicherer: wie machen wir den Beitragszahlern weis, dass sie aufgrund \u00fcberragender Risikodeckung sch\u00f6ne Beitragssummen zahlen, um gleichzeitig m\u00f6glichst wenig davon auszuzahlen? Wer das nicht erkennt, versteht das Wesen von Versicherungen nicht. Welche Begriffe &#8211; etwa &#8220;Human enhancement&#8221; &#8211; k\u00f6nnen widerspruchsarm \u00fcber m\u00f6glichst viele Lebenssituationen derart \u00fcbergest\u00fclpt werden, dass daraus f\u00fcr die Versicherung ein finanzieller Vorteil erw\u00e4chst?<\/p>\n<p>Auch scheint ein Problem das Wort &#8220;Verbesserung&#8221; zu sein. Eine &#8220;Verbesserung&#8221; ist nach dem allgemeinen Verst\u00e4ndnis am gesunden K\u00f6rper unn\u00f6tig sind. Diese Bezeichnung l\u00e4sst ausser acht, dass ich einen &#8220;behinderten&#8221; gesunden K\u00f6rper habe, und, dass dieser nicht &#8220;verbessert&#8221; w\u00fcrde, von &#8220;gut&#8221; bleiben wir weit weg. Er wird vielmehr etwas &#8220;weniger schlecht&#8221; gemacht, wobei der effektive Nutzen gesellschaftlich und individuell klar vorhanden ist. Damit kommt die Empfehlung der SAMW diesbez\u00fcglich verpeilt, schlecht ausgerichtet, daher.<\/p>\n<p>Das \u00fcbergeordnete Sozialversicherungsgesetz, sowie jegliche Betroffenenoptik (also etwa die Sichtweise Behinderter), bleiben bei diesem Gesch\u00e4ftsmodell logischerweise beiseite &#8211; klar, da einzelne Versicherungen ein Ziel haben, das nicht durchwegs den Interessen der Versicherten oder Gesetzgeber oder auch dem Interesse anderer Versicherungen entsprechen muss. Dies ja offenbar in einem derart hohen Ausmass, dass Verwaltungsgerichtsverfahren zur Kl\u00e4rung von Einsprachen Versicherter gegen Entscheidungen von Versicherungen in der Schweiz gratis sind. Missbrauch ist also offenbar aus Staatssicht zu erwarten. Nur, dass wir hier von einer fairen Verhandlung sehr weit weg sind. Ganz zwangsl\u00e4ufig werden daher Sichtweisen und L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge resultieren, die nicht unbedingt konform mit dem Sozialversicherungsgesetz sind, die vor allem viel Geld kosten k\u00f6nnen, und potentiell die Betroffenen dennoch benachteiligen.<\/p>\n<p>Praktisch und tats\u00e4chlich ist das auch so, und da bin ich von so einer Art Sichtweise unmittelbar betroffen.<\/p>\n<p>Dies ist aber auch wieder theoretisch interessant, da durch die weder demokratische noch fachlich abgestuetzte Macht, die der Bioethik hier bei der Definition zur Grundlage weitreichender Entscheidungen gegeben oder zugeschrieben wird, ein wiederum messbarer Schaden entsteht bzw. perpetuiert wird, der auf keinerlei vorgesehene Weise mehr behoben werden kann. Auch nicht auf der Ebene des Verst\u00e4ndnisses. Der Schaden ist unter anderem finanziell, und er ist ganz erheblich.<\/p>\n<p>Das unmittelbare Ergebnis des Einflusses der Bioethik auf unser Gesundheitswesen ist aber zun\u00e4chst, dass insbesondere operative (oder medizinische) Verfahren, die dem &#8220;Human Enhancement&#8221; zugerechnet werden, nicht von Sozialversicherungen bezahlt werden sollen. Gleichzeitig wird empfohlen, Human Enhancement &#8211; zu dem ebenfalls passive \/ kosmetische Armprothesen zu rechnen w\u00e4ren &#8211; auszusetzen.<\/p>\n<p><!--TOC--><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_83 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-grey ez-toc-container-direction\">\n<div class=\"ez-toc-title-container\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Table of Contents<\/p>\n<span class=\"ez-toc-title-toggle\"><a href=\"#\" class=\"ez-toc-pull-right ez-toc-btn ez-toc-btn-xs ez-toc-btn-default ez-toc-toggle\" aria-label=\"Toggle Table of Content\"><span class=\"ez-toc-js-icon-con\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/span><\/a><\/span><\/div>\n<nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-1'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Fragestellung_%E2%80%93_der_verbesserte_Korper\" >Fragestellung &#8211; der verbesserte K\u00f6rper<\/a><ul class='ez-toc-list-level-2' ><li class='ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Fallbeispiel_Krukenberg-Operation_zur_Erlangung_einer_Greiffunktion_am_Armstumpf_%E2%80%93_Antrag_an_IV_und_Helsana\" >Fallbeispiel: Krukenberg-Operation zur Erlangung einer Greiffunktion am Armstumpf &#8211; Antrag an IV und Helsana<\/a><ul class='ez-toc-list-level-3' ><li class='ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Ethische_Erwagungen_%E2%80%93_Gesellschaft\" >Ethische Erw\u00e4gungen &#8211; Gesellschaft<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Entscheid_von_Helsana_und_IV\" >Entscheid von Helsana und IV<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-5\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Direkte_Konsequenz_des_ablehnenden_Entscheids\" >Direkte Konsequenz des ablehnenden Entscheids<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-3'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-6\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Im_Licht_der_SAMW-Grundlage\" >Im Licht der SAMW-Grundlage<\/a><\/li><\/ul><\/li><\/ul><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-1'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-7\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Wege_aus_dem_Schlamassel_hin_zu_einem_eigentlichen_Verstandnis_von_Funktion\" >Wege aus dem Schlamassel: hin zu einem eigentlichen Verst\u00e4ndnis von Funktion<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-1'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-8\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Wege_aus_dem_Schlamassel_hin_zu_einem_Verstandnis_von_Vollstandigkeit_und_Aussehen\" >Wege aus dem Schlamassel: hin zu einem Verst\u00e4ndnis von Vollst\u00e4ndigkeit und Aussehen<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-1'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-9\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Losungsvorschlage\" >L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge<\/a><ul class='ez-toc-list-level-2' ><li class='ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-10\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Vorschlag_Abgrenzung_von_Attempted_Reconstruction_gegenuber_Human_Enhancement\" >Vorschlag: Abgrenzung von Attempted Reconstruction gegen\u00fcber Human Enhancement<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-11\" href=\"https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2152\/#Vorschlag_Regress_und_Verantwortlichkeit\" >Vorschlag: Regress und Verantwortlichkeit<\/a><\/li><\/ul><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n<h1><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fragestellung_%E2%80%93_der_verbesserte_Korper\"><\/span>Fragestellung &#8211; der verbesserte K\u00f6rper<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h1>\n<p>In der SAMW-Grundlage &#8220;Human Enhancement&#8221; [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_3\">4<\/a>][<a href=\"http:\/\/www.samw.ch\/de\/Ethik\/Human-Enhancement.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>] wird der Begriff des &#8220;Human Enhancement&#8221; definiert als:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>\u00abMedizinische oder biotechnologische Interventionen, deren Zielsetzung nicht<\/em><br \/>\n<em>prim\u00e4r therapeutischer oder pr\u00e4ventiver Art ist und die darauf abzielen, Men-<\/em><br \/>\n<em>schen in ihren F\u00e4higkeiten oder in ihrer Gestalt in einer Weise zu ver\u00e4ndern,\u00addie<\/em><br \/>\n<em>in den jeweiligen sozio-kulturellen Kontexten als Verbesserung wahrgenommen<\/em><br \/>\n<em>wird.