Artikel "Forscher planen Wettkampf der technischen Hilfsmittel" der NZZ [Kommentar]

Dass der Cybathlon ein Vorhaben ist, das vor allem äusserst kritisch zu bewerten ist, liegt auf der Hand.

In der NZZ steht am 15. Februar 2016 (link):

(sda) Forscher der ETH kündigen den ersten «Cybathlon» an, bei dem sich Behinderte mit modernen Prothesen und Geräten messen werden. Der Wettstreit soll die Entwicklung alltagstauglicher Hilfsmittel fördern.

Teams aus Erfindern und Testpiloten

Im Rahmen der Jahreskonferenz der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Washington stellte Robert Riener von der ETH Zürich am Montag den «Cybathlon» vor. Dieser eintägige Wettkampf soll erstmals am 8. Oktober 2016 in Zürich stattfinden.

Zum internationalen Wettstreit werden Teams aus Erfindern und Testpiloten antreten: Menschen mit Behinderungen werden dabei neu entwickelte Technik wie Prothesen, Rollstühle und Exoskelette einsetzen, um verschiedene Geschicklichkeitsparcours zu bewältigen. Dabei steht Alltägliches im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Wäsche aufzuhängen oder eine Treppe zu erklimmen.

Wettrennen mit Gedankenkraft

Auch ein Velorennen soll stattfinden, bei dem Querschnittgelähmte durch künstliche Muskelstimulation in die Pedale treten. Ganz ohne Muskel-, dafür mit Gedankenkraft messen sich die Teilnehmenden eines virtuellen Rennens: Dabei registriert ein EEG-Gerät Hirnsignale, und ein Computer errechnet daraus die beabsichtigte Bewegung. Diese wird dann durch einen Avatar auf einer virtuellen Rennstrecke ausgeführt.

Die Idee hinter den insgesamt sechs von Riener und seinem Team erdachten Disziplinen ist, die Alltagstauglichkeit der Hilfsmittel zu testen und zu vergleichen. Der «Cybathlon» soll damit einen Anreiz für neue Entwicklungen schaffen, die den Alltag von Menschen mit einer Behinderung erleichtern. Nicht nur die Testpiloten der besten Geräte sollen ausgezeichnet werden, sondern auch ihre Erfinder.

Der Wettkampf wird in der Swiss-Arena in Kloten stattfinden. Der Ticketverkauf soll am 1. März starten. Geplant sei zudem, den Wettkampf regelmässig alle zwei bis vier Jahre auszutragen.

Solange von den Herrschaften keiner wirklich hart arbeiten muss sondern neuerdings ein bisschen Wäsche aufhängt, ist ja alles in Butter ; )

Dass richtige körperliche Arbeit bei realen Umgebungsbedingungen auch mit dieser neuartigen Forschungsgeldverschwendung nirgendwo hin rehabilitiert wird, dürfte wohl jedem klar sein. Seit Jahrzehnten bedient sich "Forschung" des Labels "Armprothese", um "irgendwas" zu basteln. Heutzutage sind "Roboterhände" ab "nur" etwa 50'000 Franken greifbar, die "cool" sind - so lange man nichts tut. Ein iLimb Handschuh (ca.700 Fr.) ist z.B. bereits nach 1 Autowäsche kaputt, Kuchenbacken geht ohne Prothese besser, etc.

Alltagsrelevant ist bei mir - wie bei vielen anderen - letztlich eine Prothese, die Asymmetrie behebt (Gewichts-/Längenausgleich) und Überlastung des anderen Arms vermindert (also bei wahrhaft zweihändigen Tätigkeiten effektive physikalische Hilfe leistet). Also Gewichte ab 20 kg, repetitive Tätigkeiten, hard work, etc. Das leistet v.a. Eigenkraftprothetik, richtig gebaut. Der Rest - Butterbrot essen, Drahtschlaufe, Tablett tragen - geht auch ohne Prothese gut. Aussehen tun sie alle schlecht.

Dass die derart beschaffene Realität die Herrenklasse in der Teppichetage mit Butterbrotstreichen etc. stört ist klar, aber meine Hecke schneidet sich auch nicht von selbst, und wer schwere Personen umlagert, weiss, mit 200 Gramm max. Zuggewicht (bis der Schaft abrutscht) ist es  auch nicht getan.

Mich interessiert hier, wie gut der Etikettenschwindel "Armprothesenforschung" öffentlich "verkauft" wird. Es ist sicher schön, wenn Jahrzehntelang an Roböterli herumgetinkert wird - aber  heute 2016 ist im Temperaturbereich -10 bis +40 Grad mit guter Greifkraft diese Robotik in der Armprothetik gerade einmal gar nirgends, und sie bleibt auch dort.

Die uns wirklich weiterbringenden Innovationen leisten Armamputierte durch Weiterentwicklungen ungefördert und wenigstens initial unbezahlt selbst. Ich finde es sehr bedauerlich, dass hier weiterhin "Dead Horses" geritten werden.

Cite this article:
Wolf Schweitzer: Technical Below Elbow Amputee Issues - Artikel "Forscher planen Wettkampf der technischen Hilfsmittel" der NZZ [Kommentar]; published February 15, 2016, 15:33; URL: https://www.swisswuff.ch/tech/?p=10288.

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