expletive-ethereal
expletive-ethereal
expletive-ethereal
expletive-ethereal

Wie baue ich ein Fahrrad / Velo um für das Fahren mit einseitiger Armamputation? [Erfahrungsberichte / Vorschläge / Anleitung]

Cite this article:
Wolf Schweitzer: Technical Below Elbow Amputee Issues - Wie baue ich ein Fahrrad / Velo um für das Fahren mit einseitiger Armamputation? [Erfahrungsberichte / Vorschläge / Anleitung]; published August 29, 2019, 16:36; URL: https://www.swisswuff.ch/tech/?p=10034.

BibTeX: @MISC{schweitzer_wolf_1574200209, author = {Wolf Schweitzer}, title = {{Technical Below Elbow Amputee Issues - Wie baue ich ein Fahrrad / Velo um für das Fahren mit einseitiger Armamputation? [Erfahrungsberichte / Vorschläge / Anleitung]}}, month = {August},year = {2019}, url = {https://www.swisswuff.ch/tech/?p=10034}}


Für das Fahrradfahren mit Armamputation (bei mir: Unterarmamputation rechts) habe ich inzwischen einige praktische Erfahrungen gesammelt. Diese sind hier zusammengestellt.

Contents

Erfahrungshintergrund

Meine Erfahrungen umfassen:

  • Velo fahren im Raum Vorstädte und Stadt Zürich mit teils sehr engem und unübersichtlichem Strassenverkehr
  • Mountain Bike fahren in den umliegenden Wäldern mit Hügeln - Sommer wie Winter, dann auch mit Spikereifen - zahllose Ausfahrten
  • Mountain Bike fahren im Gebirge mit teils steilen Trails, u.a. in der Schweiz, Südtirol (Italien), Norditalien, sowie Österreich - relativ viele Ausfahrten; Stilfser Joch (Passo Stelvio) von der Prader Seite.
  • Rennvelo fahren, häufig ausgefahren, u.a. Hulftegg, Pragelpass, seltener sehr lange Touren.

Schnelles, dosiertes, starkes, sicheres Bremsen mit einer Hand - mit der eigenen (menschlichen) Hand - hat als wichtige Umbauvariante erste Priorität

Erste Priorität für mich hat das sichere und rasche Bremsen.

Aus meiner Erfahrung ist dabei - also bei der Frage nach der Bedienung der Bremsen - auf die Armprothese gerade auch dann wenig Verlass, wenn sie relativ gut gebaut ist. Deswegen darf aus meiner Sicht ein Bremsvorgang, der eben idealerweise jederzeit sofort eingeleitet werden kann und der zuverlässig ist, nicht fahrlässig durch minderwertige Steuerungsversuche oder -hoffnungen aufs Spiel gesetzt werden. Ich halte, aus umfassender eigener Erfahrung, ein Bremsen durch Betätigen mit der Armprothese persönlich für unakzeptabel riskant.

  • Die Steuerung des Greifers der Armprothese bedingt auch im Normalfall, im Alltag, unbeachtet der Frage nach einem krass harten Bremsmanöver, eine relativ hohe mechanische Integrität. Dennoch kann jederzeit auch bei sorgfältigem Bau sowohl der Eingussring in einem Karbonschaft wie das Steuerkabel bei der Eigenkraftprothese, besonders wenn sie mit handelsüblichen Komponenten (link) und nicht mit dafür ausgelegten belastbaren Teilen, wie ich sie inzwischen verwende (link), gebaut ist, reissen. Das ist im Alltag so, aber besonders bei ruckartigen harten Greifmanövern. Meine Steuerkabelaufhängung (link) übersteht derartiges wartungsfrei bisher gut 6-9 Monate, aber die handesüblichen Steuerkabel (link) hatte ich auch bei normaler Alltagsarbeit innert 4-10 Tagen soweit, dass sie rissen (link). Wenn jetzt aber jederzeit sofort und stets gebremst können werden soll, genügt diese Art Belastbarkeit und Zuverlässigkeit dennoch nicht, und es ist auch gar nicht nötig, sich darüber weitere Gedanken zu machen, insbesondere, da ja bedeutend sicherere Varianten der Bremsbedienung möglich sind: nämlich mit der eigenen Hand.
  • Die myoelektrische Steuerung ist gerade durch Schwitzen oder mechanisches Bewegen des Stumpfs im kaum je sehr zuverlässig fest sitzenden Schaft einer myoelektrischen Armprothese in meiner Erfahrung noch bedeutend weniger belastbar und schon gar nicht zuverlässig. Die Steuerung der Myoelektrik ist für schweissfreie Alltagsbelastung im niederen Bereich ausgelegt und versagt - da auch der schweissfreie Alltag Schweissausbrüche, trockene Haut, mit sich bringt.

Das Bremsen ist zwar bei steilen oder in schwierigem Gelände stattfindenden Abfahrten etwas aufwendiger als beim sogenannten Geradeausfahren. Aber gerade auch bei einfachen Fahren, geradeaus, entstehen kritische Bremssituationen oft ungeplant und als Notfall: so kann ich als Fahrradfahrer sogar bei der sogenannt harmlosen unkritischen Fahrt "schnell mal" zu Post, Tankstelle oder Supermarkt den notfallmässigen Bremsvorgang nicht ausschliessen. So fahren Autos aus Ein-/Ausfahrten heraus. Die Art der Situationen, die rasches zuverlässiges Bremsen erfordern, ist nicht abschliessend aufzählbar, da das Unvorhergesehen eben unvorhergesehen ist.