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Denn bei bestehenden Behinderungen wie bei der Armamputation werden sich gravierende Funktionsprobleme ja nicht von selbst aufl\u00f6sen. Dies wird oft erhofft, ist aber de facto nicht so.<\/p>\n<p>Da dennoch die Gesellschaft wie auch die Betroffenen an der v\u00f6lligen Ausgrenzung Amputierter derzeit kein allzu grosses Interesse haben, werden Kompromissl\u00f6sungen gesucht, um Personen mit Gliedmassenverlust &#8220;einzugliedern&#8221;. Damit dies aber nicht allzuviel kosten muss, gibt es die Sozialversicherungsgesetze, welche gesetzlich kosteng\u00fcnstige, wirksame und effiziente Behandlungsverfahren vorschreiben.<\/p>\n<p>Ohne die M\u00f6glichkeit medizinischer \/ operativer Verfahren werden bei Armamputation teure und weniger funktionelle Varianten &#8211; wie Armprothesen &#8211; n\u00f6tig, die dann nat\u00fcrlich nicht den Stellenwert einer operativen oder medizinischen Therapie haben, und die deswegen von den &#8220;Human Enhancement&#8221;-Bewertungen gl\u00fccklicherweise bislang verschont worden sind &#8211; vermutlich, da diese geschichtlich gesehen die K\u00f6rper von Behinderten bisher gar nicht auf dem Plan hatten. Was aber als Definition &#8220;human enhancement&#8221; auf Papier edel daherzukommen scheint, kann im Behindertenalltag ein Alptraum sein. Denn hier helfen operative oder medizinische Masssnahmen sehr billig und sehr elegant, bestehende gravierende Funktionsprobleme zu mindern .<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Problematik gibt es in der Schweiz ausser der \u00fcblichen Skandalpresse &#8211; (stellen Sie sich vor, der Blick schriebe &#8220;Sozialversicherungsgesetz mit den F\u00fcssen getreten: die IV-Sachbearbeiter verschleudern Millionen f\u00fcr untaugliche Prothesen, weil sie sich von Bioethikern einreden lassen, dass massiv kosteng\u00fcnstigere leistungsf\u00e4hige Behandlungsvarianten Unsinn seien&#8221;) &#8211; keine Instanz.<\/p>\n<p>Ohne vorgegebene Struktur ist aber ein Diskurs auf dem Weg zur konkreten Realit\u00e4t kaum demokratisch oder \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p>&#8220;Human Enhancement&#8221; sind nach g\u00e4ngiger Definition Behandlungen, Operationen, und medizinische Verbesserungsversuche an Menschen, die nicht krank sind.<\/p>\n<p>Ich bin mit Unterarmamputation rechts tats\u00e4chlich nicht krank. Ich habe zwar ein Handicap, aber krank bin ich weder nach g\u00e4ngigem Verst\u00e4ndnis eines Krankheitsbegriffs, noch aufgrund g\u00e4ngigem Verst\u00e4ndnis von Behinderung.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 60px;\"><em>Nevertheless, many people with altered body appearance and function are not suffering from any illness. It is part of the intention of this book to argue that the best approach to their difficulties is to examine responses to altered bodily appearance and function chiefly as issues or problems in their own right, rather than as add-ons to some disease process. Consider the burns survivor, the diabetic person, the person who has undergone amputation, the cancer patient no longer receiving treatment and \u2018in remission\u2019. For some purposes, it will certainly be relevant to consider them in the context of the event which gave rise to changes in their appearance. However, this book argues two things: first, that these individuals are not primarily (or even actually) patients \u2013 they are simply people who have a potential for difficulties related to body image; second, that an approach which examines the life problems of people experiencing a challenge to body image outside of the context of disease or illness is a useful way of addressing such difficulties. Appeals to disease and illness are not required except where these have a clear contribution to make to our understanding of these difficulties [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_4\">5<\/a>].<\/em><\/p>\n<p>Somit stellen &#8220;Verbesserungsversuche&#8221; meiner Funktionsprobleme keine Behandlung einer Krankheit nach obengenannter Definition im engeren Sinne eines Krankheitsbegriffs dar. Auch wenn das Tragen einer &#8220;bionischen&#8221; (myoelektrischen) Prothese Folgen haben kann, die wohl jede derartige Bioethik-Vermutung zur Selbstgefaelligkeit degradieren koennte [<a href=\"http:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2979\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">link<\/a>].<\/p>\n<p>Es handelt sich sowohl bei operativen Eingriffen zur Erlangung wenigstens minimaler Greiffunktion am Stumpf sowie bei Prothesen um Verbesserungsversuche, die derzeit unter den aktuell definierten Begriff des &#8220;Human Enhancements&#8221; fallen. Und laut SAMW sollen diese in der Schweiz insgesamt gar nicht von den Sozialversicherungen gedeckt werden.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re aus meiner Sicht eigentliches &#8220;Human Enhancement&#8221; &#8211; also der Ausbau v\u00f6llig leistungsf\u00e4higer, nicht beeintr\u00e4chtigter Menschen &#8211; von Versuchen der Funktionsverbesserung bei Gebrechlichkeit, chronischer Krankheit und Behinderung klar und entschieden abzugrenzen.<\/p>\n<p>Es stellen sich vier Fragen, die anhand meines \u00e4usserst konkreten Beispiels beleuchtet werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Ist die durch das &#8220;Human Enhancement&#8221;-Papier definierte Zukunft eine Zukunft, die sich f\u00fcr Leute mit behinderten K\u00f6rpern und Bedarf an Minderung der M\u00e4ngel irgendwie gut anf\u00fchlt?<\/li>\n<li>Ist die dort vorgesehene Definition mitsamt der effektiv sich ergebenden Schadensweiterungen wenigstens gesetzeskonform?<\/li>\n<li>Was kostet es, diese Definition mitsamt Schadensweiterung anzuwenden?<\/li>\n<li>Wie w\u00e4re die Welt zu drehen, damit die Gesellschaft und ihre Bioethik-Bewerter das korrekte Vokabular erhalten, um sinnvoll argumentieren zu k\u00f6nnen?<\/li>\n<\/ul>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Fallbeispiel_Krukenberg-Operation_zur_Erlangung_einer_Greiffunktion_am_Armstumpf_%E2%80%93_Antrag_an_IV_und_Helsana\"><\/span>Fallbeispiel: Krukenberg-Operation zur Erlangung einer Greiffunktion am Armstumpf &#8211; Antrag an IV und Helsana<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Im Jahr 2011 stellten also mein Arzt und ich einen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Antrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antrag<\/a> bei der<a href=\"http:\/\/www.ahv-iv.info\/iv\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00a0IV<\/a>\u00a0(<a href=\"http:\/\/www.svazurich.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IV-Stelle Z\u00fcrich<\/a>)\u00a0und bei meiner <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krankenkasse\">Krankenkasse<\/a>, der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.helsana.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Helsana<\/a>.