Nachruf ETH: [link] In Memoriam: Gerhard Schweitzer
Die ETH Zürich nimmt Abschied von Prof. Dr. Gerhard Schweitzer. Er verstarb am 18. Juli 2026 im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat Brasilien. Gerhard Schweitzer war von 1978 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 Professor an der ETH Zürich und der erste Professor für Robotik der Hochschule. Mit seiner Forschung zu Magnetlagertechnologien, Mechatronik und Robotik begründete er ein Fachgebiet, in dem die ETH Zürich heute weltweit führend ist. Als Gründungsmitglied mehrerer Forschungsinitiativen sowie als Vorsteher des damaligen Departements Maschinenbau, Betrieb und Produktion (heute Maschinenbau und Verfahrenstechnik) prägte er die Entwicklung der ETH Zürich weit über sein eigenes Fachgebiet hinaus.
Gerhard Schweitzer studierte ab 1956 Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart und schloss als Dipl.-Ing. ab. Von 1961 bis 1964 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt. Von 1964 bis 1966 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut A für Mechanik der TH Stuttgart. Nach seiner Promotion im Jahr 1966 entwickelte er seine Karriere an der Technischen Universität München am Institut B für Mechanik. Bevor er sich 1974 ebenda für das Lehrgebiet der Mechanik habilitierte, verbrachte er einen Aufenthalt als Research Associate am George C. Marshall Space Flight Center der NASA in Huntsville. Ab 1974 war er akademischer Direktor am Lehrstuhl B für Mechanik der TU München und als Vertreter des Institutsleiters auch zuständig für die Leitung des Mechaniklabors sowie die Projektführung bei Forschungsarbeiten.
Mit Bundesratsbeschluss vom 24. Februar 1978 wurde Gerhard Schweitzer zum ausserordentlichen Professor für Mechanik an der ETH Zürich gewählt und mit Beschluss vom 6. Juni 1983 zum ordentlichen Professor für das gleiche Lehrgebiet befördert. 1989 erfolgte die Umbenennung seiner Professur in Robotik. Als Visiting Professor arbeitete er an der Stanford University, an den Universitäten Campinas und Florianópolis sowie am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Nach langer Karriere an der ETH Zürich und als prägende Figur seines Fachgebiets wurde Gerhard Schweitzer im April 2002 in den Ruhestand versetzt.
Gerhard Schweitzer war der erste Robotik-Professor an der ETH Zürich und hat mit der Magnetlagertechnologie und Robotik ein Gebiet aufgebaut, in welchem die ETH Zürich heute weltweit führend ist. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit lagen in der Mechatronik, speziell der interaktiven, mit dem Menschen kooperierenden Roboter sowie der berührungsfreien Magnetlager. An der ETH Zürich war er Gründungsmitglied der Mechatronik-Gruppe, der NeuroInformatik-Gruppe, der Nanorobotik und des International Center for Magnetic Bearings, dessen Leitung er innehatte. Von 1990 bis 1992 war er Vorsteher des damaligen Departements Maschinenbau, Betrieb und Produktion (heute Maschinenbau und Verfahrenstechnik) der ETH Zürich, leitete ab 1998 das Institut für Robotik und amtierte mehrere Jahre als Präsident der Dozentenkommission. Nach seiner Emeritierung stellte Gerhard Schweitzer sein Wissen der Fachwelt als Mechatronik-Berater zur Verfügung.
Die Angehörigen der ETH Zürich, seine Studierenden sowie seine Kolleginnen und Kollegen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Im Namen der ETH Zürich Joël Mesot, Präsident Günther Dissertori, Rektor.
Anmerkung: er hinterliess unter anderem den Wunsch, dieses Lied in seinem Andenken abzuspielen: CHIQUITITA, ABBA.
Nachtrag: indem es meines Vaters explizite Vorgabe war, nach seinem Tod keinesfalls deswegen nach Brasilien zu reisen, sah auch ich davon ab, dieses entgegen seiner stets diesbezüglich sehr klaren Vorgabe zu tun. Er selbst hat zeitlebens seine eigene Teilnahme an jeder anderen Beerdigung oder Trauerfeier vermieden, wie er nur konnte. Wer ihn wirklich kannte und respektierte, wusste das und berücksichtigte dies. Wer demenentgegen dennoch deswegen dann nach Brasilien flog, hatte demzufolge andere Motivationen als die, seine Haltungen und klaren Vorgaben zu berücksichtigen.