Konkrete Beispiele, die zeigen, wie wichtig rasches vollständiges Anhalten des Velos wichtig sein kann:

  • Ein besonders illustratives Erlebnis hatte ich mit einem Linienbus: im Sommer 2017 fuhr ich auf der Hauptstrasse in Brüttisellen Richtung Baltenswil auf dem Velostreifen und es war hell und sonnig. Der Bus 787 der öffentlichen Verkehrsbetriebe hatte beim Umdrehen nach der Haltestelle an der Oberen Wangenstrasse ein Vorfahrt-beachten Schild vor sich und stand da an der Kreuzung, als ich auf dem Velostreifen auf der Hauptstrasse vortrittsberechtigt dort fuhr. Er fuhr mir direkt vor die Nase, ich musste eine Vollbremsung machen um einen Schaden abzuwenden, und ich schüttelte den Kopf. Ihr Chauffeur lachte und streckte mir die Zunge heraus. Hätte ich nicht sofort bremsen können, hätte mich der Bus erfasst bzw. wäre es zur Kollision gekommen. In ebensolcher Weise fahren relativ häufig Autos aus Ausfahrten oder über Kreuzungen, ohne dem Velofahrer den Vortritt zu gewähren; während Pendelfahrten von zu Hause zur Arbeit (etwa 12 km) ist mir bisher bei fast jeder einzelnen Fahrt wenigstens eine Situation passiert, wo trotz Taglicht und hellen Sichtverhältnissen der Autofahrer oder Fahrer anderer Motorfahrzeuge mich zum Bremsen gezwungen hat, obschon ich Vorfahrt gehabt hätte. Es handelt sich also in meiner Erfahrung beim notfallmässigen Bremsen im Strassenverkehr zur Bewahrung der eigenen Gesundheit um eine Alltagserfahrung, nicht um seltene Ausnahmen.
  • In sehr häufigen und typischen Situationen, die ausserdem auftreten, etwa wenn man auf Velowege ausweicht, handelt es sich typischerweise etwa um kombinierte Wander-/Velovege, oder Velostreifen mit Nähe zu Fussgängern, wo dann beispielsweise plötzlich ein Inlineskater ausschert, ein Hund über die Fahrbahn rennt, oder ein Kind unvorhergesehen herausspringt. Diese Situationen sind etwas seltener als solche, die Motorfahrzeuge verursachen, aber sie sind ebenso brüsk und plötzlich. Sehe ich solche Situationen, signalisiere ich mein Kommen und ich verlangsame die Fahrt frühzeitig.

Beispiel Passfahrt auf enger, wenig befahrener Strasse

Ein gutes Beispiel ist etwa diese Passabfahrt (Pragelpass, Schweiz, 25.8.2010), die im oberen Teil ohne kritische Situationen verlief. Man muss viel Velo gefahren sein, um zu verstehen, warum hier das Bremsen bei gleichzeitig gut stabilisierter Lenkung absolut kritisch ist.

Im folgenden Video sieht man, wie eine halbwegs zu enge Situation, bei der das entgegenkommende Auto arg auf meine Strassenseite geriet, auch von einem Warnsignal begleitet wurde (ich klingelte). Dabei muss das Warnsignal schon so laut sein, dass der Fahrer es hören kann. Insgesamt achte ich bei der Funktion - und damit dem vorausgehenden Umbau des Velos für meinen Gebrauch - darauf, dass ich die fahrmanöverkritischen Bedienungselemente - Bremsen, aber auch Schaltung sowie die Klingel - sehr zuverlässig erreichen und wo nötig sehr rasch, präzise und gut kontrolliert steuern kann.

Damit fallen passive Bedienmechanismen oder -manöver - wie etwa ein Abkippen einer Armprothese ohne weitere Griffsteuerung, die zwangsläufig die Lenkung beeinflussen dürfte - oder myoelektrische Prothesen - bei Schweiss (und wer so Velo fährt schwitzt viel) überhaupt nicht funktionstüchtig - von vorne herein ganz weg. Entsprechend vermeiden die Veranstalter dieser unsäglichen Zirkusfreaktechshows ("Cybathlon", etc.), mit dem Velo einen Pass hochzufahren - man schwitzt und kommt an die Grenzen der Prothetik, besonders, wenn man ohnehin für diese Art Anwendung klar zum Scheitern verdammte Myoelektrik trägt. Langsame oder zögerliche, von Begleitbewegungen gestörte, gemächliche und fehlerbehaftete Versuche für Bremsmanöver kann man sich allenfalls bei sehr ruhigen Verkehrsverhältnissen leisten. Auch die Eigenkraftprothese ist gerade für Bremsen, Klingeln oder Schalten viel weniger gut geeignet als die eigene (menschliche) Hand.

Dabei leistet eine Armprothese bereits sehr viel, wenn sie nur schon den Lenker richtig gut und auch bequem hält. Und was das in meiner Erfahrung bedeutet, wird weiter unten erläutert.

Wer also wie in dieser folgenden Sequenz gezeigte, kritische Verkehrsmanöver versteht, wird erkennen, warum ich sehr grossen Wert auf Echtzeit-Reaktion, auf möglichst exakte Bedienung, gerade der Bremsen lege. Dass präzise und zuverlässiges Lenken an und für sich mit Armamputation keineswegs selbstverständlich ist, wird dadurch verschärft, dass meine eigene Hand dann gleichzeitig lenkt, bremst, klingelt, schaltet - ohne dass eine der Funktionen wesentlich beeinträchtigt ist. Vorgreifend ist zu sagen, dass das nichts, oder nicht viel, kosten muss, es so einzurichten - aber man muss wissen, was man tut, und man muss es gut machen.