\u00a0Es ging um die Durchfuehrung einer\u00a0<a href=\"http:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=390\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Krukenbergoperation<\/a>. Dabei w\u00fcrde der Unterarmstumpf so aufgetrennt, dass zwischen\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Radius_(Anatomie)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Radius (Speiche)<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulna\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ulna (Elle)<\/a>\u00a0eine Greifzange entsteht.<\/p>\n<p>Der Eingriff war mitsamt Spitalbehandlung und An\u00e4sthesie als<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diagnosebezogene_Fallgruppen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Paketpreis mit 18&#8217;000 CHF<\/a> veranschlagt. Das ist, gemessen an Kosten f\u00fcr eine Prothesenversorgung \u00fcber Jahre, nicht sehr viel Geld.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist dies eine <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Plastische_Chirurgie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">plastisch-orthop\u00e4dische Operation<\/a>, die als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Operation_(Medizin)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Elektiv- bzw. Wahleingriff<\/a> bei bestehender Behinderung zu bezeichnen ist. Sie wird idealerweise fr\u00fchestens 1\/2 Jahr nach der Amputation durchgef\u00fchrt, da die Muskulatur des Stumpfs bereits etwas geschrumpft sein sollte (<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Atrophy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Muskeltrophie durch Nichtgebrauch, disuse atrophy<\/a>).<\/p>\n<p>Ein gutes Ergebnis nach dieser Operation gilt bez\u00fcglich einer dann &#8211; nach Abheilung &#8211; stets 24 Stunden verf\u00fcgbaren, dann v\u00f6llig kostenfreien, anatomischen und sensiblen <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Grip\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Greiffunktion<\/a> anstelle des greifunf\u00e4higen <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Amputation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stumpfs<\/a> auf gesamter Breite der wissenschaftlichen Literatur als jeder Armprothese in funktioneller Hinsicht weit \u00fcberlegen. Dieses positive Ergebnis ist eindeutig, unumstritten und \u00fcber viele Jahrzehnte dokumentiert. Ich habe ausserdem pers\u00f6nlichen Kontakt mit Krukenbergarmpatienten und weiteren Fachleuten, es gibt nichts zu argumentieren.<\/p>\n<p>Es erfreut sich, so es denn angeboten und ausgef\u00fchrt wird, auch recht grosser Beliebtheit: die meisten Doppelamputierten, die auf einer Seite einen Krukenbergarm haben, ersuchen nach Krukenbergoperation offenbar auch auf der anderen Seite.\u00a0Das Aussehen auf (unbewegten) Fotos wird zwar als abstossend oder gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig bezeichnet, das Erleben im Alltag auch durch von Fotos initial abgestossenen Nichtbehinderten aber als dennoch ausserordentlich positiv.<\/p>\n<p>Komplikationen des Eingriffs sind neben den \u00fcblichen Risiken einer chirurgischen Operation (An\u00e4sthesie, Blutung, Infekt, Nervenverletzung) einerseits eine <a href=\"http:\/\/www.beobachter.ch\/gesundheit\/symptom\/krankheit\/frieren-kaelteempfindlichkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">K\u00e4lteempfindlichkeit<\/a> am Stumpf, zweitens kommt es langfristig bei einzelnen Betroffenen zu Ellbogen- bzw. Radioulnargelenks-<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arthrose\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Arthrosen<\/a>.<\/p>\n<p>Allerdings ist dem anzuf\u00fcgen, dass man mit Unterarmamputation (und ohne Krukenbergstumpf) ohnehin k\u00e4lteempfindlich ist, und, dass auch ohne Krukenbergeingriff bei Unterarmamputation Gelenksprobleme im Sinne von Arthrosen im Ellbogenbereich drohen &#8211; in anderen Worten sind die nach Krukenbergoperation beobachteten negativen Langzeitfolgen auch ohne diesen Eingriff zu beobachten und somit nicht zwingend auf diesen direkt zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Der objektive Nutzen des Krukenbergarms liegt darin, dass die technisch gesehen grobe aber relativ kr\u00e4ftige und sensible Greiffunktion vor allem diejenigen Aktivit\u00e4ten unterst\u00fctzt, die bei einh\u00e4ndiger Ausf\u00fchrung in ganz besonderem Mass zu \u00dcberlastung und \u00fcberlastender Besch\u00e4digung besonders auch bei einseitiger Belastung des anderen Arms f\u00fchren k\u00f6nnen &#8211; also, staubsaugen, schrubben, schwere Ger\u00e4te halten, W\u00e4sche aufh\u00e4ngen, b\u00fcgeln,Taschen tragen, schwere Gegenst\u00e4nde hochstossen, und so weiter.<\/p>\n<p>Derzeit leide ich an einem verstauchten und seither instabilen (ansonsten praktisch nicht behinderten) linken Arm und Hand. So stark, dass es Probleme im Alltag macht. Ich bin dann besonders auf den rechten Arm angewiesen, einerseits um links zu entlasten und rascher zu heilen, andererseits, um Dinge zu tun, die sonst weh tun und nicht oder schlecht gehen. In so einer Situation ist man auf eine funktierende Greiffunktion &#8211; auch rudiment\u00e4r, wenn es eine Prothese oder ein Krukenbergarm ist &#8211; angewiesen. Dabei ist die eine Variante teuer und anf\u00e4llig, wacklig und spr\u00f6de, kurzfristig und zeitaufwendig (Prothese) &#8211; die andere sehr billig und langfristig sinnvoll (Krukenberg).<\/p>\n<p>Weder besteht bei einseitiger Amputation an einem Arm die klare Folge einer \u00dcberlastung der verbleibenden anderen vollst\u00e4ndigeren Extremit\u00e4t, noch ist vorhersehbar die \u00dcberlastung der Gelenke an einem Krukenbergstumpf Folge des Eingriffs &#8211; obschon nat\u00fcrlich die dauernde Verf\u00fcgbarkeit von &#8220;Greifen&#8221; auch zum Brauchen einl\u00e4dt.<\/p>\n<p>Vielmehr sind \u00dcberlastungen stets aufs innigste mit dem Lebensstil der Betroffenen, mit anderen Voraussetzungen wie z.B. Ern\u00e4hrung, Gesundheitszustand und Bewegung verbunden. Bei mir ist von einem sehr aktiven Lebensstil auszugehen und somit eine gleichm\u00e4ssige Verteilung der Greifbelastungen auf beide Arme eine intelligente Idee, alles andere w\u00e4re gelogen.<\/p>\n<p>Unbesehen dessen habe ich vom Sport auch schon einmal Schleimbeutelentz\u00fcndungen bekommen &#8211; an beiden Schultern, nicht an einer oder der anderen mehr. Von der Arbeit hatte ich durch schweres Heben Probleme mit Sehnenans\u00e4tzen, oder Ellbogen\u00fcberlastungen. Die Prothetik hilft da, aber \u00fcber L\u00e4nge l\u00e4ppert sich der Aufwand, und es ist jedes Mal wieder erneut m\u00fchsam.<\/p>\n<p>Funktionell hat der Krukenbergarm dadurch viel zu bieten, als nat\u00fcrliche Erholungspausen, die bei einseitiger Belastung und \u00dcberlastung notwendig werden, vermindert oder ausgeglichen werden k\u00f6nnen. Man w\u00e4re einfach etwas weniger funktionell behindert unterwegs &#8211; was alle Leute, die aus &#8220;mehr&#8221; manueller Aktivit\u00e4t Geld, Erfolg, Umsatz, Lebensfreude, W\u00e4scheberge, Geschirrsp\u00fclerfolge usw. ableiten, freuen d\u00fcrfte. Damit ist auch gesagt, was diese Art Operation f\u00fcr Leute bedeuten muss, die sich derartigen Ansinnen blockierend in den Weg stellen &#8211; ihnen zu unterstellen, sie st\u00fcnden f\u00fcr den Lebensmut sogenannter Tr\u00fcber Tassen greift meiner Ansicht nach eher kurz; die tats\u00e4chliche Situation d\u00fcrfte noch viel weniger schmeichelhaft sein. In anderen Worten: hier wird jemand mit Handicap ausgebremst.