Frage, die gestellt wurde, war: ist es ein religiöser moralischer Wert der reformierten Kirche, dass man nur dann etwas leistet, wenn die Sache keine Freude bereitet, denn wenn die Arbeit Spass macht, man sie gerne macht, sie daher im Sinne des Zeugnisses vor Gott nichts oder weniger wert ist?
Die Antwort: Ja, das steckt tatsächlich im Kern der reformierten Arbeitsethik – zumindest in ihrer historischen Ausprägung.
Im Kern der reformierten Arbeitsethik ist Arbeit im gottgefälligen Sinne nichts, das Spass oder Freude bereiten kann
Die reformierte (insbesondere calvinistische) Theologie hat Arbeit nie primär als „Freude“ gesehen, sondern als Berufung (vocatio).
Der Mensch soll in seiner Tätigkeit vor Gott Rechenschaft ablegen.
Max Weber („Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“) hat das scharf auf den Punkt gebracht: Der Wert der Arbeit liegt nicht in Lust oder Selbstverwirklichung, sondern darin, dass sie streng, nüchtern, diszipliniert und unablässig getan wird – als Zeichen der Gnade und Auserwählung.
Damit verbunden ist eine Haltung tiefen Misstrauens:
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Freude an der Arbeit gilt als Verdacht, dass man es zu leicht nimmt oder sich nicht ausreichend anstrengt, oder, das Gebiet falsch gewählt hat. Nur wer bei der Arbeit im Schweisse seines Angesichts leidet, ist kein Sünder.
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Strapaze, Mühe und Widerstand gelten als ein moralisches Echtheitszertifikat, dass man explizit nicht dem Vergnügen dient, sondern Gott. Man kann natürlich nicht gleichzeitig Gott dienen und sündigen, so dass alles, was Spass macht, schlecht ist, sein muss.
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Je „unlustiger“ und „ernsthafter“ die Arbeit, desto sicherer konnte man glauben, dass sie gottgefällig ist.
Das kippt in einen simpel dichotomen moralischen Sadismus (als Arbeitgeber) bzw. Masochismus (als Arbeitnehmer): Leiden adelt, Lust entwertet. In der Logik dieses Denkens ist Arbeit, die Vergnügen bereitet, verdächtig – sie ist Selbstsucht, Genuss, und letztlich klar Sünde.
Dieses alte Erbe steckt bis in die aktuelle Zeit selten offen, meist aber nur unterschwellig in den Werten der reformierten Schweiz: die Arbeit hat nur dann Wert, wenn sie Opfer kostet.
Natürlich: die reformierten Kirchen heute würden das so nicht mehr ganz so offen sagen. Da kommt es modernisiert daher, man spricht lieber von „Sinn“, „Verantwortung“ und „Dienst an der Gemeinschaft“.
Die Puritaner hatten damit eine strenge Auffassung: Arbeit galt ihnen als Pflicht und Zeichen göttlicher Erwählung, wobei wirtschaftlicher Erfolg oft als Indiz für Gottes Gnade gesehen wurde, jedoch durfte der daraus resultierende Wohlstand nicht genossen werden.
Puritanische Arbeitsethik
Bei den Puritanern stand Arbeit niemals im Dienst der Freude, sondern war Selbstzweck und Lebenszentrum (“Wir leben, um zu arbeiten”) und galt als moralisch geboten.
Freizeit, Genuss und Vergnügen wurden tendenziell misstrauisch betrachtet – Müßiggang war verpönt, strenge Disziplin und Fleiß galten als Tugenden.
Freude und Genuss als Problem
Anders als in der reformierten Tradition späterer Prägung betrachteten Puritaner den Genuss und die Freude, die aus der Arbeit selbst oder aus ihrem Resultat erwachsen, sehr skeptisch.
Wohlstand darf nicht demonstrativ gelebt oder als persönliches Vergnügen eingesetzt werden, sondern ist ein Zeichen göttlicher Vorsehung, das zu weiteren Pflichten verpflichtet.
Theologische Hintergründe
Das Gefühl der Erwähltheit wurde durch äußeren Erfolg zwar gestützt aber nicht garantiert; Unsicherheit über das eigene Seelenheil musste vielmehr durch anhaltende unermüdliche Arbeit und Berufserfolg aufgefangen werden. Damit wurde intensive, aber zwingend freudlose Arbeit zum indirekten Mittel der Selbstvergewisserung im Glauben.
Die Puritaner verbanden dadurch Arbeit mit Disziplin, Pflicht und Selbstkontrolle, während Freude und Genuss nachgeordnet oder sekundär wenn nicht verpönt waren.
Freude an der Arbeit als Widerspruch
Freude an der Arbeit war aus puritanischer Sicht ein Widerspruch und damit etwas Hochproblematisches:
Arbeit wurde als gottgegebene Pflicht und mühevolle Disziplin verstanden, Freude oder Genuss an der Arbeit standen im Verdacht, vom eigentlichen Zweck – der Verherrlichung Gottes durch Fleiß und Entsagung – abzulenken.
Arbeit als Mühe und Pflicht
Die puritanische Ethik lehrte, dass der Mensch „im Schweiße seines Angesichts“ arbeiten müsse und dass dies Teil der göttlichen Ordnung nach dem Sündenfall sei.
Selbst wohlverdienter Lohn oder Erfolg durfte nicht mit Genuss oder Sorglosigkeit verbunden werden, sondern galt als Verpflichtung zu noch größerer Arbeitsamkeit und Askese.
Freude = Verdächtiges Gefühl
Während z.B. Calvin die Freude an der Arbeit in Maßen noch zuließ, wurde im Puritanismus die Freude an weltlicher Aktivität, insbesondere Arbeit, eher als Versuchung betrachtet, welche das Augenmerk vom geistlichen Ziel ablenkt.
Eine „Lustfeindlichkeit“ und „humorfreie Strenge“ wurde kulturprägend mit dem Begriff Puritanismus verbunden.
Zusammengefasst
Für die Puritaner war der Gedanke, an Arbeit aktiv Freude zu finden, tatsächlich verdächtig – Disziplin, Ernst und das Bewusstsein der eigenen Pflichterfüllung standen im Zentrum.
TL;DR
Ja – es ist ein genuiner moralischer Wert in der reformierten Tradition, dass „wertvolle“ Arbeit keinen Spaß machen darf, weil Freude die Ernsthaftigkeit und den Opfercharakter verwässert.