 

Mit derartigen Anforderungen ist für also mich bzw. aus meiner Sicht die Bremse so zu montieren, dass ich sie mit meiner (eigenen, "intakten", vorhanden) linken Hand gut erreichen und stets sofort bedienen kann. Sind zwei Bremsen zu bedienen - und es sind bei meinen Velos immer zwei Bremsen, eine vorne und eine hinten - dann ist es entweder ein Bremshebel, der zwei Bremsen miteinander zieht, oder es sind zwei Bremshebel, die ich dann so anordne, dass ich sie differenziert einzeln oder auch gemeinsam mit einer Hand ziehen kann.

Umbau für Felgenbremsen

Felgenbremsen haben den Vorteil, dass sie günstiger sind und dass sie bedeutend einfacher zu warten sind, da dort der Bremshebel über den Stahlseilzug mechanisch direkt die Bremsen zieht. Das Ersetzen von Bremskabeln oder Bremskabelhüllen ist entsprechend einfach, auch das Einstellen der Bremse ist meist völlig problemlos mit einfachem Werkzeug (Schraubenschlüssel, Sechskantschlüssel, etc.) zu bewerkstelligen.

Damit habe ich mit Felgenbremsen folgende Varianten an Anpassungen für die Bedienung der vorderen und hinteren Fahrradbremse herausgefunden und für mich umgebaut:

Bremskraftverteiler

Mein altes (aber bewährtes) Giant 870 ATX habe ich mit einem Bremskraftverteiler (Produkt von SBM INNOVATION) ergänzen lassen (Details: LINK).

Steel Hook Otto Bock standard edition

Steel Hook Otto Bock standard edition

Bremshebel mit doppeltem Kabelzug

An meinem uralten Gerber Rennvelo habe ich einen Paul Duplex Bremshebel eingebaut (LINK).

CIMG2743

 

WP_20130603_002

WP_20130603_008

Dieser ist allenfalls etwas schwer zu ziehen aber es sieht elegant aus, die Bremsen sind einfach einzustellen, und es funktioniert gut.

Gegenüberliegende Montage bei integrierten Brems-Schalt-Hebeln wie Shimano Ultegra

Bei meinem Rennvelo (Colgano C40) habe ich die Bremshebel, welche integrierte Schaltungshebel aufweisen, nicht durch einen Duplexbremshebel ersetzen wollen und daher die beiden Bremsschalthebel so gegenüber am Lenker links montiert, dass ich sie einfach mit links bedienen kann.

Auch macht so fahren mit Rennlenker sehr Spass, siehe auch Video oben auf dieser Seite mit der Passabfahrt vom Pragelpass als ein Beispiel. Damit die Hebel nicht zu weit voneinander entfernt sind, habe ich sie etwas abgesägt.

Hier sieht man, wie ich die vordere Bremse ziehe.

Und hier sieht man, wie ich beide Bremsen gleichzeitig ziehe.

Da dieser Umbau ohne Zukauf weiterer Teile auskommt, ausser ev. ein neues Lenkerband, ist es einer der billigsten Umbauten, den ich für Felgenbremsen so gemacht habe.

Lenkerband bestellen:

Umbau für hydraulische Scheibenbremsen

Der Umbau für hydraulische Scheibenbremsen hat ebenso das Ziel, die Bremshebel so anzuordnen, das man sie mit einer Hand beide ziehen kann.

Das Problem der meisten hydraulischen Bremsen ist dabei, dass die Bremshebel im Gegensatz zur üblicherweise mechanischen Felgenbremse nicht einfach irgendwie angeschraubt werden können. Denn die Hydraulik besteht hier in einem kleinen Ölreservoir oder Tank, aus dem meist "nach unten" die Bremsleitung weggeht. Damit keine Luft hineingerät, muss der Tank daher richtig rum montiert sein, und nicht auf dem Kopf.

Entweder arrangiert man sie also einander gegenüberliegend, oder man baut eine gegenseitige Bremse ein.

Bremshebel umbauen ohne Neukauf seitendifferenter Bremse

An meinem 29-zoll Mountainbike Cube Acid (LINK) schraubte ich die Bremsgriffe so dran, dass bequem und sicher mit einer Hand gebremst werden kann. Der gesamte Umbau ist hier im Detail beschrieben (LINK) und ich hatte dafür lediglich ein paar Werkzeuge, einen Kabelbinder sowie die zusätzlich besorgten grauen Griff-Enden.

Hier sieht man wie die Bremsen beide korrekt - Ölwännchen nach oben - so montiert sind, dass sie gut bedient werden können. Dabei hilft auch die durchgehend flache Möglichkeit zur Auflage des Handballens.

Bremshebel umbauen *mit* Neukauf seitendifferenter Bremse

Ich hatte an einem anderen Bike die hydraulische Bremse rechts (die ich nach links auf den Lenker nahm) ersetzt durch eine linke Bremse. Die wurden dann so montiert, dass beide Bremsgriffe in die übliche Richtung zeigen. Kein Foto dazu, es hat sich insofern nicht bewährt, als es zwar Geld kostete, aber nicht besser bremste als die Gratisvariante wie im Abschnitt eins oben hier.

Klingel, Warnsignal

Als Klingel verwende ich entweder ein Quietschton (für Fussgänger viel angenehmer) oder eine laute Signalvorrichtung (da Autofahrer das Klingeln meist eh nie hören).

Sehr effizientes Fahrradsignal:

Taugliche Varianten für gut hörbare Klingeln, die sich einfach im Internet bestellen und dann am Velo montieren lassen, wären:

Schalten mit einer Hand

Die zweite Priorität beim Velofahren ist das rasche und sofortige Schalten. Damit muss die Schaltoption in direkter Nähe zu den Bremshebeln montiert sein.