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein Krukenbergarm nicht per se f\u00fcr extrem pr\u00e4zise Spitzgriffe geeignet. Man kann aber (wie jede andere Person auch) f\u00fcr kleine Sachen Zangen oder Pinzetten verwenden. Und \u00a0selbst wenn \u00fcber den Krukenbergarm (wie sonst \u00fcber den Stumpf) eine Prothese mit einem entsprechenden spitz greifenden Hook getragen werden kann, so wird im Alltag eine solche Prothese deutlich weniger (wenn \u00fcberhaupt) gebraucht, eingesetzt, also auch deutlich weniger (wenn \u00fcberhaupt) besch\u00e4digt und dadurch deutlich weniger oft (wenn \u00fcberhaupt) reparatur- oder ersatzpflichtig und ist somit \u00fcber Jahre und Jahrzehnte gerechnet sehr viel billiger (wenn sie \u00fcberhaupt noch n\u00f6tig ist).<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise aber entf\u00e4llt bei Krukenbergversorgung der Bedarf, Armprothesen zu tragen, fast v\u00f6llig.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber bestehen aber nat\u00fcrlich auch andere Varianten im Vorgehen.<\/p>\n<ul>\n<li>Nichttragen einer Armprothese &#8211; auch im Rahmen einer <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Non-Compliance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Non-Compliance<\/a> &#8211; ganz generell ist die kurzfristig billigste Variante. Sie f\u00fchrt wohl rascher zu \u00dcberlastungsproblemen des anderen Arms als alle anderen Optionen, sofern man sich nicht ganz zur\u00fccklehnt.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Prothese\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Armprothesen<\/a> selbst sind in der Schweiz die g\u00e4ngige Variante, mit Betroffenen dieser Behinderung in Richtung Integration zu arbeiten. Prothesen sind aber <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unzuverl%C3%A4ssigkeit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">sehr fehleranf\u00e4llig<\/a>, funktionell sehr eingeschr\u00e4nkt und sie sind sehr zeitaufwendig in Betrieb und Unterhalt, und sehr teuer. Die Kosten \u00fcber 20 Jahre d\u00fcrften zwischen 200&#8217;000 und 450&#8217;000 Franken &#8211; je nach Ausstattung &#8211; liegen. Alleine letztes Jahr kostete mein relativ billiger eher als Low-Tech zu bezeichnender Unterhalt etwa 25&#8217;000 Franken. Der Zeitbedarf, der f\u00fcr das Abwarten, Aussitzen, Reparierenlassen etc. draufgeht, ist zudem relativ hoch; man verbringt im Jahr durchaus 40-60 Stunden mit selbst durchgef\u00fchrtem oder abgewarteten Prothesenunterhalt, ohne dass dabei eben dann die Funktion so besonders gut w\u00e4re.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Eine Greiffunktion an beiden Armen f\u00fchrt an beiden Armen, also bei Nichtbehinderten, \u00fcber l\u00e4ngere Zeit gelegentlich zu \u00dcberlastungsproblemen wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carpaltunnelsyndrom\">Carpaltunnelsyndrom<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rotatorenmanschette\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rotatorenmanschettenruptur<\/a>. Steht nur ein Arm f\u00fcr allt\u00e4gliches Greifen zur Verf\u00fcgung, so sind \u00dcberlastungsprobleme dann rascher zu erwarten, wenn man sehr aktiv ist, und ihre Folgen &#8211; Ausfall der einzigen wirklich funktionellen Extremit\u00e4t &#8211; sind gravierender. Gleichwohl stellt das Fehlen einer Hand und eines Teils des Unterarms keinen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krankheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Krankheitszustand<\/a> dar. \u00dcberlastungen und Belastungen gehen fliessend ineinander \u00fcber, sind in erster Linie abh\u00e4ngig vom Lifestyle.<\/li>\n<li>W\u00e4hrenddem die IV bis zur Pensionierung (aber nur bis dann) alle &#8211; auch noch teurere &#8211; Prothesenkosten deckt (aber nur das), deckt die Helsana als Krankenkasse medizinische Massnahmen und Operationen, sofern sie sie f\u00fcr medizinisch indiziert h\u00e4lt (aber nur das). Wenn also die IV bis zur Pensionierung den Arbeitnehmern Prothesen zur besseren Arbeitsf\u00e4higkeit bezahlt, und im sp\u00e4teren Verlauf die Krankenkassen die medizinischen Behandlungen zur Folge von \u00dcberlastungen bezahlt, so entspricht das der aktuellen Absicht des Gesetzgebers.<\/li>\n<li>IV-Mitarbeiter haben mir mehrfach telefonisch versichert, dass alles, was sie einfach entscheiden k\u00f6nnen &#8211; also auch sehr teure <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Orthop%C3%A4dietechnik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Orthop\u00e4dietechnik<\/a>, die sich auf ihren Listen befindet &#8211; sie problemlos bewilligen k\u00f6nnen. Billigere bessere L\u00f6sungen, die sie hingegen nicht kennen, m\u00f6chten sie nicht pr\u00fcfen, da dies auf Ebene Sachbearbeiter f\u00fcr sie zu aufwendig sei. \u00a0So kann ich problemlos und aufwandfrei einen bestimmtem kosmetischen Prothesenhandschuh \u00fcber den Orthop\u00e4dietechniker bestellen; der deutlich g\u00fcnstigere Direktimport des bis auf die Produktenummer identischen Handschuhs aber wird von der IV nicht verg\u00fctet, das die IV-Sachbearbeiter zur Pr\u00fcfung des Antrags &#8220;nicht in der Lage&#8221; sind, bzw. den Aufwand nicht gerne haben.<\/li>\n<li>Helsana-Mitarbeiter haben mir versichert, dass auch bei ihnen Sachbearbeiter Dinge durchwinken, die unbeachtet der Richtigkeit solange unbeanstandet bleiben, solange sie keine Aufmerksamkeit erregen. Das ist nett, grossz\u00fcgig und fein &#8211; aber ist es sachdienlich? Wir sind beim Primat der Sachbearbeiterethik, welches problemlos in der Lage ist, anderweitige Vernunft, gesamtgesellschaftliche Kosten, und \u00dcberlastungsverl\u00e4ufe zu ignorieren und dadurch im Sinne von Kollateralschaden Leid und Kosten zu generieren. Billige Ablehnerei ist am Ende teurer als wir denken. Sehr viel teurer.<\/li>\n<li>Die Orthop\u00e4dietechnik hat es selbst schwer. Um zu \u00fcberleben, werden bis zu um die 30% aller verrechneten Teile und Komponenten auf den Verkaufspreis geschlagen, der den Versicherungen (oder Privatpersonen) gegen\u00fcber abgerechnet wird. Da kosteng\u00fcnstige aber dauerhafter haltbare Armprothesen zwar im Sinne des Kunden (aber nicht im Sinne der Orthop\u00e4dietechnik) sind, gilt das Anfertigen und Bauen kosteng\u00fcnstiger und dauerhaft haltbarer Armprothesen innerhalb der orthop\u00e4dietechnischen Branche eher als &#8220;Fehler&#8221;. Hingegen l\u00e4uft es dann aus Anbietersicht richtig, wenn der Kunde einen sehr teuren Prothesenarm tr\u00e4gt, der h\u00e4ufige Reparaturen und Teileersatz ben\u00f6tigt, da dann auch die Marge h\u00f6her ausf\u00e4llt.<\/li>\n<li>Als Kunde hingegen will ich brauchbare, wartungsfreie Funktion, die ich nicht babysitten muss.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Ethische_Erwagungen_%E2%80%93_Gesellschaft\"><\/span>Ethische Erw\u00e4gungen &#8211; Gesellschaft<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Dazuhin sind einige Erw\u00e4gungen anzuf\u00fcgen, die diese Diskusssion um die Frage, was nun bioethisch davon zu halten ist, dass ein Krukenbergarm zwar gut und billig ist, ihn aber sowohl IV wie Krankenkassen ablehnen, bereichern:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich bin aktuell gesund. Ich habe zwar eine Einschr\u00e4nkung, aber eine Krankheit besteht nicht. Nach beliebigen Scores, welche Behinderungen in allt\u00e4glichen T\u00e4tigkeiten bewerten und bemessen lassen, bin ich nicht einmal allzu stark behindert. In verhandelbarem Ausmass entstellt ja, aber praktisch gesehen, je nach Anforderung, erheblich bis nicht allzu behindert. Sicherlich ist eine Unterarmamputation eine Entstellung mit den entsprechend \u00fcblichen sozialen Folgen &#8211; es wird einem der Verstand abgesprochen, es wird einem nicht zugeh\u00f6rt, man wird aussen vor gelassen, und man kommt auch als ernstzunehmender Partner oder Kollege weniger in Betracht, Bioethiker reden einem \u00fcber den Kopf, etc. &#8211; aber daran \u00e4ndert auch das Tragen einer Prothese erfahrungsgem\u00e4ss gar nichts. Man wird trotzdem so behandelt.