Verlegen der Schalter von Unterrohr zum Lenker

Ich hatte bei einem Rennvelo eine zeit lang den Rahmenschalter (down tube shifter), so gelassen, aber es war eine unsichere Sache, da man mit der Prothese den Lenker nicht genau so einfach und elegant hält wie mit einem "intakten" eigenen Arm, was aber dann wichtig ist, wenn man den "intakten" (eigenen) Arm zum Schalten runter ans Unterrohr bewegt.

Dafür verbaute ich zwei Silver Shifters am Lenker (LINK):

Am Rahmen entfernte ich die Rahmenschalter (downtube shifter) und verbaute dort einen Gegenhalter (clamp-on cable stop) (LINK).

Einzelheiten zu diesem Gerberrennveloumbau HIER.

 

Umpositionieren der Schalter am Lenker

Bei anderen Velos sind die Schalter bereits am Lenker, und sie müssen nur auf die linke Seite gebaut werden, um einfach mit links bedient werden zu können (oder je nach Situation alles nach rechts, klar).

Ein solches Umpositionieren ist kostenfrei - oder fast kostenfrei, dann, wenn man vorher Griffgummis wegschneiden und durch festschraubbare ersetzen muss.

Bei einem BMC Alpenchallenge AC01 SORA sieht das Umpositionieren der Schalter nach links so aus (Details LINK):

Beim Cube Acid 2019 kam es so heraus:

Man sieht hier die Schalter ganz dicht übereinander, direkt einander mit der Lenkerschelle berührend montiert.

Die etwas grossen Ganganzeiger dieser Shimano SLX-Shifter, die kein Mensch braucht, der eh weiss, in welchem Gang er gerade fährt, habe ich vorsichtig entfernt (hier Foto mit dem entfernten Teil).

Stattdessen habe ich an der Stelle dieser entfernten Ganganzeiger diese kleinen Deckelchen, die man für relativ wenig Geld von Shimano bekommt, dran geschraubt. Hier ein Foto von unten auf den Lenker. Dadurch entsteht etwas mehr Platz am Lenker.

Schalthebel ersetzen durch Gripshifter oder andere Hebel

Bei dem Mountainbike Giant ATX 870 habe ich für die Kassette / Ritzel einen Gripshifter, für die Kettenräder einen normalen rastenfreien Ganghebel:

Diese Gripshifter sind etwas aufwendiger zu montieren. Es gibt aber zahlreiche Anleitungen im Internet. Letzten Sommer habe ich alle Kabelzüge und auch den Gripshifter an diesem Velo ersetzt, da diese Teile alt geworden waren und der Gummi kaputt gegangen war. Und wenn jemand mit einere Hand und Armamputation schnell mal diese Dinge am Velo tauscht, können andere das auch.

Mit der Armprothese oder mit dem Arm den Lenker festhalten

Mit der Armprothese den Lenker festhalten ist eine relativ wichtige Sache.

Es gibt in meiner Erfahrung verschiedene Varianten, wie man den Lenker stabilisieren kann.

Mit dem Armstumpf

Mit dem Armstumpf aufs Velo und "lenken" ist eine super Sache. Den Fahrradfahren soll ohne Equipment - frei von Ballast jeder Art - sein. Problem ist, dass es instabil ist, besonders wenn man schnell bremsen muss, oder wenn man in etwas hineinfährt, oder auch über einen Randstein oder eine Schwelle fetzt. Dann kann es ganz rasch sehr gefährlich werden, und man muss es schon sehr gut im Griff (ha, ha) haben, dass nichts passiert. Aber ich bin auch schon sehr vorsichtig so zur Post oder zum Supermarkt gefahren, oder auch einmal ein paar Kilometer in einen anderen Ort an ein Fest - nur dann darf nichts passieren.

Mit der myoelektrischen Armprothese

Mit der myoelektrischen Prothese fahren ist auch eine richtig dumme Idee. Touchbionics deckt Schäden bei Aktivitäten, bei denen man sich verletzen könnte - und dazu gehört klar das Velofahren, als eine Tätigkeit bei der jährlich viele Personen verletzt werden - nicht. Ausserdem setzt Schweiss die Elektroden ausser Funktion. Zudem kommt es je nach dem allenfalls zu sehr langwierigen Hautschäden, wie auch ich dies einmal erlebte (Details LINK).

Mit einer fixen Lenkeradapterverbindung

Zu fixen Verbindungen gehören das Freelock und die Mert-Hand. Die Mert-Hand ist aber keine Hand, es heisst nur so. Beide Möglichkeiten werden vor Beginn der Fahrt am Lenker befestigt und bleiben dort.

Das ist vorteilhaft, da ziemlich sicher und extrem einfach in der Bedienung, und auch nachteilhaft genau deswegen: bei Abrutschen oder Stürzen kann es sein, dass diese Verbindung sich nicht oder nicht rasch genug löst. Ich hatte allerdings auch bei einigen durchaus gefährlichen oder riskanten Stürzen oder Manövern nie Probleme damit. Weiterer Vorteil ist auch, dass man eine Prothese ohne Griffsteuerung verwenden kann, um sich damit am Lenker zu befestigen.

Eine ganz fixe Lenkerposition des amputierten Arms hat aber den Nachteil, dass man dann eine fixe Position auf dem Velo hat, was nach einer gewissen Fahrdauer sehr unbequem sein kann. Ich hatte dann oft nach 20-30 Minuten starke Rückenschmerzen. Fährt man aber nicht sehr lange, ist das vermutlich egal.

Freelock

Der Freelock-Adapter kann jeden Fahrradlenker, der einen Griffgummi hat, greifen. Ein Vorteil gegenüber der Mert Hand ist, dass keine lenkerseitigen Anpassungen nötig sind.  Weitere Details hier..