<\/li>\n<li>Die Gesellschaft bezeichnet mich also &#8211; genau wie ich mich &#8211; im Zusammenhang mit Fragen der Versicherungen, des Krankenversicherungsgesetzes KVG, als &#8220;gesund&#8221;.<\/li>\n<li>Dennoch aber bin ich aber im sozialen Umfeld, etwa bei Parties, im allt\u00e4glichen Umgang, unbenennbar anders als &#8220;gesund&#8221;, und man bezeichnet gegen\u00fcber mir abgegrenzt Nichtbehinderte (aber niemals mich) als &#8220;gesund&#8221;. Trotzdem bin ich aber &#8211; wie bereits erl\u00e4utert &#8211; entstellt und in Massen eingeschr\u00e4nkt, aber nicht krank.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Entscheid_von_Helsana_und_IV\"><\/span>Entscheid von Helsana und IV<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<ul>\n<li>Die IV lehnt den Eingriff ab, da sie &#8220;nicht f\u00fcr medizinische Massnahmen zust\u00e4ndig&#8221; sei. Die IV-Leitung sowohl im Kanton Z\u00fcrich, wie am Bundesamt f\u00fcr Sozialversicherungen in Bern, weist ebenfalls darauf hin, dass sie nach dem Gesetz auch dann keinen medizinischen Eingriff als orthop\u00e4dietechnische Verbesserung bezahlen, wenn sie selbst dadurch massive Summen eingespart w\u00fcrden. Zwei Ausnahmesachbearbeiter sind aufgrund meiner Erl\u00e4uterungen und unseres Gesuchs begeistert von der Variante der Krukenbergoperation. Aber sie versichern mir, dass auch die teuersten Prothesenvarianten abgedeckt seien, wenn sie ausreichend begr\u00fcndet sind. Daf\u00fcr sei immer Geld da. <em>Man teilt mir aber mit, dass f\u00fcr diesen Eingriff die Helsana zust\u00e4ndig sei.\n<p><\/em><\/li>\n<li>Auch die Helsana lehnt den Eingriff ab. Bei der Helsana wird nun festgestellt, dass ich &#8220;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesundheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gesund<\/a>&#8221; (und &#8220;nicht<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krankheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> krank<\/a>&#8220;) bin. Der Krukenbergeingriff sei somit einer orthop\u00e4dietechnischen L\u00f6sung wie einer Prothese gleichzusetzen, und somit wird er nicht bezahlt. Sie stellen die Krukenbergoperation als medizinische Massnahme am gesunden K\u00f6rper dar, was sie auch in meiner Wahrnehmung ist. Zudem ist zu sagen, dass das Eingehen eines Risikos f\u00fcr eine medizinische Operation schwerer wiegt, wenn man gesund ist, als wenn man krank ist. Bei der Helsana wird also argumentiert, dass dieser nicht eine Krankheit behandelnde Eingriff deswegen und aus diesem Grund nicht kassenpflichtig ist. <em>Vielmehr sei f\u00fcr diese Operation die IV zust\u00e4ndig.\n<p><\/em><\/li>\n<li>Ich teile telefonisch den Sachbearbeitern beider Kassen die jeweils anderen Ergebnisse mit, worauf man mir mitteilte, dass die Helsanasachbearbeiterin zwar bereits vorg\u00e4ngig mit dem Entscheid der IV in Kopie bedient worden war, diesen aber bei der Abfassung ihrer Ablehnung ignoriert, bzw. \u00fcbersehen, bzw. nicht ber\u00fccksichtigt hatte. Dies \u00e4ndere aber an der Begr\u00fcndung nichts.<\/li>\n<li>Sachlich steht im Raum, dass die IV die Krukenbergoperation als medizinische Massnahme betrachtet, mein Arzt (und ich) diese als jedenfalls indiziert betrachten (wie auch eine gewichtige Auswahl an Fachleuten aus dem Gebiet der Behandlung von Armamputationen), wogegen die Helsana dies nicht als medizinische Massnahme aber als einer Prothesenversorgung entsprechende Vorgehensweise ansieht, was auch der Bewertung durch aktuelle Meinungsf\u00fchrer auf dem Gebiet der Medizinethik entspricht. Interessanterweise hat diese Situation dies zur Folge:\n<ul>\n<li>Diese Ablehnung widerspricht einer \u00e4rztlichen Indikationstellung.<\/li>\n<li>Diese Ablehnung hat sozialversicherungstechnisch hohe Kostenfolge.<\/li>\n<li>Der Eingriff ist nicht auf einer KVG-Liste indiziert als &#8220;nicht leistungspflichtig&#8221;.<\/li>\n<li>Die Ablehnung ist f\u00fcr mich unpraktisch.<\/li>\n<li>Die Ablehnung ist also medizinisch fragw\u00fcrdig, ethisch fragw\u00fcrdig, finanziell schlecht in jedem \u00fcbergeordneten Sinn, und sie macht praktisch gesehen &#8211; auf der Ebene der Intuition und des gesunden Menschenverstandes &#8211; keinerlei Sinn.<\/li>\n<li>Die Ablehnung folgt aber neuesten medizinisch-ethischen Schriftst\u00fccken und Ansichten.<\/li>\n<li>Die Ablehnung ist f\u00fcr sich genommen und isoliert betrachtet auch gesetzes- und regelungskonform.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Direkte_Konsequenz_des_ablehnenden_Entscheids\"><\/span>Direkte Konsequenz des ablehnenden Entscheids<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<ul>\n<li>Die IV wird weiterhin Prothesenkosten decken, die \u00fcber die kommenden 20 Jahre bis 400&#8217;000 Franken kosten.<\/li>\n<li>Schlechte Greiffunktion rechts, Folgeprobleme und \u00fcberm\u00e4ssiger Zeitaufwand f\u00fcr mich.<\/li>\n<li>&#8220;Bionische&#8221; myoelektrische Prothese ist <a href=\"http:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/?p=2979\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">alles andere als angenehm<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<h3><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Im_Licht_der_SAMW-Grundlage\"><\/span>Im Licht der SAMW-Grundlage<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h3>\n<p>Der Begriff &#8220;Human Enhancement&#8221; wird offenbar so definiert:<\/p>\n<p><em>\u00abMedizinische oder biotechnologische Interventionen, deren Zielsetzung nicht\u00a0prim\u00e4r therapeutischer oder pr\u00e4ventiver Art ist und die darauf abzielen, Menschen\u00a0in ihren F\u00e4higkeiten oder in ihrer Gestalt in einer Weise zu ver\u00e4ndern,die\u00a0in den jeweiligen sozio-kulturellen Kontexten als Verbesserung wahrgenommen\u00a0wird.