Mert Hand

Die Mert Hand besteht aus einer lenkerseitig montierten Kugelgelenksaufnahme und einem auf der Prothese angebrachten Kugeladapter. Weitere Details hier. Ich habe diesen Lenkergriff bereits sehr viel verwendet und kann sagen, dass die Kugelverbindung einstellbare Klemmfedern hat, die sich auch so einstellen lassen, dass wenn man im Winter im Schnee und auf Eis im Wald mit Spikereifen mountainbiket und das Velo aus irgendeinem Grund am Lenker über ein Hindernis - umgestürzte Bäume, anderes - heben muss, dass das Gelenk nicht sofort ausklonkt. Umgekehrt kann man es weniger fest einstellen, wenn man bei allfälligen Stürzen wie bei einer Skisicherheitsbindung rascher heraus kommen will. Es ist ein sehr solides, tolles Produkt. Allerdings sind die für fixe Lenkerverbindungen geltenden Vorteile - keine Kabelzugsteuerung nötig, sehr zuverlässiger Griff während der ganzen Fahrt - sowie Nachteile - allzu lange fixe Sitzposition kann Schmerzen wie etwa am Rücken verursachen - in Betracht zu ziehen.

Weitere fixe Lenkerverbindungen

  • Von Armalab (https://www.armalab.eu/) gibt es Lenkerverbindungen, die fix sind. Ich weiss nur davon, habe diese aber nie selbst getestet. Sie sehen sehr robust aus.
  • Von TRS (xxx) gibt es ebenfalls zuverlässige, fixe Lenkeradapter. Auch diese habe ich angesichts bereits vorhandener Varianten (siehe Rest dieser Seite) nicht getestet.

Mit einer Eigenkraftprothese (body powered)

Wenn man während der Fahrt den Lenker mit der Prothese loslassen kann, eine andere Stelle des Lenkers festhalten kann, dann hat das verschiedene und wie ich denke erhebliche Vorteile.

Erstens ist es bedeutend angenehmer, wenn man längere Strecken fährt, die Position andauernd etwas zu wechseln. Bei mir kommt es dann nicht zu starken Rückenschmerzen wie nach längerem Fahren mit einer fixen Lenkeradapterverbindung.

Zweitens kann man die verschiedenen Fahrpositionen, die etwa ein Rennvelolenker (drop bar) erlaubt, oder die ein Mountain Bike Lenker mit Hörnli (vorstehende Griffenden) hat, auch während der Fahrt nutzen.

Grundsätzlich kann jeder Greifer - Hook, Gripper, Prehensor, Prothesenhand - verwendet werden, um damit Fahrrad zu fahren. Hier führe ich nur aus meiner Sicht besonders gut geeignete Varianten auf.

TRS Jaws

TRS Jaws ist ein in Greifkraft einstellbarer und damit in der maximalen Schalterstellung doch sehr kräftiger Greifer für Eigenkraftprothesen, der sich zum Biken gerade deswegen in meiner Erfahrung ganz hervorragend eignet. Es ist ein VO-Device (voluntary opening), was bedeutet, dass man am Steuerkabel ziehen muss, dass es aufgeht. Damit ist die Verschlusskraft durch eine bei diesem Gerät sehr einfach einstellbaren Feder vorgegeben.

Das hat den Vorteil, dass zum dauernden Festhalten am Lenker nicht dauernd gezogen werden muss aber den Nachteil, dass es bei einem Sturz nicht automatisch aufgeht, oder, den Nachteil, dass die Greifkraft nicht beliebig hoch sein kann. WEITERE DETAILS ZU DIESEM GERÄT HIER.

Toughware Equilux

Das Tougware Equilux ist ein sehr aufwendiges neues Greifgerät, das sowohl VO (voluntary opening) wie VC (voluntary closing) als Steuervariante kann. Damit ist es für den fortgeschrittenen anspruchsvollen Velofahrer extrem gut geeignet. Durch die Form hält es Lenkgriffe sehr gut fest. In der VO-Stellung rutscht es bei einer zu starken Belastung allenfalls von selbst heraus, aber das Fahren ist sehr entspannt, da man das Kabel nicht permanent ziehen muss, um den Lenker zu greifen. In der VC-Stellung kann man permanent die Greifkraft variieren, und ganz besonders stark greifen. Dadurch ist dieser Greifer gerade für anspruchsvolle Geländefahrten etwa mit einem Mountain Bike ein echter Traum.  Weitere Details hier.

Auf der Strasse und über den Randstein.

Im Wald, wenn es Wurzeln hat.

TRS prehensor

Der TRS Prehensor ist ein VC-Greifer (voluntary closing). Er greift nur, wenn man daran zieht. Für anspruchsvolles, tolles Radfahren ein sehr guter Greifer, der sofort loslassen kann, sobald es kritisch wird. Weitere Details hier.

Becker Mechanical Hand

Die Becker Hand ist eine Eigenkraftprothesenhand. Es ist die einzige mechanische Handprothese mit einem zuverlässigen Spitzgriff und einem sehr gut entwickelten adaptiven Zylindergriff. Sie ist bis heute das einzige echte Wunderwerk der Technik. Sie hat einen Griff, der bei Druck von innen auf die Finger nicht aufgeht; dies gilt für das Modell Becker Lock Grip (Variante aus hartem Holz) und Becker Imperial (dasselbe, aber mit Handkörper aus stabilem Kunststoff und zusätzlich einer Stellschraube zur Erhöhung der Federkraft). Weitere Details hier.

Griffgummis

Gute Griffgummis sind:

Schaft der Armprothese

Die Bedeutung des Schafts wird zumeist weder verstanden noch richtig eingeschätzt. Viele Leute meinen, dass ein guter Schaft einfach gekauft wird, oder, dass man stattdessen einen 3D-gedruckten Plastikschaft verwenden kann.

Zunächst ist ein gut passender Prothesenschaft relativ aufwendig in der Herstellung. Das ist richtig und gut so: brauchbare Stabilität (Giessharz) oder besondere Zustabilität (Carbonfaser) bei leichtem Material soll erreicht werden. Diese Werkstoffe müssen dazu aber angemessen verarbeitet werden. Die Prothesentechniker sind darin sehr geübt, und auch wenn es eine gewisse Aufwendung ist mit Gipsabdruck, Testschaft aus PET, der Suche nach dem optimalen Sitz, nicht zu weit, nicht zu eng, ist dieser Weg in meiner langjährigen Erfahrung der einzige richtige. Ungeduld ist hier fehl am Platz. Daher ist es sehr sinnvoll, sich zu überlegen, wie man diesen bekommt, und sich auf das Beschreiten dieses Wegs auch einzulassen.

In der Schweiz übernimmt die IV (Invalidenversicherung) einfache und zweckmässige Prothesen - und wenn man eine Eigenkraftprothese will, die fast stets relativ günstig, einfach und zweckmässig ist, bekommt man einen sehr gut gebauten Prothesenschaft von der Versicherung bezahlt. Ebenso die dazu gebaute Kabelsteuerung, zu der relevante Verbesserungen nun vorliegen (LINK), sowie einer Schulterverankerung, die ebenfalls bedeutend besser als kommerzielle Versuche ist (LINK).

Der Schaft hält dann am Arm mittels eines sog. Liner, das ist ein Kunststoffärmel, der über den Stumpf gerollt wird. Vorne an diesem Kunststoffärmel - dem sog. Liner - hat es einen Stift - den sog. Pin - und den schiebt man im Prothesenschaft vorne in einen Verschluss, das sog. pin lock.

Das ist so weit gut. Nur dass die Haut am Armstumpf bei kaum einer Person Belastungen aushält, auch wenn Liner und Schaft gut sitzen. Wie man damit umgeht, wird nun ausgeführt.

Hautveränderungen bei Belastungen wie Velofahren durch Schaft auf Stumpf

Bei mechanischer Belastung wie etwas Rütteln oder Schläge oder Gegendruck gegen die Prothese, Zug am Schaft oder Druck seitlich, kommt es zu kleineren oder grösseren Bewegungen, die letztlich wenigstens zu Mini-Scher-Bewegungen des Liners auf der Haut führen. Bei Schwitzen ist das noch viel mehr der Fall, da dort der Schweissfilm auf der Haut die mechanische Verschiebung des Liners auf der Haut noch weiter begünstigt.

Damit ist es eine Alltagserfahrung als Prothesenträger, dass ohne dass man sich mit viel Wissen drum kümmert (STEHT ALLES HIER) ein Armstumpf schnell mal so aussieht. Ich bekomme solche Ausschläge, wenn ich nicht aufpasse, nach 1-2 Stunden Aktivität, und dann dauert es Tage, bis es weg ist. Inzwischen passiert mir das nicht mehr, denn ich weiss WAS ALLES HIER STEHT.

Myoelektrische Prothese und Hautschäden

Damit muss Liner und Schaft frei sein von inneren Kanten und Vorsprüngen. Ist er das nicht - etwa bei einer myoelektrischen Armprothese - sieht der Armstumpf nach einem Tag möglicherweise bereits so aus, wobei bereits alltägliche Belastungen für solche Verletzungen ausreichen, und man nicht mal aufs Velo sitzen muss, um den Stumpf derart zu beschädigen wie nachfolgende Bilder (weitere Details dazu hier).

Kanten, Schaftstruktur

Nach nur einem Bürotag mit einer myoelektrischen Armprothese sah mein Stumpf so aus: flächige Schürfungen und eine Druckblase. Es war sehr schmerzhaft. Das anstrengende oder längere Fahrradfahren sollte mit so einer Prothese wohl eher vermieden werden. Weitere Angaben dazu hier.

Elektroden

Eigenkraftprothese und Materialien zur maximalen Belastung der Prothese ohne Schädigung der Haut am Stumpf

Eine Eigenkraftprothese (die mit Kabelzug) (oder aber auch eine passive / kosmetische Prothese) hat einen innen glatten Schaft und einen Liner ohne Lücken oder Elektrodenkanten.

Dennoch genügt dies meist nicht.

Erst bei Verwendung eines unter dem Liner getragenen sehr dünnen Baumwollstrumpfs (tubular gauze) (DETAILS HIER) kommt es fast gar nicht mehr zur Hautreizung am Stumpf, wenn man dennoch stark schwitzt und sehr aktiv ist, schwere  Lasten hebt oder schiebt, oder eben auch im Gebirge oder länger Velo fährt. Es ist aufgrund dieser Zusammenhänge, dass ich eine sehr gut gebaute passive Prothese (für Freelock oder Mert Hand) oder Eigenkraftprothese (für die anderen aktiven Greifer, siehe oben) verwende, und nichts anderes.

Auch nach beispielsweise zweistündiger harter Gartenarbeit - schwere Heckenschere, über 30 Grad, heisse Sonne - ist die Haut am Stumpf dann unbeeindruckt, kein Ausschlag (mehr dazu hier):

Es sind derartige "Details", die hier alle eine Rolle spielen.