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Die von mir angestrebte Krukenbergoperation, bei mir also,&#8230;:<\/p>\n<ul>\n<li>1) &#8230;ist eine medizinische chirurgische Intervention,<\/li>\n<li>2) &#8230;bei mir als Menschen,<\/li>\n<li>3) &#8230;sie hat ein Ziel, und<\/li>\n<li>4) &#8230;das Ziel ist prim\u00e4r und unmittelbar, direkt und sofort die Verbesserung einer Greiffunktion, bei voller Gesundheit, aber bei bestehendem geringgradigen Handicap mit eher deutlicher Entstellung, wobei die Funktion (nicht aber die Entstellung) behandelt w\u00fcrde,<\/li>\n<li>5) &#8230;wobei eine gewisse (sehr geringe) Greiffunktion durch den Stumpf selbst (man kann Gegenst\u00e4nde gegen Fl\u00e4chen oder Widerlager dr\u00fccken und so &#8220;greifen&#8221;) und dann am Ellbogen (man kann dort Gegenst\u00e4nde halten oder einklemmen) besteht,<\/li>\n<li>6) &#8230;es werden optimalerweise allf\u00e4llige pr\u00e4ventive Folgen sp\u00e4terer Komplikationen in gewissem Umfang erwartet, sie sind aber nicht alleine leitender Gedanke, denn dieser Leitgedanke ist vielmehr\u00a0eine in deutlich verbesserter und vereinfachter Eingliederung in eine f\u00fcr zwei-h\u00e4ndige Menschen ausgelegten Umwelt, also eine Funktionsverbesserung,<\/li>\n<li>7) &#8230;und durch das Ausreizen von Enhancement der Greiffunktion resultiert eine massive Kostenersparnis f\u00fcr die Invalidenversicherung, und deutlich verbesserte Zeitgestaltung f\u00fcr mich (weniger Aufenthalt beim Orthop\u00e4dietechniker) und dadurch<\/li>\n<li>8) &#8230;eine soziokulturelle Verbesserung besteht funktionell und unbestreitbar; was das Aussehen angeht, beurteilt die \u00fcberwiegende Mehrheit sowohl meinen Armstumpf, wie jede Art der Prothese, in unterschiedlichem Mass als abstossend, gr\u00e4sslich und f\u00fcrchterlich. Ein neutraler Dialog dar\u00fcber, wie meine entstellende Behinderung soziokulturell zu verbessern sei, ist mangels tauglicher L\u00f6sungen unm\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n<h1><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Wege_aus_dem_Schlamassel_hin_zu_einem_eigentlichen_Verstandnis_von_Funktion\"><\/span>Wege aus dem Schlamassel: hin zu einem eigentlichen Verst\u00e4ndnis von <span style=\"color: #ff0000;\">Funktion<\/span><span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h1>\n<p>Wir nehmen einmal an, dass die Funktion eines K\u00f6rperteils oder eines Menschen, bezogen auf spezifische Messgr\u00f6ssen, feststellbar und benennbar ist. Wir nehmen weiter an, dass ein Verst\u00e4ndnis und eine Definition von Funktion und Funktionsf\u00e4higkeit wichtig w\u00e4re, um \u00fcberhaupt das Wort &#8220;Human Enhancement&#8221; in den Mund nehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei meiner Behinderung ist das Greifen mit der rechten Hand nicht m\u00f6glich. Denn es gibt gar keine rechte Hand, es gibt kein Handgelenk, und ein Teil vom Arm ist auch weg. Das Festhalten ist am rechten Arm schwierig bis unm\u00f6glich. Manipulationen sind ganz ausgeschlossen. Soviel ist objektiv feststellbar. Die Situation gleicht (funktionell) erstmal eher einer W\u00fcste.<\/p>\n<p>Ab einem bestimmten Ausmass an Funktionsverlust kann man daher nicht guten Gewissens von Enhancement reden. Das Wort ist irgendwie situativ falsch, wenn nicht v\u00f6llig absurd. Sicherlich ist jede Verbesserung eine gute Sache. Doch ist es ein erheblicher Unterschied, ob eine Funktion so schlecht bzw. der Funktionsschaden und -ausfall derart umgreifend und total ist, dass unbesehen der Unf\u00e4higkeit anderer, dies als Problem anzuerkennen, die Behinderung f\u00fcr sich genommen mit einer erh\u00f6hten Suizidrate [<a class=\"papercite_bibcite\" href=\"#paperkey_5\">6<\/a>] korreliert. Dies darf nicht als Hinweis dahingehend falschverstanden werden, dass die Probleme alle mit geeigneter Prothetik weg gehen (daf\u00fcr ist Prothetik auch nicht wirklich gut genug), sondern das Ausmass des Problems wird dadurch veranschaulicht.<\/p>\n<p>&#8220;Enhancement&#8221; w\u00e4re in meiner Weltsicht die \u00fcber den Durchschnitt eines unbeeintr\u00e4chtigten Menschen hinausreichende Verbesserung der Greiffunktion.<\/p>\n<p>Der Durchschnitt, ja, das w\u00e4re etwas. Aber ich habe zur Zeit \u00fcberhaupt keine Greiffunktion am rechten Unterarm. Also, gar nichts ist da. Sie wird auch nie jemals so gut werden, dass man das Wort &#8220;gut&#8221; daf\u00fcr verwenden wird. Meine Greiffunktion fehlt derzeit ganz, und in einer verbesserten Welt ist sie bestenfalls nur schlecht.<\/p>\n<p>Man sollte also das Wort Wiederherstellungsversuch verwenden, oder Attempted Reconstruction. Meine Greiffunktion wird also nicht verbessert &#8211; ich habe gar keine! Sondern man versucht, sie weniger fehlend, weniger schlecht zu machen, wohl wissend, dass sie dann immer noch schlecht ist.<\/p>\n<p>Eine sehr schlechte Funktion ist besser als eine fehlende Funktion, aber w\u00fcrde man als Sozialversicherung einem Behinderten mit fehlender Greiffunktion das Erlangen\u00a0einer schlechten Greiffunktion ethisch vertretbar (weil es ja eine &#8220;Verbesserung&#8221;, ein &#8220;Enhancement&#8221; ist, und der Behinderte nicht krank ist) verweigern?<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Fehlende Funktion -&gt;<strong> Attempted Reconstruction<\/strong> -&gt; Schlechte Funktion -&gt; <strong>Attempted Reconstruction<\/strong> -&gt; Normale Funktion -&gt; <strong>Human Enhancement<\/strong> -&gt; Verbesserte Funktion<\/span><\/p>\n<p>Es gibt nun eben wie bereits erl\u00e4utert verschiedene Optionen, bei mir eine minimale Greiffunktion anzustreben.<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Variante ist die Prothetik. Vorteil ist die schmerzfreie Reparatur. Nachteil sind die enormen Kosten (\u00fcber 20 Jahre bis zu 1\/2 Million Franken) und die sehr schlechte Funktion. Die Rate, mit der Armamputierte Prothesen ablehnen, liegt bei 30-70%.<\/li>\n<li>Eine weitere Variante w\u00e4re eine Operation, bei der Elle und Speiche am Stumpf getrennt w\u00fcrden (Krukenberg-Operation). Vorteil ist die geradezu unglaubliche Kostenersparung (\u00fcber 20 Jahre etwa 3% der Kosten einer Prothesenversorgung, unter 20&#8217;000 Franken). Nachteil ist, dass die Sozialversicherungen und Bioethiker diese Eingriffe nicht ber\u00fccksichtigen, begreifen und verstehen, sie damit noch als Human Enhancement bezeichnen und deswegen ablehnen. Die Rate, mit der Armamputierte mit Krukenbergamputation diesen Eingriff (nachher) bereuen, bzw. ablehnen, bzw. diesen nicht weiterempfehlen w\u00fcrden, liegt bei 2-5%.<\/li>\n<\/ul>\n<h1><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Wege_aus_dem_Schlamassel_hin_zu_einem_Verstandnis_von_Vollstandigkeit_und_Aussehen\"><\/span>Wege aus dem Schlamassel: hin zu einem Verst\u00e4ndnis von Vollst\u00e4ndigkeit und <span style=\"color: #ff0000;\">Aussehen<\/span><span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h1>\n<p>Bei der Verbesserung des Aussehens an meinem Armstumpf ist es ein \u00fcbler Hohn, von &#8220;Human Enhancement&#8221; zu sprechen. Da ich aber nicht krank bin, falle ich unter die SAMW-Definition von &#8220;human enhancement&#8221;, wenn ich am Armstumpf eine &#8220;Verbesserung&#8221; m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich kaum durchdacht. Denn derzeit entspricht mein Armstumpf einer absoluten Defekt-Entstellung. Es hat da \u00fcberhaupt keine Hand mehr, und ein Teil des Arms fehlt. Da sind so viele Teile weg, dass es niemals, jemals, auch nur ein bisschen, mehr &#8220;normal&#8221; wird. Kein Pieps von Normalit\u00e4t da.<\/p>\n<p>Ein &#8220;Human Enhancement&#8221; k\u00f6nnte man begrifflich f\u00fcr Verbesserungsversuche verwenden, die sich auf einen K\u00f6rper beziehen, der in seinem Aussehen eine gewisse Vollst\u00e4ndigkeit und irgendwo eine vertretbare Normalit\u00e4t aufweist. Ich bin davon nicht nur weit weg, sondern derart vollumf\u00e4nglich woanders, dass sich fragt, ob es derselbe Begriffsraum ist.<\/p>\n<p>Somit verwenden wir auch hier &#8220;Attempted Reconstruction&#8221; oder &#8220;Wiederherstellungsversuch&#8221;, nicht &#8220;Reconstruction&#8221; oder &#8220;Wiederherstellung&#8221;, und schon gar nicht &#8220;Human Enhancement&#8221;.