Also:

Zuverlässigkeit Velo und Prothese - Übersicht

Man benötigt sehr stabiles leichtes Material - am Schaft vorzugsweise Giessharz oder Carbonfaser - und sehr stabile Verbindungselemente - leichter Stahl, hochwertige Textilien oder Kunststoffe. Schrauben muss man regelmässig und spätestens vor grösseren Fahrten alle nachziehen.

Brüchige, anisotrope (etwa additiv 3D-Druck-gefertigte Sachen) oder fragiles Material generell (ebenfalls typischerweise 3D-Druck) vermeide ich dagegen für das Velo fahren.

Typische Materialprobleme bei Armprothesen sind, besonders im Zusammenhang mit Velo fahren:

  • Riss oder Bruch bei Zug
  • Riss oder Bruch bei Schlag / Sturz
  • Ausriss Eingussring Handgelenk
  • Herausfallen gelockerter Schrauben

Weitere Optionen

Rückstellfeder für die Lenkgabel

Für das einhändige Velofahren werden unter anderem Rückstellfedern für die Lenkgabel verwendet. Ich habe das bisher nie ausprobiert.

Einhändig fahren lernen

So oder so ist es möglich, auch ohne Armprothese relativ sicher Velo zu fahren. Der Trick besteht darin, die notwendige Sicherheit durch Übung aufzubauen.

Grössere statt kleinerer Räder

Man fährt in meiner Erfahrung auf einem 29-Zoll-Mountainbike besonders bei balance-kritischen steilen Aufstiegen oder Abfahrten bedeutend stabiler als mit einem 26-Zoll-Bike. Damit stehe ich unter dem Eindruck, dass mir das grosse Fahrrad durch geringere notwendige Rumpfstabilisierung relativ viel Rumpfmuskelarbeit spart und damit mehr Energie fürs Treten übrig bleibt. Mehr dazu hier.

Warnungen, Warnhinweise, Wahrnehmungsfallen

Das Gebiet der Armprothesen wird von eigentlichen Wahrnehmungsfallen nur so überschwemmt. Man muss sich also vorsehen und aufpassen. Denn seit vielen Jahren wird im Gebiet der Armprothetik echte Lösung ganz eng, Seite an Seite, mit purem Schabernack angeboten.

Forschung, 3D-Druck und Prothesentests

Forscher wissen unter anderem gar nicht, dass Armprothesen oft wirklich stabil sein müssen: so veröffentlichen Forscher Technologieartikel, die zwar angeblich 3D-gedruckte Armprothesen vergleichen - aber das Stichwort "Stabilität" oder "stabil", "robust", "haltbar" sucht man dort beispielsweise vergebens [1] [2]. Auch der Cybathlon-Zirkus der ETH (Cybathlon 2016, Cybathlon 2020) verpasst ein brauchbares Prothesentesten um einen sehr grossen Abstand - so fehlt die Anwendung Velofahrt auf Pass, schweisstreibendes Kistenschleppen, echte Montagearbeit mit Anlieferung schwerer Materialien, etc., genauso wie dort umgekehrt das durch die Hersteller dem Anwender verbotene Hämmern (Catch 22!) oder das dem Anwender ebenso verbotene (Catch 22!) Verwenden defekter Handschuhüberzüge breit medialisiert wird. Sachverstand im Umgang mit Armprothesen ist klar anders. Dass bei derart weit neben der Realität herschwimmenden Forschungs- und Entwicklungs-"Ansätzen" keinerlei Verbesserungen aus dieser Ecke zu erwarten sind, liegt auf der Hand ("Hand", bwahaha).

Nachgemachte oder nicht optimal entwickelte Sportprothesen: Swiss Prosthetics

Auch das Nachmachen ist nicht immer von grossem Erfolg gekrönt: andere Forscher und Entwickler bauen zwar ihre Armprothesen in der Nachempfindung dem etablierten Prinzip der Sportprothesen von TRS (LINK) nach - verpassen es aber, einschlägige Problempunkte wie hier aufgestellt effektiv zu lösen. Beispiele sind Swiss Prosthetics (LINK) als Weiterführung eines Projekts der ZHAW unter Prof. Dr. Ing. habil. Dr. sc. techn. W. Elspass (LINK). Auch sind die relativ teuren TRS-Adapter das Geld wert: denn sie sind durchdacht designt, der Firmeninhaber und -gründer ist selbst armamputiert und begeisterter Sportler, und wenn sie dort als Original von Bob Radocy als absoluter Pionier in dieser Sache erfunden wurden, sollte man sie nur schon deswegen dort kaufen, weil das dort eine gute Sache ist.

Device TRS Prosthetics (das Original) ZHAW / Swiss Prosthetics (seit ~2016)
Ski-Adapter  

Image (C) Coypright TRS

 

Image (C) Coypright ZHAW

Schwimmadapter

Image (C) Coypright TRS

 

Image (C) Coypright ZHAW

Material, Design  

Qualitativ hochstehende Materialien, originale Erfindung eines in diesem Gebiet bahnbrechenden Pioniers (Bob Radocy)

 

 

Kunststoff aus dem 3D-Drucker

Keine grundlegend neue Idee, als Anwender scheint hier eine zu starke Ähnlichkeit zu TRS-Geräten ersichtlich

Anwendung Für den Skistock verwende ich TRS / Bob Radocy´s Skistockadapter "Ski 2" (LINK), wobei hier Schaft / Suspension sowie Handgelenk absoluter Schlüssel für den Rückstosserfolg sind, ebenso die Möglichkeit den Stock schräg einzustecken.

Das gelingt passiv nicht, habe das eine Saison lang probiert, dauernd den Stock zwischen den Beinen, es braucht hier eine Steuerung die mit Kabelzug und dem TRS-Modell extrem sinnvoll gelöst ist.

Damit sind die Rückmeldungen auch von anderen Anwendern zu diesem passiven Haltestocksystem nicht besonders gut.