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Fehlendes Aussehen \/ fehlender K\u00f6rperteil -&gt;<strong>\u00a0Attempted Reconstruction<\/strong>\u00a0-&gt; Schlechtes Aussehen -&gt;\u00a0<strong>Attempted Reconstruction<\/strong>\u00a0-&gt; Normales Aussehen \u00a0-&gt;\u00a0<strong>Human Enhancement<\/strong>\u00a0-&gt; Verbessertes Aussehen<\/span><\/p>\n<p>Die IV bezahlt mir eine &#8220;kosmetische&#8221; Armprothese.<\/p>\n<p>Hier ist die IV weiter, als es die SAMW gerne h\u00e4tte: die IV anerkennt, dass bei mir Attempted Reconstruction ein Versuch ist, der f\u00fcr mich sehr wichtig ist, und dessen Ausbleiben f\u00fcr mich weitreichendere Folgen hat, als die SAMW bedenkt, denn auch wenn ich nicht krank bin, ist das Ausmass meiner Verst\u00fcmmelung so hoch, dass man mit oder ohne Armprothese angeglotzt wird &#8211; sogar von Leuten, die eigentlich dar\u00fcber stehen m\u00fcssten (hitting too close to home?).<\/p>\n<h1><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Losungsvorschlage\"><\/span>L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h1>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vorschlag_Abgrenzung_von_Attempted_Reconstruction_gegenuber_Human_Enhancement\"><\/span>Vorschlag: Abgrenzung von Attempted Reconstruction gegen\u00fcber Human Enhancement<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Das Sozialversicherungsgesetz schreibt vor, dass Behandlungen effektiv, kosteng\u00fcnstig und wirksam sein sollen.<\/p>\n<p>Konkret fordert das Sozialversicherungsgesetz:<\/p>\n<ul>\n<li>Wirtschaftlichkeit<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Effizienz<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Qualit\u00e4t<\/li>\n<\/ul>\n<p>In Aussehen und Funktion sehr eindeutig und klar benachteiligte, verst\u00fcmmelte, behinderte und anderweitig eingeschr\u00e4nkte B\u00fcrger sollten nach meiner Ansicht nach integriert und minimal funktionsf\u00e4hig sein, denn das n\u00fctzt ihnen genauso wie der Gesellschaft und Wirtschaft.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re zu argumentieren, dass bereits teilweise Arbeitsunf\u00e4higkeit (strikt nach Artikel 6 ATSG [<a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/20002163\/index.html\">link<\/a>]) auch die Unf\u00e4higkeit zu einzelnen Arbeitst\u00e4tigkeiten umfasst, wodurch strikt nach Artikel 3 ATSG der Krankheitsbegriff begr\u00fcndet ist, obschon keine akute oder chronische Krankheit im engeren Sinne besteht) begrifflich klar ist.<\/p>\n<p>Die Sozialversicherungen und ihre Berater haben hier nun eine Grenze zu ziehen, sei es bei einem j\u00e4hrlichen Kostendach, sei es bei der Spezifikation von Behinderungen oder Funktionseinschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Aber sich vor Kosten\u00fcbernahme ganz zu dr\u00fccken stellt eine Welt fehlender Solidarit\u00e4t her. In dieser Welt schulden mir die Gesellschaft und ihre Vertreter nichts, &#8211; <em>aber ich ihr bzw. ihnen dann auch nicht, was etwa gegenseitigen Respekt bez\u00fcglich des Handicapthemas angeht. Wenn das Gesetz des St\u00e4rkeren gelten soll &#8211; und es zeigen alle Vorzeichen in diese Richtung &#8211; dann wird der Wind eindeutig rauher.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<h2><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Vorschlag_Regress_und_Verantwortlichkeit\"><\/span>Vorschlag: Regress und Verantwortlichkeit<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n<p>Wer ohne Not und mutwillig gegen eine sozialversicherungsgesetzkonforme L\u00f6sung entscheidet und vorgeht, vor allem und ganz besonders dann, wenn arbeitst\u00e4tige Personen weiterhin im Arbeitsprozess bleiben sollten, wollten, k\u00f6nnten und m\u00fcssten, soll die Folgen unversicherbar selbst mitbezahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ohne Verbindlichkeit f\u00fcr die Folgen sollten weder SAMW noch Berater k\u00fcnftig entscheidungsstiftende Grundlagenpapiere generieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re das Prinzip des Regresses zu verwenden, um die Autorenschaften fr\u00fchzeitig an die Folgen zu erinnern, die ihre Regelwerke und Vorschl\u00e4ge denn auch haben werden.<\/p>\n<p>Aktuelle Situation (RR=Rejection Rate):<\/p>\n<table width=\"900\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Variante<\/td>\n<td>Begriffs-definition<\/td>\n<td>Kosten \u00fcber 20 Jahre<\/td>\n<td>wirtschaftlich*<\/td>\n<td>effizient*<\/td>\n<td>kosten-g\u00fcnstig*<\/td>\n<td>Sozialversicherungs-Gesetz<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Prothese<\/td>\n<td>SAMW, IV<\/td>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">250&#8217;000 bis 400&#8217;000 CHF<\/span><\/td>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">extrem wenig wirtschaftlich<\/span><\/td>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">technisch schlecht, Funktion und Haltbarkeit sehr schlecht, RR 30-70%<\/span><\/td>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">nein<\/span><\/td>\n<td><span style=\"color: #ff0000;\">??? (*)<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Krukenberg-Operation<\/td>\n<td>ich, hier<\/td>\n<td>bis etwa 25&#8217;000 CHF<\/td>\n<td>sehr wirtschaftlich<\/td>\n<td>sehr effizient, RR 2-3%<\/td>\n<td>sehr g\u00fcnstig<\/td>\n<td>sicher konform (*)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Prof. Nikola Biller-Andorno schl\u00e4gt in einem Referat (Titel des Referats &#8220;Goals, priorities, limits &#8211; what is appropriate care?&#8221;; &#8220;Less is more&#8221; 4th Symposium on Health Services Research, Bern \/ Schweiz, 9. November 2015) selbst vor, dass zur Beantwortung der Frage, was sinnvolle Behandlung denn nun sei (&#8220;what is appropriate care&#8221;) das dreigestaltige Ziel (&#8220;triple aim&#8221;) sei, Volksgesundheit (&#8220;population health&#8221;), Kosten pro Fall (&#8220;Per Capita Cost&#8221;) und Klinik-\/Anwendungserfahrung (&#8220;Experience of care&#8221;) ingesamt zu optimieren.<\/p>\n<p>Wie sich an diesem Beispiel hier zeigt, verpasst man auch unter diesen Aspekten gerade einmal jede einzelne Achse der &#8220;appropriate care&#8221;, und nicht etwa knapp, sonderen gerade einmal so umfassend wie es eben nur geht: gerade die Anwendungserfahrung deutet auf eine unverhandelbar \u00fcberragende und auch in der Literatur hinterlegte Akzeptanz und Funktion eines Krukenbergarms gegen\u00fcber der teuren Prothesenl\u00f6sung; die Kosten pro Fall sind f\u00fcr den Krukenbergarm aufs aller massivste billiger, so dass hier von Fehlverordnung gesprochen werden m\u00fcsste; Volksgesundheit insgesamt misst sich an der reinen Rehabilitation, Anzahl Arzt- und Orthop\u00e4dietechnikbesuche, und auch hierzu sind Studien recht klar.<\/p>\n<p>Wieso diese unsere Gesellschaft nicht nicht-rational, sondern rational-falsch entscheidet (und zwar durch alle Instanzen), ist hier die zugrundeliegende Frage.<\/p>\n<p>Offenbar werden weder Kosten (isoliert etwa f\u00fcr die Versicherung), <em>noch<\/em> Wirtschaftlichkeit insgesamt, <em>noch<\/em> Effizienz , <em>noch<\/em> Funktion ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Hier wird offenbar ausschliesslich aufgrund von Sachbearbeiterlogik und Kopfkino fern von Realit\u00e4ten &#8220;gearbeitet&#8221;.