Eine Schwimmprothese ist im wettkampfmässigen Behindertensport nicht erlaubt. Im Hallenbad stellen Paddles und derartige Teile ein Verletzungsrisiko für andere Schwimmer dar.

 

Wie gesagt ist in meiner Erfahrung hier das Ski-2 Adaptersystem von TRS dasjenige, das sich im Alpinski klar durchgesetzt hat.

Bereits das Original dieser Art Skistockhalterung scheint bisher nicht als besonders brauchbare beurteilt worden zu sein.

Eine Schwimmprothese ist im wettkampfmässigen Behindertensport nicht erlaubt. Im Hallenbad stellen Paddles und derartige Teile ein Verletzungsrisiko für andere Schwimmer dar.

 

Der Fahrradadapter von Swiss Prosthetics, bei dem die Prothese offenbar wenigstens für einige Bremsgriffmodelle durch Abkippen eine Bremswirkung auslösen soll, mag für gewisse Velofahranwendungen - etwa auf ansonsten unbenutzten Kinderwegen oder zu Hause im Garten - ausreichen, aber für eine generelle Anwendung im Strassenverkehr wäre ich selbst hier äusserst zurückhaltend.

Für eine Anwendung im Strassenverkehr sollten oben genannte Grundsätze - Sicherheit weit vorne - berücksichtigt werden.

Image (C) ZHAW / Swiss Prosthetics

3D-Druck ist generell zur unbesehenen Anwendung für übungskritische Armprotheseneinsätze ungeeignet: offizielles Statement

Zuletzt ist darauf hinzuweisen, dass die Begründer der Bewegung, die 3D-gedruckte Plastikteile in die Prothetik brachten, vor der echten harten Anwendung selbst eher Abstand nehmen. Mehr als sagen kann man es allerdings nicht. Diese Hinweise im Detail hier.

Extrem hohe Verkaufspreise von 3D-gedruckten Plastik-Prothesen im Vergleich zu den Fertigungskosten: was man dazu wissen muss

Auch 3D-Druck kann sehr teuer sein: wenn nämlich das fragile, allenfalls schlecht gebaute Wackelteil bedeutend mehr als der eigentliche Fertigungsaufwand - das Material zum Kilopreis von etwa 20-30 CHF - kostet.

Wer also eine 3D-gedruckte Armprothese von ~600g Gewicht für 500, 800, 1000, 2000 oder gar 3000 CHF (statt für ~15 CHF) verkauft, zieht den Kunden genauso über den Tisch wie andere Leute mit solchen Margen.

Mehr als 50-100 CHF sollte man für eine 3D-gedruckte Prothese von um die bis zu etwa ~1 kg Gewicht nicht ausgeben, einfach weil das Material selbst nicht nur gar nicht mehr kostet, sondern weil das Material auch im Sinne einer Wertigkeit nicht mehr wert sein dürfte.

Korrekte Verwendung von 3D-Druck in der Armprothetik: Grundsatz: nur zur Entwicklung - nie für das fertige Produkt

Prothesenteile aus dem 3D-Druck in Plastik eignen sich grundsätzlich hervorragend zur Entwicklung, und die Passform eines 3D-Entwurfs kann mittels 3D-Druck aus Plastik rasch und relativ günstig auch vorsichtig getestet werden - aber zum Alltagseinsatz ist das Preisleistungsverhältnis entscheidend: hier verlasse ich mich nur auf besonders druck- und vor allem zugstabiles Material, wie Stahl (Verbindungsstücke, Steuerkabel) und Karbonfaser (Schaft), sowie besonders hochwertige Kunststoffe. Weitere Details hier.

Links

 

Keywords: Fahrrad, Velo, Velofahren, Rennvelo, Rennfahrrad, Mountain Bike, Trekking, City Bike, Cyclocross, Amputation, Armamputation, Armstumpf, Armprothese, Prothese, Handprothese, Schweiz, IV, Invalidenversicherung, Haut, Stumpf, Ausschlag, Schweiss, Schwitzen, Belastung, Sport, Fahrradfahren, Velomechaniker, Fahrradmechaniker, Funding, Investition, Foundation, ETH, Sponsor, Drittmittel

[1] J. Ten Kate, G. Smit, and P. Breedveld, "3D-printed upper limb prostheses: a review," Disability and Rehabilitation: Assistive Technology, vol. 12, iss. 3, pp. 300-314, 2017.
[Bibtex]
@article{ten20173d,
  title={3D-printed upper limb prostheses: a review},
  author={Ten Kate, Jelle and Smit, Gerwin and Breedveld, Paul},
  journal={Disability and Rehabilitation: Assistive Technology},
  volume={12},
  number={3},
  pages={300--314},
  year={2017},
  publisher={Taylor \& Francis}
}
[2] K. F. Gretsch, H. D. Lather, K. V. Peddada, C. R. Deeken, L. B. Wall, and C. A. Goldfarb, "Development of novel 3D-printed robotic prosthetic for transradial amputees," Prosthetics and orthotics international, vol. 40, iss. 3, pp. 400-403, 2016.
[Bibtex]
@article{gretsch2016development,
  title={Development of novel 3D-printed robotic prosthetic for transradial amputees},
  author={Gretsch, Kendall F and Lather, Henry D and Peddada, Kranti V and Deeken, Corey R and Wall, Lindley B and Goldfarb, Charles A},
  journal={Prosthetics and orthotics international},
  volume={40},
  number={3},
  pages={400--403},
  year={2016},
  publisher={SAGE Publications Sage UK: London, England}
}
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
HTML Snippets Powered By : XYZScripts.com
I footnotes
x2