<\/p>\n<p>Und wenn die Grundlage nachweislich nicht ann\u00e4hernd intelligent sein kann, ist nach Ausschlussverfahren die effektive Erkl\u00e4rung sehr offensichtlich im Bereich der grossen Dummheit und umfassenden Fehlentscheidung zu suchen. Hier geschehen also Dinge &#8211; Entscheidungsgrundlagen werden falsch aufgezogen, Kosten werden generiert &#8211; die mit einer rationalen wirtschaftlichen Normalit\u00e4t gar nichts mehr zu tun haben.<\/p>\n<p>Dies haben weder (auch zwischenzeitlich) die Vertreter der IV, noch der Helsana, noch der Vertreter der Biomedizinischen Ethik lesbar, h\u00f6rbar oder sichtbar begriffen.<\/p>\n<p>Es ist somit an der Zeit, hier weitergehende Fragen zu stellen, um herauszufinden, was hier im Gange ist.<\/p>\n<p>Denn noch vor etwa 10-15 Jahren beknieten Versicherungsvertreter Armamputierte, sich doch die Krukenbergoperation gut zu \u00fcberlegen und diese in Betracht zu ziehen, da diese (immer noch &#8211; aber bereits damals schon) <em>massiv<\/em> billiger, <em>massiv<\/em> funktioneller, <em>massiv<\/em> effizienter, <em>massiv<\/em> zeitsparender und <em>massiv<\/em> wirtschaftlicher war \/ ist \/ sein wird. Es ist nicht nur die Richtung und Art des Denkfehlers, sondern insbesondere auch das besonders grosse Ausmass des Denkfehlers in jeder derzeit erkennbaren Dimension, der hier verst\u00f6rende Fragen \u00fcber den Geisteszustand der oben aufgef\u00fchrten Entscheidungstr\u00e4ger aufwirft. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass massiv geringere Aufwendungen sozialer Versicherungen auf jedem anderen Gebiet oder zu jedem anderen Thema zu grossen \u00f6ffentlichen Diskussionen f\u00fchren.<\/p>\n<div id=\"paperkey_0\" class=\"papercite_entry\">[1]                   W. T. Reich, &#8220;The word&#8221; Bioethics&#8221;: the struggle over its earliest meanings,&#8221; <span style=\"font-style: italic\">Kennedy Institute of Ethics Journal<\/span>, vol. 5, iss. 1, pp. 19-34, 1995. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_0\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_0_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@article{reich1995word,\r\n  title={{The word\" Bioethics\": the struggle over its earliest meanings}},\r\n  author={Reich, Warren Thomas},\r\n  journal={{Kennedy Institute of Ethics Journal}},\r\n  volume={5},\r\n  number={1},\r\n  pages={19--34},\r\n  year={1995},\r\n  publisher={The Johns Hopkins University Press}\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n<div id=\"paperkey_1\" class=\"papercite_entry\">[2]           <a href='http:\/\/dx.doi.org\/10.1023\/B:META.0000006925.05440.1a' class='papercite_doi' title='View document in publisher site'><img src='https:\/\/www.swisswuff.ch\/tech\/wp-content\/plugins\/papercite\/img\/external.png' width='10' height='10' alt='[doi]' \/><\/a>        M. Kuczewski and K. Kirschner, &#8220;Special issue: Bioethics &#038; disability,&#8221; <span style=\"font-style: italic\">Theoretical Medicine and Bioethics<\/span>, vol. 24, iss. 6, pp. 455-458, 2003. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_1\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_1_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@article{kuczewski2003,\r\nyear={2003},\r\nissn={1386-7415},\r\njournal={{Theoretical Medicine and Bioethics}},\r\nvolume={24},\r\nnumber={6},\r\ndoi={10.1023\/B:META.0000006925.05440.1a},\r\ntitle={{Special issue: Bioethics & disability}},\r\nurl={http:\/\/dx.doi.org\/10.1023\/B%3AMETA.0000006925.05440.1a},\r\npublisher={Kluwer Academic Publishers},\r\nauthor={Kuczewski, Mark and Kirschner, Kristi},\r\npages={455-458},\r\nlanguage={English}\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n<div id=\"paperkey_2\" class=\"papercite_entry\">[3]                   M. Eilers, K. Gr\u00fcber, and C. Rehmann-Sutter, <span style=\"font-style: italic\">Verbesserte K\u00f6rper &#8211; gutes Leben?: Bioethik, Enhancement und die Disability Studies<\/span>, Lang, 2012. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_2\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_2_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@book{miriam2012verbesserte,\r\n  title={Verbesserte K{\\\"o}rper - gutes Leben?: Bioethik, Enhancement und die Disability Studies},\r\n  author={Miriam Eilers and Gr{\\\"u}ber, K. and Rehmann-Sutter, C.},\r\n  isbn={9783631630655},\r\n  lccn={2013388648},\r\n  series={Praktische Philosophie kontrovers},\r\n  url={http:\/\/books.google.ch\/books?id=MOOwMQEACAAJ},\r\n  year={2012},\r\n  publisher={Lang}\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n<div id=\"paperkey_3\" class=\"papercite_entry\">[4]                   N. Biller-Andorno, <span style=\"font-style: italic\">Medizin f\u00fcr Gesunde? Analysen und Empfehlungen zum Umgang mit Human Enhancement Bericht der Arbeitsgruppe \u00abHuman Enhancement\u00bb im Auftrag der Akademien der Wissenschaften Schweiz<\/span> <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_3\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_3_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@book{samw2012humanenhancement,\r\n  title={{Medizin f\u00fcr Gesunde? Analysen und Empfehlungen zum Umgang mit Human Enhancement Bericht der Arbeitsgruppe \u00abHuman Enhancement\u00bb im Auftrag der Akademien der Wissenschaften Schweiz}},\r\n  author={Biller-Andorno, Nikola},\r\n  isbn={978-3-905870-29-9},\r\n  url=http:\/\/www.samw.ch\/de\/Ethik\/Human-Enhancement.html}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n<div id=\"paperkey_4\" class=\"papercite_entry\">[5]                   R. Newell, <span style=\"font-style: italic\">Body Image and Disfigurement Care<\/span>, Taylor &#038; Francis, 2013. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_4\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_4_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@book{newell2013body,\r\ntitle={{Body Image and Disfigurement Care}},\r\nauthor={Newell, R.},\r\nisbn={9781135126216},\r\nseries={Routledge Essentials for Nurses},\r\nurl={http:\/\/books.google.ch\/books?id=3TpjNGzvv1UC},\r\nyear={2013},\r\npublisher={Taylor \\& Francis}\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n<div id=\"paperkey_5\" class=\"papercite_entry\">[6]                   G. Bakalim, &#8220;Causes of death in a series of 4738 Finnish war amputees,&#8221; <span style=\"font-style: italic\">Artif Limbs<\/span>, vol. 13, iss. 1, pp. 27-36, 1969. <br \/>    <a href=\"javascript:void(0)\" id=\"papercite_5\" class=\"papercite_toggle\">[Bibtex]<\/a><\/div>\n<div class=\"papercite_bibtex\" id=\"papercite_5_block\">\n<pre><code class=\"tex bibtex\">@Article{bakalim1969,\r\n   Author=\"Bakalim, G. \",\r\n   Title=\"{{C}auses of death in a series of 4738 {F}innish war amputees}\",\r\n   Journal={{Artif Limbs}},\r\n   Year=\"1969\",\r\n   Volume=\"13\",\r\n   Number=\"1\",\r\n   Pages=\"27--36\"\r\n}<\/code><\/pre>\n<\/div>\n\n<div class=\"twitter-share\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/intent\/tweet?via=swisswuff\" class=\"twitter-share-button\" data-size=\"large\">Tweet<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bioethik, auch in der Schweiz, versucht sich seit geraumer Zeit damit, den Begriffsraum des Enhancement, der &#8220;verbesserten K\u00f6rper&#8221;, begrifflich zu besiedeln. Gleichzeitig sitzen namhafte Vertreter der Bioethik in verschiedenen Gremien ein, in denen Patienten-relevante Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden (Spit\u00e4ler, Krankenkassen, Swiss Medical Board). 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